Französisch soll warten
22.10.2026 Bezirk LiestalStarke Schule beider Basel reicht Initiative zur Umgestaltung des Sprachenunterrichts ein
Die Starke Schule beider Basel übergab am Dienstag der Landeskanzlei eine Initiative mit total 2274 Unterschriften. Damit fordert der Verein eine Beschränkung auf eine Fremdsprache auf ...
Starke Schule beider Basel reicht Initiative zur Umgestaltung des Sprachenunterrichts ein
Die Starke Schule beider Basel übergab am Dienstag der Landeskanzlei eine Initiative mit total 2274 Unterschriften. Damit fordert der Verein eine Beschränkung auf eine Fremdsprache auf Primarstufe und die Priorisierung von Englisch.
Tobias Gfeller
Das Votum der Primarschülerinnen und Primarschüler ist eindeutig: Nur eine Handvoll Kinder hob bei der Frage, ob sie lieber Französisch lernen, die Hand. Eine deutliche Mehrheit bevorzugt Englisch als Fremdsprache. Der Verein Starke Schule beider Basel lud am Dienstag zur Übergabe der Unterschriften für die Initiative «Zwei Fremdsprachen an der Primarschule sind zu viel» drei Schulklassen aus Aesch, Arlesheim und Gelterkinden nach Liestal ein. Nach einer Einführung in die Demokratie durften sie der Unterschriftenübergabe an Michael Engesser, Landeskanzlei, beiwohnen.
Die Vorstandsmitglieder und die Sekretariatsleiterin der Starken Schule beider Basel sahen sich durch das eindeutige Votum der Schüler in ihrer Haltung bestärkt: Auf Primarstufe soll im Baselbiet künftig nur noch eine Fremdsprache unterrichtet werden. Geht es um die Priorisierung, sollte mit Englisch angefangen und Französisch erst auf Sekundarstufe unterrichtet werden. Die erste Fremdsprache soll frühestens ab der fünften Klasse unterrichtet werden, so die Initiative.
Die dadurch auf Primarstufe frei werdenden Lektionen sollen durch die Kernfächer Mathematik und Deutsch besetzt werden. Nicht zuletzt die Ergebnisse der jüngsten Pisa-Studie hätten gezeigt, dass die Leistungen in den Kernkompetenzen stark rückläufig sind, betonte Charlotte Höhmann, Vorstandsmitglied der Starken Schule. «In der Primarschule sollen Lesen, Schreiben und Rechnen sowie die Entwicklung von Konzentrationsfähigkeit, Sprache, Feinmotorik und sozialen Kompetenzen im Vordergrund stehen», fordert ihre Organisation.
Es ist die zweite Initiative innerhalb von wenigen Wochen, welche die Starke Schule im Baselbiet eingereicht hat. Im August übergab der Verein der Landeskanzlei die Initiative zum Verbot digitaler Geräte bis zur vierten Primarklasse (die «Volksstimme» berichtete). In Gesprächen mit Eltern, Grosseltern und Lehrpersonen seien immer die gleichen Argumente gekommen, weshalb sie für eine Abschaffung des Frühfranzösisch sind, erklärte Aleyna Kara, Sekretariatsleiterin der Starken Schule. «Französisch ist bei den Kindern häufig mit viel Frust und Demotivation verbunden, weil ihnen die Sprache deutlich schwerer fällt als Englisch.»
Frust hindere Lernerfolg
Sie würden auf der Primarstufe Englisch dem Französisch vorziehen, da die Kinder in ihrem Alltag – etwa im Internet oder in den Sozialen Medien – eher mit Englisch in Kontakt kämen, sagte Charlotte Höhmann. «Ausserhalb der Schule kommt man in diesem Alter wenig mit Französisch in Berührung.» Der mit dieser Sprache verbundene Frust werde in die Sekundarschule mitgenommen und behindere dort den Lernfortschritt.
Im Gegenzug zum Abbau auf Primarstufe soll Französisch auf der Sekundarstufe gestärkt werden, indem unter anderem die Anzahl Wochenlektionen von heute drei auf vier oder fünf erhöht wird. Auch sollen Austauschprogramme mit Lehrpersonen aus der Romandie gefördert und Klassenlager im Welschland statt im Berner Oberland durchgeführt werden, schlägt der Vorstand der Starken Schule beider Basel vor. «Eine Fremdsprache lernt man vor allem, indem man sie im Alltag neben der Schule anwendet», sagte Vorstandsmitglied Lena Heitz.
Der Vorstand der Starken Schule unterstrich bei der Übergabe der Unterschriften die Bedeutung von Englisch und Französisch für das Berufsleben. Ziel sei es, dass alle Schüler bis zum Ende der obligatorischen Schulzeit beide Fremdsprachen gut beherrschen. «Fremdsprachen ja, aber zum richtigen Zeitpunkt», stellte Heitz klar.
Aleyna Kara sprach offen über den Zwiespalt, der mit dem Thema verbunden ist, da Französisch als Landessprache eine besondere Bedeutung zukommt. Der Vereinsvorstand lässt sich aber durch die Drohung und mahnenden Worte von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider (SP), mit der Abschaffung von Frühfranzösisch würde der nationale Zusammenhalt gefährdet, nicht verunsichern.
Wie weit greift der Bund ein?
Baume-Schneider stellte im Fremdsprachenstreit zwei Varianten vor: Auf Primarstufe werden weiterhin zwei Fremdsprachen unterrichtet. In diesem Fall wäre die soeben eingereichte Initiative der Starken Schule beider Basel ungültig. Als zweite Option schlug die Innenministerin den Verzicht auf eine zweite Fremdsprache auf Primarstufe vor. Als erste Fremdsprache müsste aber weiterhin Französisch unterrichtet werden. Damit wäre nur noch der zweite Teil der Initiative, der besagt, dass die eine Fremdsprache auf Primarstufe im Baselbiet Englisch sein müsse, ungültig.
Offen ist, wie stark sich der Bund in die Bildungshoheit der Kantone einmischen darf. Charlotte Höhmann verweist auch hier auf die jüngste Pisa-Studie. «Durch diese Studie wissen alle, dass Frühfranzösisch nicht funktioniert. Ausser Bundesrätin Baume-Schneider.»
