Füttern verboten!
10.04.2026 BaselbietEmpfehlungen zum Umgang mit Waschbären
Der aus Deutschland einwandernde Waschbär vermehrt sich seit einigen Jahren auch in der Schweiz. Die Nordwestschweizer Kantone rufen die Bevölkerung zur Mithilfe auf, um dessen Ausbreitung einzudämmen.
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Empfehlungen zum Umgang mit Waschbären
Der aus Deutschland einwandernde Waschbär vermehrt sich seit einigen Jahren auch in der Schweiz. Die Nordwestschweizer Kantone rufen die Bevölkerung zur Mithilfe auf, um dessen Ausbreitung einzudämmen.
ch. «Stop Waschbär – Helfen Sie mit!»: Seit wenigen Tagen verbreiten Baselbieter Gemeinden über ihre Informationskanäle einen Flyer, der sich mit dem Waschbär, der eine Herausforderung für den Menschen und eine Gefahr für einheimische Tiere darstelle, befasst. Absender des Dokuments sind das Amt für Wald und Wild beider Basel sowie die Kantone Aargau und Solothurn.
Waschbären-Junge werden meist im April oder Mai geboren. Dies aber ist nicht der Anlass für den aktuellen Aufruf, wie der Baselbieter Jagdverwalter Holger Stockhaus auf Anfrage sagt. Aufgrund der Zunahme der Waschbären in der Region in den vergangenen Jahren bestehe grundsätzlich Bedarf zur Sensibilisierung der Bevölkerung. Bereits 2021, als das erste Mal Waschbärennachwuchs in Baselland festgestellt wurde, habe man alle Gemeinden informiert.
Die heutige Anzahl der Waschbären im Kanton Baselland kann Stockhaus «wie oftmals im Wildtiermanagement» zwar nicht nennen. Doch liessen die gemeldeten Sichtungen auf eine Zunahme der Waschbär-Population schliessen: Im Jahr 2020 wurden im Baselbiet 2 Sichtungen registriert. 2021 waren es 20, 2022 fiel der Wert auf 9 und steigt seither kontinuierlich an. 2025 gingen beim Amt für Wald und Wild insgesamt 37 Meldungen ein.
Auch mehr Abschüsse
Die Anzahl «Entnahmen», das heisst Abschüsse, hat in der Tendenz ebenfalls zugenommen: Im Jagdjahr 2021/22 lag der Wert bei 4, in den Folgejahren wurden 11, 10 und 31 Waschbären erlegt. Im Jagdjahr 2025/26, das Ende März endete, statistisch aber noch nicht abgeschlossen ist, liegt der vorläufige Wert bei 25 Tieren.
Die Ausbreitung des aus Deutschland einwandernden Waschbären stellt für die einheimische Fauna eine Herausforderung dar. Als invasive Art könne der Allesfresser lokal Bestände empfindlicher Arten wie Amphibien, Vögel oder Reptilien stark unter Druck setzen, heisst es im Merkblatt. Er konkurriere auch mit einheimischen Arten mit einer ähnlichen Lebensweise. Als Beispiele werden der Dachs, der Iltis und der Marder genannt. Waschbären könnten ausserdem Krankheiten wie den Spulwurm übertragen, der auch für Menschen gefährlich sein könne.
Der Kleinbär hält sich gerne in Wäldern und in Gewässernähe auf und kommt auch im Siedlungsgebiet gut zurecht. Dort finde er leicht Nahrung und Unterschlupf, was zu Konflikten mit Menschen führe, wenn er Abfälle durchwühlt, in Häuser eindringt, Dachdämmungen beschädigt und Urin und Kot hinterlässt. Da das Tier dämmerungs- und nachtaktiv ist, könne es nur selten beobachtet werden.
Das nun verbreitete Dokument enthält eine Reihe von Empfehlungen an die Bevölkerung zur Eindämmung des Räubers. Regel Nummer eins: «Das Füttern von Wildtieren ist verboten.» Waschbären, die gefüttert werden, könnten ihre Scheu verlieren, zudringlich werden und sich unter Umständen auch aggressiv verhalten, heisst es.
Nicht nur das aktive Füttern von Waschbären sollte unterlassen werden. Es sind auch Massnahmen zu treffen, damit sie sich im Siedlungsgebiet nicht selber bedienen können:
– Speisereste oder Tierfutter nicht im Freien stehen lassen
– Kompost abdecken
– Abfall in gut verschlossenen Behältern lagern, volle Abfallsäcke erst morgens herausstellen
– Zugang zu Gebäuden verhindern: Öffnungen wie Katzenklappen, Türen und Fenster von Gartenhäusern, Dachböden oder Garagen verschliessen
– Bäume, die über das Dach reichen, zurückschneiden
– Sandkästen zudecken, da diese sonst von Waschbären und anderen Tieren als Latrine verwendet werden können.

