Fraueverein
02.07.2026 PersönlichDiräkt nachem Schlussapplaus hani my bim «Fraueverein Oberdorf-Liedertswil» aagmäldet. My erscht Johresbytrag hani bar zahlt und zwüsche zwee Gleesli Wysse der offiziell Fackel usgfüllt, nachdäm ich d 150-Joor-Fyyr ha dörfe moderiere. Mys ...
Diräkt nachem Schlussapplaus hani my bim «Fraueverein Oberdorf-Liedertswil» aagmäldet. My erscht Johresbytrag hani bar zahlt und zwüsche zwee Gleesli Wysse der offiziell Fackel usgfüllt, nachdäm ich d 150-Joor-Fyyr ha dörfe moderiere. Mys Bühne-Jäggli hani scho abgleit gha, my Respäkt und Fröid an denen engagierte Frauen und der Gschicht derhinter isch bliibe.
Aber vo Aafang aa. Öppen anderthalb Joor vor däm grosse Jubiläum bini in der Oberbaselbieter Heimet gsi und dört go yychaufe. Zwüsche zwee Regal het mi plötzlig e nätti Frau gfrogt, öb ich «die Mary Long» syg, die vo der «Volksstimm». Jetz hani das ehrlig gsäit schon es paarmol ghört und trotzdäm machts mi jeedesmol bitz verlääge. Sy fyyre mit em hiesige Fraueverein s 150-Joor-Jubiläum, het sy brichtet, aber erscht im übernächschte Joor und sy wette mi als Moderatorin ha.
Ich chürz ab: Mir häi e paar gueti Besprächige gha und i ha dä wunderbar Oobe dörfe mitgstalte, moderieren und e Reed über die 150 Joor halte. So hani in die spannendi Vergangeheit vo däm Verein dörfen abdauche.
E Verein, won i bis dato nur vom Name här und ehrlig gsäit chuum kennt ha. Ich mein, ime Schützeverein wird gschossen und im Muusigverein mache sy Muusig. Aber sone Fraueverein …? Isch vo Aafang aa en ehrenamtligi Hilfsorganisation gsi, wo die Armen und Chranken unterstützt het und zum Byyspil mit Dutzende, gstrickte Sogge für d Bevölkerig.
Au d Fröid unter de Frauen im Dorf isch nid z churz cho. In de Protokoll vo anno dazumaal hani so chöschtligi Sätz dörfe lääse, wie ass sy nachem lange Wanderdaag «bei einem Schinkenbrötli und Tanz den schönen Ausflug ausklingen lassen. Abends wurden die Frauen vom treuen Ehegespann im Gasthof zum Eidgenossen abgeholt».
Im Juni 1876, wo der Fraueverein Oberdorf-Tschoppehof gründet worden isch, häi dört nummen öppe 900 Yywohner gläbt. In ere Zyt, wos im Baselbiet noni mol elektrische Strom gee het. Erscht sächs Joor spöter
– übrigens am kantonaale Gsangsfescht z Gälterchinde – isch s erscht Mol elektrische Strom yygsetzt worde.
Im Baselbiet hets au no keini Delifoon gee. Nid mol d WB – die isch erscht 1880 yygweit worde. Der Fraueverein isch ganzi vier Joor älter als s Waldeburgerli. Me het Syydebändel gwoobe, und näbem Posamänte het d Uhrenindustrie im Tal Fahrt ufgno. Die muetigen und engagierte Fraue häi übrigens nid eifach so e Fraue-Verein dörfe gründe, es het tatsächlich e Maa bruucht – als Presidänt!
Hütt wärde näbe spannende Vorträg und Usflüg regelmässig Altersnomiddag und anderi Aaläss organisiert, wo d Menschen us dene zwee Dörfer verbinde. Und das Ganz ohni Subventionen oder regelmässigen Unterstützige vo der öffentliche Hand.
Ich ha vill Respäkt vor den aktive Frauen und bi chly stolz, ass ich offiziell s 301. Mitgliid in däm Verein darf sy!
Marianne Lindner-Köhler, 1981 im Baselbiet geboren und aufgewachsen, lebt mit ihrer Familie in München. Als Mary Long tritt sie auf bayerischen und Schweizer Poetry-Slam- und Kleinkunstbühnen auf.

