Lieber Spinnen im Haus als Stechmücken
Bei Spinnen scheiden sich die Geister. Werden die Tiere im Haus gesichtet, werden sie im besten Fall nach draussen befördert oder im schlimmsten Fall mittels Staubsauger entsorgt. Dabei befreien uns Spinnen von Mücken, Fliegen, Motten ...
Lieber Spinnen im Haus als Stechmücken
Bei Spinnen scheiden sich die Geister. Werden die Tiere im Haus gesichtet, werden sie im besten Fall nach draussen befördert oder im schlimmsten Fall mittels Staubsauger entsorgt. Dabei befreien uns Spinnen von Mücken, Fliegen, Motten oder Silberfischchen.
Heinz Döbeli
Die Angst vor Spinnen ist kulturell verankert. Sie wurde nicht nur von Jeremias Gotthelf in seiner Novelle «Die schwarze Spinne» bewirtschaftet, sondern auch sehr wirksam von der Filmindustrie. Die Protagonisten in solchen Filmen sind meist sich rasant vermehrende Spinnen, die extrem giftig sind und ganze Städte bedrohen.
Giftig sind fast alle Spinnen, alle sind Räuber und verzehren alles, was sie fangen und überwältigen können – inklusive andere Spinnen und manchmal sogar Artgenossen. Aber für Menschen sind die in der Schweiz vorkommenden Spinnen ungefährlich. Nur bei ganz wenigen sind die Mandibeln (Beisswerkzeuge) kräftig genug, um menschliche Haut zu durchdringen. In den vergangenen Jahrzehnten sind in der Schweiz keine belegten Todesfälle durch Spinnenbisse bekannt geworden. Auch sind keine Krankheiten bekannt, die durch Spinnen übertragen werden.
In der Schweiz kennt man etwa 1000 Spinnenarten, in Europa mehr als 5000 und weltweit mehr als 50 000. Wahrscheinlich sind es aber deutlich mehr, denn viele Lebensräume sind nur mangelhaft erforscht. Ein grosser Teil der Spinnenarten ist weniger als einen Millimeter gross, und weil viele nachtaktiv sind, treffen wir sie nur selten an.
Wahrscheinlich am häufigsten wird die Zitterspinne beobachtet. Das ist die mit den acht langen dünnen Beinen. Fühlen sich diese Spinnen bedroht, wippen sie in ihren Nestern wild hin und her, was sie für Fressfeinde fast unsichtbar macht. Verwechselt werden Zitterspinnen oft mit den ebenfalls achtbeinigen Weberknechten. Letztere gehören einer anderen Ordnung an und haben weder Giftnoch Spinndrüsen. Auch die Mundwerkzeuge sind verschieden. Weberknechte saugen nicht, sondern zerlegen tote Tiere in kleine Stücke, die sie fressen. Sie sind die «Müllabfuhr» in Haus und Garten.
Gewöhnungsbedürftig
Seit einigen Jahren beobachtet man in Innenräumen die Echte Kräuseljagdspinne, oft auch als «Nosferatu-Spinne» benannt, in Anlehnung an einen Horrorfilm. Es handelt sich um eine der wenigen Spinnen, die Menschen beissen können. Ich hatte diese Erfahrung gemacht, weil ich ein ziemlich grosses Exemplar dieser Art mit blossen Händen fangen wollte. Der Schmerz war vergleichbar mit einem Wespenstich, aber die Hand schwoll nicht an und nach kurzer Zeit war der Schmerz weg.
Das war vor bald drei Jahren und ich dachte, dass das eine einmalige Sichtung war. Aber mittlerweile merkte ich, dass diese Art Spinne bei mir im Haus eine der häufigsten ist. Meist fange ich sie ein und bringe sie in den Garten, wo sie mithelfen soll, Läuse zu vertilgen. Das geht ganz bequem mit einem «Snapy»-Insektenfänger.
Noch etwas beobachtete ich: Normalerweise schlafen meine Frau und ich unter einem Mückennetz. Montiert wird dieses, wenn wir etliche Stiche abbekommen haben. Aber 2024 und 2025 stellten wir in unserem Schlafzimmer keine Mücken fest, dafür sehr häufig Echte Kräuseljagdspinnen. Ob das unsere Kammerjäger sind?