Frust wegen Turnfest-Flaute
05.02.2026 TurnenNur sechs regionale Turnfeste im Jahr 2026
Das Durchführen von Turnfesten ist personalintensiv und braucht viel Platz. Dass es schweizweit immer weniger Turnfeste gibt, sorgt für Frust – auch im Baselbiet. Neue Festformen könnten Abhilfe schaffen.
...Nur sechs regionale Turnfeste im Jahr 2026
Das Durchführen von Turnfesten ist personalintensiv und braucht viel Platz. Dass es schweizweit immer weniger Turnfeste gibt, sorgt für Frust – auch im Baselbiet. Neue Festformen könnten Abhilfe schaffen.
Tobias Gfeller
«Nur sechs Turnfeste – und Hunderte Absagen: Szene ist frustriert.» So titelte «SRF online» am 24. Januar. Im Artikel ging es darum, dass es 2026 schweizweit nur sechs regionale Turnfeste gibt, zwei davon im Baselbiet: Das Regionalturnfest in Liesberg und das Jugendregionalturnfest in Wintersingen. Der Ansturm auf die wenigen Feste sei riesig.
Bereits im vergangenen November meldeten die Organisatoren von Liesberg einen Anmeldestopp. «Wir sind überwältigt von der riesigen Nachfrage und dem grossen Interesse der Turnvereine – wir wurden regelrecht überrannt mit Anmeldungen!», heisst es auf der Website des Turnfestes. Um möglichst vielen Vereinen die Teilnahme zu ermöglichen, haben die Organisatoren die Kapazitäten erweitert und die Anlagen bis an ihre Grenzen ausgelastet.
Ähnlich geht es den anderen fünf Turnfesten. Gemäss einem gemeinsamen Schreiben hätten alle sechs Feste den Anmeldestart vereinheitlicht und die Vereinsanmeldungen miteinander verglichen. Doppelstarts von Vereinen sollen verhindert werden, damit alle eine faire Chance auf eine Teilnahme haben. Trotzdem musste mehreren Hundert Riegen abgesagt werden, teilten die Veranstalter der sechs Turnfeste mit.
Auch im Turnerkanton Baselland ist die Problematik bekannt. Daniela Baumgartner, Präsidentin des Baselbieter Turnverbands (BLTV), kann den Frust der Turnerinnen und Turner verstehen. «Man trainiert das ganze Jahr hindurch auch, um sich an Wettkämpfen zu messen. Ein Turnfest ist jeweils der Höhepunkt des Jahres. Wenn keine oder nur wenige stattfinden, ist das natürlich enttäuschend.» Die Gründe dafür verortet sie teilweise noch immer bei der Pandemie, als unter anderem das kantonale Turnfest im Laufental abgesagt werden musste. «Dies hat bei Veranstaltern Spuren hinterlassen. Die Bereitschaft der Vereine, selber etwas auf die Beine zu stellen, hat spürbar abgenommen.» Dem gegenüber stehe die grosse Motivation bei den Turnenden für Wettkämpfe und Turnfeste, deren Bedeutung oft über das Sportliche hinausgehen.
Dass der BLTV Mühe hatte, einen Veranstalter für das Kantonalturnfest 2028 zu finden, unterstreicht die Entwicklung. Mit Muttenz konnte ein Austragungsort gefunden werden, wo das Angebot auf die Infrastruktur angepasst wird. Als mögliche Lösung gegen die Turnfest-Flaute sieht Baumgartner redimensionierte Veranstaltungen, die personell und in Sachen Infrastruktur weniger aufwendig, dafür aber nachhaltiger sind. Der BTV Sissach bestritt mit «Turntagen» nach der Pandemie neue Wege. Der TV Frenkendorf führt heuer am 20. Juni ein «Turnfest light» in Bubendorf durch.
«Die Turntage haben sich bewährt», sagt Andreas Grieder, Präsident des BTV Sissach. Der Verband sei für alles offen und könne sich in Zukunft auch wieder einen Turntag vorstellen. 2026 sei noch keiner geplant. Wenn ein Verein aber doch noch einen organisieren wollen würde, stünde der Verband nicht im Weg. «Wir sehnen uns aber ehrlich gesagt schon nach einem richtigen Turnfest», so Grieder weiter. Wenn möglich soll jedes Jahr im Bezirk ein grosser Anlass durchgeführt werden. «Aber die Hauptsache ist, dass geturnt wird.» 2028 feiert der BTV sein 125-jähriges Bestehen. Dafür fand bereits eine erste Ideensitzung statt. «Es wird 2028 sicher etwas laufen.»
Feste mit weniger Disziplinen
Baumgartner sieht in Turnfesten ohne Wertungs- und Kampfrichter nicht die Lösung. «Ich bin dafür, dass es mehr Turnfeste gibt, dafür kleinere. Sie sollten aber stets mit Wertungs- und Kampfrichtern durchgeführt werden. Dann kann man das Angebot auch der Infrastruktur anpassen. Zudem ist der Aufwand nicht so gross und kann in einem Dorf gestemmt werden.»
Die Turnerszene müsse vom Anspruch wegkommen, dass an jedem Fest sämtliche Disziplinen angeboten werden, findet Daniela Baumgartner. «Es können nicht an jedem Ort grosse Zelte aufgestellt und grosse Flächen bereitgestellt werden. Da wünsche ich mir von den Teilnehmern Verständnis und Flexibilität, sich auch einmal für andere Disziplinen anzumelden.»
Eine andere Möglichkeit bestehe darin, dass mehrere Turnvereine gemeinsam Feste organisieren, wie es beim Kantonalturnfest im Laufental der Fall gewesen wäre. Baumgartner ist sich bewusst, dass es für Vereine auch wichtig ist, dass die von ihnen organisierten Feste im eigenen Dorf stattfinden. «Aufgrund der herausfordernden Rahmenbedingen sind wir auf Flexibilität angewiesen. Sonst wird es schwierig, dass wieder mehr Turnfeste stattfinden.» Trotz der zuletzt schwierigen Lage und der aktuellen Turnfest-Flaute sieht Baumgartner Tendenzen, dass die Lust, etwas auf die Beine zu stellen und zu organisieren, wieder steigt.
Das Kantonalturnfest 2028 in Muttenz sei ein gutes Beispiel dafür, wie ein Dorf zusammenspannt, um einen solchen Grossanlass zu stemmen. «Es muss nicht immer nur am TV selber liegen, ein Fest zu organisieren. Auch andere Vereine in den Dörfern haben Interesse daran, wenn etwas läuft und sie mitwirken können.» Um den Aufwand im Bereich Infrastruktur zu minimieren, sollten Disziplinen möglichst viel auf bestehenden Anlagen durchgeführt werden.
Der kantonale Turnverband möchte mit gutem Vorbild vorangehen und dafür sorgen, dass Anlässe stattfinden können. Baumgartner sieht die Vereine aber auch in der Pflicht. «Man kann nicht nur konsumieren und auf Veranstaltungen anderer Vereine hoffen. Man muss auch einmal selber aktiv werden.» Als bestes Beispiel nennt die Präsidentin den TV Oberdorf, der zuletzt drei kantonale Meisterschaften im Vereinsturnen durchgeführt hat, ohne selber daran teilzunehmen. Dass Turnfeste und allgemein Wettkämpfe stattfinden, ist für die Sichtbarkeit und Präsenz des Turnens von grosser Bedeutung. Auch für die Jugendförderung brauche die Turnerszene diese Anlässe, erinnert Daniela Baumgartner.

