Fünf Frauen und ein «Viergänger»
22.01.2026 BöcktenDer Böckter Mittagstisch als Ort der Begegnung
Während der Herbst- und Wintermonate laden fünf Böckter Frauen zum gemeinsamen Mittagessen ein. Das Angebot richtet sich vor allem an Seniorinnen. Das Menü und persönliche Gespräche machen den Mittagstisch ...
Der Böckter Mittagstisch als Ort der Begegnung
Während der Herbst- und Wintermonate laden fünf Böckter Frauen zum gemeinsamen Mittagessen ein. Das Angebot richtet sich vor allem an Seniorinnen. Das Menü und persönliche Gespräche machen den Mittagstisch zum sozialen Treffpunkt.
Aline Grieder
Der Mittagstisch in Böckten blickt auf eine lange Geschichte zurück. Vor 40 Jahren wurde er vom Frauenverein ins Leben gerufen. Den Frauenverein gibt es heute nicht mehr, den Mittagstisch aber schon. Verantwortlich dafür ist das Kochteam Böckten mit Susanne Surer, Anna Schmutz, Christine Strub, Vreni Jordi und Sybille Armbruster. Die fünf Frauen führen die Tradition mit grossem Engagement fort und sorgen dafür, dass der Mittagstisch ein fester Bestandteil des Dorflebens bleibt.
Das Angebot richtet sich hauptsächlich an ältere Menschen im Dorf, insbesondere in der kalten Jahreszeit. «Viele gehen nicht mehr oft aus dem Haus. Umso wichtiger ist es, dass sie hier zusammenkommen», sagt Susanne Surer, die bereits seit 25 Jahren im Kochteam mitwirkt. Einmal im Monat, jeweils an einem Donnerstag, treffen sich Seniorinnen und Senioren zum gemeinsamen Essen. Sie reden, lachen und sie geniessen es, nicht allein zu sein. «Sie freuen sich sehr darauf, sich zu treffen», erzählt Surer.
Der Erfolg des Mittagstischs liegt auch am starken Zusammenhalt im Team. Die fünf Frauen kennen sich seit vielen Jahren, einige sind nach und nach dazugestossen. Alle haben grosse Freude am Kochen. «Wir haben ein super Team, es ist sehr lustig, auch in der Freizeit», sagt Christine Strub. Die Zusammenarbeit funktioniere reibungslos. Unterstützung erhielten sie von ihren Ehemännern, die bei Arbeiten wie etwa dem Aufstellen der Tische helfen würden.
Jeweils 65 Gäste an den Tischen
Der Mittagstisch bedeutet für das Kochteam einiges an Arbeit. Insgesamt investieren die Frauen rund eineinhalb Tage pro Anlass. Jeweils am Mittwochmorgen wird eingekauft, am Nachmittag werden die Tische gedeckt und wenn möglich bereits das Dessert vorbereitet. Am Donnerstag beginnt die Arbeit um 8 Uhr. Je nach Menü stehen die Frauen stundenlang in der Küche. Zeit für Pausen bleibt kaum. Offiziell startet der Mittagstisch um 12 Uhr. Die Letzten verlassen den Saal gegen 13.30 Uhr. Danach folgen das Abwaschen, Aufräumen und Putzen, was nochmals mehrere Stunden dauert.
Serviert werden Suppe, Salat, ein Hauptgang sowie Kaffee und Dessert.
Rund 65 Personen nehmen regelmässig am Böckter Mittagstisch Platz. Viele von ihnen sind Stammgäste. Die meisten sind 60-jährig und älter, vereinzelt kommen auch Kinder mit. Der Preis für das Essen beträgt 14 Franken, Getränke und Dessert inbegriffen.
Gekocht wird regional und möglichst kostengünstig, aber immer frisch und selbst gemacht. Im Herbst stehen etwa Kürbissuppe oder Rotkraut auf dem Menü, als Hauptspeise häufig Braten oder Fleischvögel. Die Kürbisse stammen teils aus dem eigenen Garten oder von lokalen Bauern. Besonders geschätzt wird, dass Gerichte serviert werden, die viele alleinstehende Menschen für sich selbst nicht mehr zubereiten würden. Bei den Desserts reicht die Auswahl von «Caramelchöpfli» über Schoggikuchen und Muffins bis zu Südtirolercreme oder Fruchtsalat. Neue Rezepte werden gerne ausprobiert und gemeinsam beschlossen.
Ein Höhepunkt des Jahres ist jeweils das Weihnachtsessen im Dezember. Früher gab es im Dorf eine separate Weihnachtsfeier für Seniorinnen und Senioren, diese war jedoch schwach besucht. Das heutige Weihnachtsessen des Kochteams zieht jeweils deutlich mehr Gäste an und wird von der Kirche unterstützt. Auch beim jährlichen Seniorentheater im Gemeindezentrum – heuer am 29. Januar – hilft das Kochteam mit und serviert Tee sowie ein feines Dessert.
Ehrenamtliches Engagement
Eine Herausforderung bleibt der Zeitdruck. Die Zahl der Gäste ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Pfannen, Platz und Zeit werden am Donnerstagmorgen oft knapp. Trotzdem überwiegt die Freude der Macherinnen. «Es ist zwar eine Routine, aber die Arbeit erfüllt uns nach wie vor, weil wir den Leuten eine Freude machen», sagt Anna Schmutz. Die Tische werden passend zur Jahreszeit dekoriert. Zur Weihnachtszeit wurden sie in festlichen Farben und mit Tannzweigen verziert. Dafür sind Vreni Jordi und Anna Schmutz zuständig.
Die Rückmeldungen seien durchwegs positiv. Ein Mann habe es auf den Punkt gebracht: «Man merkt, dass ihr das mit Liebe macht. Man sieht nur fröhliche Gesichter.» Dies bestätigt das Kochteam, das ehrenamtlich tätig ist. Ein Entgelt für ihr Engagement erhalten die Frauen nicht. Die Gemeinde unterstützt das Angebot mit einem finanziellen Beitrag als Zeichen der Wertschätzung.
Für die Zukunft wünschen sich die fünf Frauen vor allem eines: Dass der Mittagstisch weiterhin gut besucht wird und dass sie dieses Angebot noch lange weiterführen können – auch als Ort der Begegnung und als Mittel gegen die Einsamkeit im Alter. Der nächste Mittagstisch des Kochteams wird am 12. Februar gedeckt.


