Für 1 Franken pro Tag Bus und Zug fahren
23.10.2026 BaselbietInitiative fordert günstigeres U-Abo
Das U-Abo für junge Menschen soll auch im Baselbiet nur noch 365 Franken pro Jahr kosten. Das Ja-Komitee hat seine Argumente für die entsprechende Initiative präsentiert. Die Mehrkosten für den Kanton seien angesichts des ...
Initiative fordert günstigeres U-Abo
Das U-Abo für junge Menschen soll auch im Baselbiet nur noch 365 Franken pro Jahr kosten. Das Ja-Komitee hat seine Argumente für die entsprechende Initiative präsentiert. Die Mehrkosten für den Kanton seien angesichts des langfristigen Nutzens vertretbar.
Tobias Gfeller
Das Umweltschutz-Abonnement des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW) – kurz U-Abo – gilt im öffentlichen Verkehr in weiten Teilen der Region Basel inklusive grenznahen Gebieten in Deutschland und Frankreich. Für Erwachsene kostet das U-Abo zweiter Klasse 824 Franken im Jahr. Unter 25-Jährige bezahlen im Kanton Baselland jährlich 542 Franken. Im Kanton Basel-Stadt kostet das U-Abo seit 2024 bis zum vollendeten 25. Altersjahr nur 365 Franken, damit umgerechnet 1 Franken pro Tag.
Mit der Initiative «Für ein bezahlbares U-Abo für Kinder und Jugendliche» fordern die Jungparteien der SP, Grünen, EVP, GLP und «Mitte» eine Angleichung des Preises für das U-Abo für Kinder und Jugendliche an Basel-Stadt. Dafür soll der Kanton Baselland das Umweltschutz-Abonnement stärker subventionieren. Gemäss Berechnungen der Baselbieter Regierung würden dadurch Mehrkosten in der Höhe von 2,8 bis 3 Millionen Franken auf den Kanton zukommen.
Mit der Preissenkung soll das Mobilitätsbedürfnis junger Menschen durch «finanziell tragbare und nachhaltige Fortbewegungsmittel» erfüllt werden, schreibt das Initiativkomitee auf seiner Website. Dadurch soll auch die soziale Teilhabe der jungen Menschen gestärkt werden. «Warum soll ein Lernender aus Liestal mehr bezahlen als sein Kollege aus Kleinbasel für das U-Abo im gleichen Tarifverbund?», fragte Eileen Fischer, Vorstandsmitglied der Jungen Grünliberalen beider Basel, im Rahmen einer Medienkonferenz des Ja-Komitees am Mittwoch in Liestal.
Gerade im Oberbaselbiet und im Laufental müssten junge Menschen für den Schulweg, den Weg zur Arbeit oder für die Freizeitbeschäftigung längere Distanzen im öffentlichen Verkehr bestreiten. Das Ja-Komitee warnt aber davor, die Mehrkosten durch ein günstigeres U-Abo auf die Infrastruktur abzuwälzen. Das ÖV-Angebot müsse attraktiv sein, damit es noch stärker genutzt wird. Ein gut genutzter öffentlicher Verkehr sei auch in Sachen Klimaschutz von Bedeutung, betonte Gian Hübscher, Vorstandsmitglied bei den Jungen Grünen beider Basel.
Langfristiger Nutzen
Für das Ja-Komitee sind die Mehrkosten für den Kanton Baselland trag- und vertretbar. «Man muss die Finanzierungsfrage ganzheitlich betrachten», meinte Rahel Amacker, Co-Präsidentin der Jungen «Mitte» Baselland. Sie stelle die langfristige Wirkung eines günstigeren U-Abos über die Mehrkosten: «Der öffentliche Verkehr sorgt im Vergleich zum motorisierten Individualverkehr für weniger Umwelt-, Unfall- und Gesundheitskosten.»
An der Medienkonferenz in Liestal argumentierten auch Grünen-Nationalrätin Florence Brenzikofer, der Baselbieter GLP-Präsident Thomas Tribelhorn, der Aescher SP-Landrat Jan Kirchmayr und Lea Hartmann von den Grünen Baselland für eine Preissenkung beim U-Abo für Kinder und Jugendliche.
Seit der Preissenkung in Basel hätten deutlich mehr junge Menschen ein Umweltschutz-Abonnement gelöst, sagte Brenzikofer. Gerade im ländlichen Raum stelle sich für viele Junge mit dem 18. Geburtstag die Frage, ob sie vom öffentlichen Verkehr auf das Auto umsteigen sollen, gab die Nationalrätin aus Oltingen aus Erfahrung mit ihren eigenen drei Kindern zu bedenken. Bleiben diese jungen Menschen beim öffentlichen Verkehr, könnte dies die Stauprobleme auf den Strassen entschärfen, glaubt Florence Brenzikofer.
FDP und SVP lehnen U-Abo-Verbilligung ab
gfe.
Regierungsrat und Landrat (mit 45 zu 34 Stimmen) lehnen die «U-Abo-Initiative» ab. Auf einen Gegenvorschlag wurde verzichtet. Die bürgerlichen Parteien im Kantonsparlament stimmten nahezu geschlossen gegen die Preissenkung des U-Abos für Jugendliche. «Auch wir würden uns über günstigere Abonnements für Jugendliche freuen. Doch eine Vergünstigung ist nicht gratis: Was die Abonnentinnen und Abonnenten weniger bezahlen, müssen die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler zusätzlich übernehmen», mahnt Landrätin Christine Frey (FDP). Sie erinnert an die knappen finanziellen Ressourcen des Kantons und erklärt so die Haltung ihrer Partei. «Nur weil die Stadt eine Vergünstigung eingeführt hat, bedeutet das nicht, dass Baselland automatisch nachziehen muss. Wir müssen unsere eigene Ausgangslage betrachten.» Für die FDP sei deshalb entscheidend: «Wir wollen einen attraktiven öffentlichen Verkehr und einen Kanton, der finanziell handlungsfähig bleibt. Eine zusätzliche Vergünstigung muss deshalb nicht nur gut gemeint, sondern auch solide finanziert sein». Neben der FDP lehnt auch die SVP die «U-Abo-Initiative» ab. Die «Mitte» sprach sich am Parteitag überraschend für die Initiative aus (siehe Seite 5).

