Frauen prägen das Bild der Hochschulen
14.01.2025 BaselbietPsychologie ist ein Renner bei Studentinnen. Ihre Zahl nimmt aber auch bei Fächern zu, die bisher fest in Männerhand waren: zum Beispiel der Rechtswissenschaft. Ein Blick in die Universität Basel, wo die Baselbieter Studierenden die grösste Gruppe bilden.
...Psychologie ist ein Renner bei Studentinnen. Ihre Zahl nimmt aber auch bei Fächern zu, die bisher fest in Männerhand waren: zum Beispiel der Rechtswissenschaft. Ein Blick in die Universität Basel, wo die Baselbieter Studierenden die grösste Gruppe bilden.
Andrea Masek
Am 1. November 1893 immatrikulierte sich die erste Baselbieterin an der Universität Basel. Anna Elisabeth Köttgen aus Liestal studierte Medizin. Im Jahr 1897 tat es ihr Serena Bangerter-Buser aus Sissach gleich. Sie waren noch die grossen Ausnahmen. Heute studieren an der Uni Basel mehr Frauen als Männer. Ihr Anteil beträgt 58 Prozent. Seit rund zehn Jahren gibt es schweizweit mehr Studentinnen als Studenten. Und ihre Zahl wächst schneller als jene ihrer männlichen Kollegen. Dies gilt auch für Studierende aus dem Kanton Baselland.
Erhebungen des Amtes für Daten und Statistik Baselland belegen, dass seit rund 20 Jahren mehr junge Frauen als Männer eine Matura machen, schreibt Fabienne Romanens, Leitung Kommunikation bei der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion. Da erscheint es nur logisch, dass sich dies in den Studierendenzahlen reflektiert.
Matthias Geering, Leiter Kommunikation und Marketing der Uni Basel, erwähnt das seit zwei Jahren massiv verstärkte Studierendenmarketing. Zeigt dieses Erfolg? Mehr Erfolg bei den jungen Frauen als bei den jungen Männern? Die Universität Basel führt keine Befragungen durch, die auf Kantons- oder Geschlechterebene heruntergebrochen sind und hat deshalb keine abschliessende Erklärung dafür.
Nach wie vor bevorzugen Studentinnen die Geistes- und Sozialwissenschaften – insbesondere das Fach Psychologie. Auch in der Medizin und Pharmazie bilden Baselbieter Frauen die Mehrheit. Romanens verweist auf Daten, die besagen, dass in den vergangenen zehn Jahren der Frauenanteil unter den Baselbieter Studierenden in Rechtswissenschaften besonders angestiegen ist. Erstaunlicherweise auch in den Wirtschaftswissenschaften, die aber noch von den Männern dominiert werden.
Geering bestätigt, dass Studiengänge wie Recht-, Wirtschaftswissenschaften und Psychologie stetig beliebter würden. «Fachrichtungen wie Chemie und Geowissenschaften verzeichnen sogar einen Anstieg im zweistelligen Prozentbereich», sagt Geering. Ob auch hier die Frauen ausschlaggebend sind?
Oberbaselbieterinnen erzählen
Die Sissacherin Sarah Regez, die sich politisch in der SVP engagiert, studiert Rechts- und Politikwissenschaften. Ihr fiel am ersten Kurstag auf, dass es in den Politikwissenschaftskursen enorm viele Frauen hat. In Juristik seien die Zahlen ausgeglichener, findet sie. Sie weiss, dass gewisse Kurse in Politikwissenschaften auch von Studentinnen aus anderen Fächern – wie etwa Gender Studies oder Soziologie – belegt werden.
Macht sich die Frauenmehrheit denn bemerkbar? Zuzana Remenova studiert seit August 2023 Psychologie an der Uni Basel. Sie hat die Frauenmehrheit bis jetzt nicht bewusst wahrgenommen. Sie meint, ein Zeichen dafür könnten vielleicht die vielen Kleingruppen sein, in denen «man fast wie in einer Familie durch dick und dünn geht, durch Lernphasen und Prüfungstage, sich fast täglich sieht und vieles miteinander teilt». Sie selber ist Teil einer Dreiergruppe. «Für mich ist die Gruppe absolut essenziell, um den Uni-Alltag zu meistern.»
Regez fragt sich, ob der hohe Frauenanteil dazu beitrage, dass die Studierenden in der Tendenz linksprogressiv seien, denn gemäss Umfragen ordnen sich Frauen im politischen Spektrum eher dort ein. Sie bedauert, dass der Uni bei gewissen Themen wie dem Gendern oder den jüngsten antisemitischen Vorfällen die Abgrenzung zwischen Ideologie und Wissenschaft fehle.
Sowohl Regez wie Remenova haben die Uni Basel in erster Linie wegen ihrer Nähe gewählt. Regez politisiert im Baselbiet und wohnt in Sissach. Remenova ist der Kontakt zur Familie in Bubendorf und Freunden im Baselbiet sehr wichtig, sie wollte nicht wegziehen.
Da die Uni jene Fächer anbot, die sie studieren wollten, brauchten sich die beiden auch nicht weiter umzusehen. Remenova sagt, die Uni Basel habe einen guten Ruf. «Sie ist sehr bunt. Junge Menschen kommen von überall her, um etwas zu lernen, sich weiterzuentwickeln. Dieses multikulturelle Zusammenleben hat für mich einen grossen Zusatzwert.»
Regez findet das breite Angebot ansprechend, vor allem in den Mint-Fächern. Aber auch in den Geisteswissenschaften entdecke sie immer wieder Neues. «Die Nähe zur Praxis, zur Pharmaindustrie etwa oder zum Unispital, ist ein grosser Vorteil. Das bestätigen mir auch Kollegen immer wieder.»
Überschaubare Grösse
Geering bekräftigt: «Die Internationalität der Stadt am Dreiländereck ist für viele Studierende ein wichtiger Standortvorteil. Basel wird als Ort mit attraktiven beruflichen Perspektiven wahrgenommen, gerade in Medizin, Life Sciences, Kunst und Kultur.»
Er sagt, geschätzt werde die Uni Basel, weil sie überschaubar sei – etwa im Vergleich zur Uni Zürich. Viele Studierende erwähnten die familiäre Atmosphäre und die gelebte Kultur als Vorzüge. Dass in Basel viele Fächer individuell kombiniert werden können, werde ebenfalls positiv bewertet.

