Fussballclub greift tief in die Tasche
29.01.2026 SportNeues Finanzierungsmodell für Kunstrasen
Nachdem der Investitionskredit für den Oberdörfer Kunstrasen an der Urne gescheitert war, verhandelten die Beteiligten nach. Am Dienstag haben die Mitglieder des FC Oberdorf nun einstimmig beschlossen, den Beitrag des Vereins um 110 ...
Neues Finanzierungsmodell für Kunstrasen
Nachdem der Investitionskredit für den Oberdörfer Kunstrasen an der Urne gescheitert war, verhandelten die Beteiligten nach. Am Dienstag haben die Mitglieder des FC Oberdorf nun einstimmig beschlossen, den Beitrag des Vereins um 110 000 Franken zu erhöhen.
Timo Wüthrich
Der Sportplatz z’Hof sorgte in Oberdorf zuletzt für einige Diskussionen. Im Dezember 2024 bewilligte die Gemeindeversammlung mit knappem Mehr einen Investitionskredit von 530 000 Franken für die Erneuerung der Anlage. Wenig später wurde gegen diesen Beschluss erfolgreich das Referendum ergriffen. In der folgenden Urnenabstimmung vom Mai vergangenen Jahres lehnte die Oberdörfer Stimmbevölkerung den Kredit ab – einen massgeblichen Anteil an der Absage des Souveräns hatte die angespannte Finanzlage der Gemeinde. Die Gegnerschaft betonte, dass nicht grundsätzlich ein neuer Kunstrasen verhindert werden solle, sondern lediglich die angedachte Finanzierung.
In den Monaten nach der Urnenabstimmung setzten sich Vertretungen der Gemeinde, des Fussballclubs sowie der Gegnerschaft gemeinsam an einen Tisch, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Der Zeitdruck war und ist hoch: Der Fussballverband hat dem FC Oberdorf lediglich bis zum kommenden Sommer eine Ausnahmebewilligung erteilt, um den abgenutzten Kunstrasen weiterhin bespielen zu dürfen.
An einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung am Dienstagabend informierten die Vereinsfunktionäre über den aktuellen Stand der Gespräche. Dabei hoben die Verantwortlichen im Grittpark die konstruktive Zusammenarbeit mit der Gemeinde hervor: «Wir befinden uns bei 90 oder 95 Prozent – die Gespräche sind weit fortgeschritten», erklärte FCO-Präsident Hansjörg Regenass der Versammlung.
Im Zuge der Neuverhandlungen wurden die Gesamtkosten des Projekts auf einen Voranschlag von 735 000 Franken reduziert. Das überarbeitete Finanzierungsmodell sieht vor, dass sich die Gemeinde neu mit 375 000 Franken beteiligt, statt wie ursprünglich geplant mit 530 000 Franken. Gleichzeitig erhöht der FC Oberdorf seinen Beitrag deutlich. Der Verein beteiligt sich neu mit 160 000 Franken an den Kosten. «Eines der Hauptargumente bei der Abstimmung war, dass der Verein aus der Sicht der Kritiker einen zu geringen Beitrag von 50 000 Franken beisteuert. Diesen Anteil erhöhen wir nun um 110 000 Franken», so Regenass gegenüber der «Volksstimme».
Einstimmigkeit bei Mitgliedern
Die höhere Summe will der FC Oberdorf mit verschiedenen Massnahmen finanzieren. Vorgesehen sind etwa höhere Mitgliederbeiträge, Darlehen sowie Einnahmen aus Veranstaltungen wie dem kantonalen Schwingfest im kommenden Mai. Auf die Frage eines Mitglieds, ob der Verein die 110 000 Franken der Gemeinde grosszügig schenke, entgegneten die Verantwortlichen, man sei nach der verlorenen Abstimmung verpflichtet gewesen, den Kritikern im Dorf entgegenzukommen und tiefer in die eigene Tasche zu greifen. Der höhere Betrag sei im Sinne des Verursacherprinzips zu sehen.
Ein weiterer Kritikpunkt der Gegnerschaft betraf die unpräzise vertragliche Regelung rund um die Sportanlage. Neben der seit 2016 geltenden Leistungsvereinbarung besteht gleichzeitig ein Baurechtsvertrag zwischen der Gemeinde und dem Fussballverein. Um Klarheit zu schaffen, soll die bestehende Leistungsvereinbarung durch eine überarbeitete Version ersetzt werden, die voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres in Kraft tritt. Neu geregelt wird darin unter anderem die jährliche Pauschale, welche die Gemeinde dem Verein für den Unterhalt entrichtet. Dieser Betrag wird halbiert; der Verein erhält künftig noch 20 000 Franken.
Die Abstimmung über den erhöhten Vereinsbeitrag brachte ein eindeutiges Ergebnis: Die zahlreich erschienen Stimmberechtigten sprachen sich einstimmig für die Erhöhung um 110 000 Franken aus. Die Verantwortlichen zeigten sich erleichtert: «Ich bin froh, dass es bei den mehr als 80 stimmberechtigten Mitgliedern keine einzige Enthaltung oder Gegenstimme gab», so Hansjörg Regenass nach der Abstimmung. «Das ist ein klares Zeichen, dass der Verein zusammenhält und hinter der neuen Finanzierung steht.»
Ob auch die Bevölkerung das überarbeitete Kunstrasen-Projekt unterstützt, wird sich in einigen Wochen zeigen: Am 16. März wird die Gemeindeversammlung über den revidierten Investitionskredit befinden. Sofern die Zustimmung erfolgt, sollen bereits im Sommer die Arbeiten zur Erneuerung des Kunstrasens beginnen.

