«Frauennetzwerke sind weiterhin wichtig»
03.06.2025 BaselbietEine Mediatorin und eine Juristin aus Liestal leiten Club berufstätiger Frauen
Als Co-Präsidentinnen der «Business and Professional Women» Baselland wollen Angela Kienle und Carmen Tanner die Vernetzung und gegenseitige Unterstützung von Frauen aller Altersgruppen ...
Eine Mediatorin und eine Juristin aus Liestal leiten Club berufstätiger Frauen
Als Co-Präsidentinnen der «Business and Professional Women» Baselland wollen Angela Kienle und Carmen Tanner die Vernetzung und gegenseitige Unterstützung von Frauen aller Altersgruppen fördern, die sich für berufliche Themen interessieren.
Marianne Ingold
Es war ein Anlass mit dem Titel «Chäsgschichte», der Angela Kienle zum Club Baselland der «Business and Professional Women» (BPW) brachte: «Damals verstand ich erst ganz wenig Schweizerdeutsch, aber zum Glück war alles mit Bildern illustriert und es gab eine Degustation», erzählt sie und lacht. Die gebürtige Irin mit Jahrgang 1975 studierte internationales Management und Sprachen und lebte ab Mitte der 1990er-Jahre im Raum Frankfurt, wo sie im HR-Bereich arbeitete. Im Jahr 2016 folgte sie ihrem Mann, der hier eine Stelle angetreten hatte, in die Schweiz und lebt seither in Liestal.
Nach dem Umzug orientierte sich Angela Kienle beruflich um, absolvierte eine Ausbildung als Mediatorin und systemischer Coach und machte sich selbstständig. «Als ich ins Baselbiet kam, hatte ich hier kein berufliches Umfeld, keine Studienkolleginnen und -kollegen, keine Familie», sagt sie. «Ich startete wieder bei null und wollte mir ein neues Netzwerk aufbauen.» Dieses sollte zwar einen beruflichen Bezug haben, aber unabhängig von einer spezifischen beruflichen Position sein. Bei den BPW Baselland fühlte sie sich auf Anhieb wohl und entschied sich zur Mitgliedschaft. An der diesjährigen Mitgliederversammlung Ende März wurde sie in den Vorstand und direkt ins Co-Präsidium gewählt.
Das Präsidium teilt sich Kienle mit der Juristin Carmen Tanner, die als Gerichtsschreiberin am Strafgericht Baselland arbeitet. Die beiden sind ein gutes Team: «Wir passen bestens zusammen», sagt Tanner, die 1984 geboren wurde, aus Muttenz stammt und seit knapp zehn Jahren ebenfalls in Liestal lebt. Die Mutter von zwei Kindern im Vorschul- und Primarschulalter kam 2019 zur Vereinigung und war rasch begeistert vom Konzept des Netzwerks, besonders von der Möglichkeit, von Frauen mit langjähriger Karriereerfahrung zu lernen.
Familiärer Club
BPW Baselland wurde 2004 gegründet. Zurzeit zählt der Club 31 Mitglieder zwischen 35 und 70 Jahren aus den unterschiedlichsten Branchen: Anwältin, Apothekerin, Ärztin, Bankerin, Coach, Geschäftsführerin, Künstlerin, Personalverantwortliche, Politikerin, Treuhänderin und viele mehr. Aus dem oberen Kantonsteil sind Frauen aus Frenkendorf, Füllinsdorf, Liestal, Sissach, Seltisberg und Lupsingen dabei. Prominentestes Mitglied ist Ständerätin Maya Graf.
Aktuell stellt der Club Baselland auch eine von zwei Co-Präsidentinnen von BPW Switzerland, dem nationalen Netzwerk mit 2000 Mitgliedern in 36 Clubs. «Unser Club Baselland ist sehr familiär», sagt Angela Kienle. «Deshalb gelingt der Kontakt sehr rasch und man kennt sich bald auch persönlich.»
Pro Jahr finden etwa zehn Club-Events an wechselnden Orten im Kanton und in der Region statt. Mitglieder haben auch Zugang zu den Veranstaltungen der anderen BPW-Clubs, zu regionalen und nationalen Anlässen sowie zum schweizerischen und zum weltweiten BPW-Netzwerk. Solche Kontakte könnten sehr hilfreich sein, sagt Angela Kienle: «Wer zum Beispiel beruflich ins Ausland zieht, hat über BPW bereits einen Türöffner.»
Neumitglieder gewinnen
Schwerpunkte setzen wollen die Co-Präsidentinnen in ihrer Amtszeit beim Mitgliederzuwachs, bei der Verjüngung des Clubs und beim persönlichen Austausch an den Clubanlässen: «Kein Anlass kann alle Interessen erfüllen, aber man kann trotzdem immer etwas mitnehmen und sich vernetzen, auch über Altersgrenzen hinweg», ist Carmen Tanner überzeugt. «Dass dieser Gedanke wieder mehr gelebt wird, ist uns ein Anliegen.»
Zu den Herausforderungen des BPW Clubs Baselland gehören dieselben gesellschaftlichen Veränderungen, mit denen auch andere Vereine zu kämpfen haben. Es sei heute nicht mehr selbstverständlich, einem Verein beizutreten, stellen Angela Kienle und Carmen Tanner fest. Viele Menschen müssten mit knappen Zeitbudgets haushalten und es gebe so viele Angebote, dass es schwieriger geworden sei, als Verein sichtbar zu werden.
Warum sollen Frauen heute noch einem reinen Frauennetzwerk beitreten? Angela Kienle sagt dazu: «Ich finde es nach wie vor sehr wichtig, dass es einen Raum gibt, in dem wir Frauen uns gegenseitig vernetzen und unterstützen, eigene Themen besprechen und vorantreiben können.» Und Carmen Tanner ergänzt: «Gerade in der Schweiz, die sich bezüglich Frauenrechten ja erst sehr spät entwickelt hat, besteht dafür weiterhin ein Bedarf.»
Die Autorin ist Mitglied des BPW Baselland.
DV des Dachverbands im Baselbiet
min. Der Gastgeberclub der diesjährigen Delegiertenversammlung (DV) von BPW Switzerland Mitte Juni ist BPW Baselland. Am Samstagvormittag, dem 14. Juni, findet ein Expertinnentalk mit Ständerätin Maya Graf, Damaris Buchenhorner, Verwaltungsratspräsidentin von Eptinger, sowie den CEOs von BKB, Probando und Sutter Begg statt. Weitere Informationen unter www.bpw.ch.
Internationales Frauen-Netzwerk
min. BPW steht für «Business and Professional Women» und ist ein internationales Frauennetzwerk mit rund 30 000 Mitgliedern in 100 Ländern, das sich auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene für Frauen in der Wirtschaft einsetzt. Die Organisation wurde 1930 von der amerikanischen Juristin und Aktivistin Lena Madesin Phillips in Genf gegründet und hat zum Ziel, die berufliche und persönliche Entwicklung von Frauen in verschiedenen Branchen zu unterstützen, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und die Gleichstellung der Geschlechter in der Arbeitswelt zu fördern. Dazu dienen Networking-Möglichkeiten, Mentoring- und Weiterbildungsangebote sowie ein Stipendienfonds. BPW setzt sich unter anderem für die Förderung der Lohngleichheit, die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Erhöhung des Frauenanteils in Verwaltungsräten ein. Die Organisation hat Konsultativstatus beim Europarat und bei der UNO.

