Dorfbrunnen mit Maibäumen geschmückt
Das Maibaumstellen ist ein Brauch, der im Baselbiet speziell gepflegt wird. So auch in Wittinsburg. Bei zwei Dorfbrunnen wurden geschmückte Bäume aufgerichtet. Alphornklänge umrahmten den Kraftakt.
Sander van ...
Dorfbrunnen mit Maibäumen geschmückt
Das Maibaumstellen ist ein Brauch, der im Baselbiet speziell gepflegt wird. So auch in Wittinsburg. Bei zwei Dorfbrunnen wurden geschmückte Bäume aufgerichtet. Alphornklänge umrahmten den Kraftakt.
Sander van Riemsdijk
Das Dekorieren der Dorfbrunnen mit geschmückten Tannen oder Tännchen ist eine Baselbieter Spezialität. Der Brauch symbolisiert das Erwachen der Natur und den Beginn des Frühlings. Es markiert die Ankunft von Licht, Wärme und Fruchtbarkeit, wobei auf ein gutes, fruchtbares Jahr gehofft wird. Das wünschten sich am 1. Mai auch zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner von Wittinsburg, die dem Aufrichten der zwei Maibäume beiwohnten.
Der Maibaum-Brauch wird in Wittinsburg wie zu Urgrossvaters Zeiten vollzogen mit dem Unterschied, dass der Maibaum früher mit einem geschmückten Pferde-Vierspänner ins Dorf gebracht wurde. Heute werden zwei sieben Meter hohe Tannenbäume mit einem Traktor ins Dorf transportiert und vor dem Aufrichten mit einem Kranz und bunten Seidenbändern geschmückt.
Musikalisch umrahmt wurde der Anlass vom mitorganisierenden Alphorn-Trio «Mir wei luege». Einige Dorfbewohnerinnen präsentierten sich in Tracht, womit sie dem Anlass eine zusätzliche heimatliche Note verliehen.
Für die Dorfgemeinschaft
Schon seit 15 Jahren ist das Trecker-Team für das Stellen der Bäume in Wittinsburg zuständig, wie die Vereinsmitglieder Joel und Manuel Hutter ausführten. «Es ist eine lange Tradition, die wir weiterhin intensiv pflegen möchten. Sie stärkt das Gemeinschaftsgefühl im Dorf», sagten sie mit Blick auf die zahlreichen Schaulustigen.
In der Einladung zum Festakt wird die Arbeit des Trecker-Teams gelobt, dass es einen wertvollen Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes und der Dorfgemeinschaft leiste. Muskuläres Zusammenwirken war beim Stellen der Bäume gefordert, denn dies geschah nach traditioneller Art von Hand, in diesem Fall von sechs Händen.
Nach den Grussworten von Manuel Hutter vom Trecker-Team und von Gemeinderat und Alphornbläser Roger Handschin sowie dem Aufstellen der Maibäume war die Bevölkerung eingeladen, beim Apéro zu verweilen. Bei einem Glas Wein, einem kalten Bier, Häppchen und Gesprächen zelebrierten die Wittinsburgerinnen und Wittinsburger das Dorfleben.
Fruchtbarkeit und Freiheit
Der Maibaum-Brauch hat seine Wurzeln in heidnischer Zeit. Die Bäume
– meist handelt es sich um kleinere oder grössere Tannen – stehen für Fruchtbarkeit und Freiheit, und sie werden am Vorabend des 1. Mai, des keltischen Fruchtbarkeitsfestes «Beltane», aufgestellt. Je nach Ort werden die Bäume mit Musik, Gesang oder Volkstänzen eingeweiht. Ebenso dient das Maibaumstellen als Zeichen der Werbung von unverheirateten Männern und wird vor das Haus eines Mädchens aufgestellt.
Beim Maibaumstellen auf oder an Dorfbrunnen handelt es sich um eine Variante, die vor allem im Baselbiet gepflegt wird. Die ersten bekannten schriftlichen Zeugnisse des Brauchs stammen laut dem Volkskundler Eduard Strübin aus dem Jahr 1544.