Feuerverbot trübt die Fleischeslust kaum
14.08.2026 BaselbietMetzgereien verzeichnen beim Grillfleisch nur geringe Einbussen
Wegen der anhaltenden Trockenheit gilt im Kanton Baselland ein Feuerverbot im Freien. Die regionalen Metzgereien spüren dies beim Verkauf von Grillfleisch zwar teilweise. Stärker ins Gewicht fällt jedoch das ...
Metzgereien verzeichnen beim Grillfleisch nur geringe Einbussen
Wegen der anhaltenden Trockenheit gilt im Kanton Baselland ein Feuerverbot im Freien. Die regionalen Metzgereien spüren dies beim Verkauf von Grillfleisch zwar teilweise. Stärker ins Gewicht fällt jedoch das heisse Sommerwetter.
Sander van Riemsdijk
Seit einigen Wochen ist im Kanton Baselland wegen der Trockenheit das Grillieren mit Holz oder Holzkohle im Freien verboten. Doch wirkt sich das auch auf den Fleischkonsum aus? Bleiben die Metzgereien auf ihren Grillfleischspezialitäten sitzen?
Von einem Einbruch beim Verkauf könne keine Rede sein, sagen die Metzgereien Zimmermann in Gelterkinden, Häring in Sissach und Recher in Lausen. Zwar macht ihnen das anhaltend heisse Sommerwetter zu schaffen, weil die Kundschaft weniger Fleisch isst. Das Verbot von Holzkohlegrills führt jedoch kaum zu zusätzlichen Einbussen beim klassischen Grillgut.
«Wir spüren zwar das Verbot», sagt Rolf Häring, Geschäftsinhaber der Metzgerei Häring in Sissach, «aber nur ganz leicht. Die speziell marinierten Fleischsachen für den Holzgrill zum Beispiel sind weniger gefragt.» Gleichzeitig beobachtet er, dass die Kundschaft vermehrt auf andere, vor allem kalte Produkte ausweicht. «Wir verkaufen merklich mehr Suppenfleisch und Ochsenmaulprodukte für die Salate.»
Auch bei der Metzgerei Recher in Lausen ist kein deutlicher Rückgang festzustellen. Für Geschäftsinhaber Dieter Recher spielt die Hitze eine grössere Rolle als das Feuerverbot. «Wir können kein abnehmendes Interesse bei der Kundschaft feststellen. Wenn es über längere Zeit so heiss ist, konsumieren die Leute sowieso weniger Fleisch. Sie wollen dann nicht am heissen Grill stehen.»
Cervelats und Bratwürste seien dennoch weiterhin gefragt. «Unsere Cervelats, welche allenfalls nicht auf den Grill kommen, sind zusammen mit den Bratwürsten trotzdem weiterhin hoch im Kurs.»
Umstieg auf Gas- und Elektrogrills
Die Metzgerei Zimmermann in Gelterkinden spürt ebenfalls nur geringe Auswirkungen. Junior-Geschäftsinhaber Michael Zimmermann sieht einen Grund darin, dass viele Kundinnen und Kunden auf andere Grillarten ausgewichen seien. «Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Leute auf einen Gas- oder Elektrogrill umgestellt haben, auch wenn sie lieber mit Holzkohle anfeuern würden. Dies haben uns viele Kunden so mitgeteilt.»
Das Sommersortiment habe die Metzgerei deshalb nicht besonders angepasst. «Wir bieten als Alternative eine Fleischspezialität für den Ofen an.»
Beim Fleischgrosshändler Delicarna AG in Pratteln zeigt sich hingegen ein anderes Bild. Seit dem Verbot sei ein spürbarer Rückgang beim Verkauf von Fleischedelstücken festzustellen, die bevorzugt auf einem Holzgrill zubereitet werden, sagt Geschäftsinhaber Christian Bitterli.
Beim «Metzgerhuus Stadt und Land» in Füllinsdorf ist laut Ladenverantwortlichem Michael Kohtgasser dagegen kein Umsatzrückgang festzustellen. «Es sind meines Erachtens nur noch wenige, welche mit Kohle oder Holz grillieren. Folglich spüren wir das Verbot kaum.» Insgesamt hat das Feuerverbot das Fleischkonsumverhalten bei den befragten Betrieben nur wenig verändert. Rolf Häring kann der Einschränkung sogar etwas Positives abgewinnen. «Es könnte die Fantasie bei der Kundschaft sogar anregen und sie dazu bringen, sich anstelle des Grillierens mal für etwas anderes zu entscheiden, wie zum Beispiel für ein Fondue Chinoise.»
Trotz der teilweise rückläufigen Nachfrage nach Grillfleisch zeigen die befragten Metzger Verständnis für die kantonale Massnahme. «Der Entscheid ist bei dieser Trockenheit absolut nachvollziehbar», sagen Michael Zimmermann und Dieter Recher übereinstimmend.
Rolf Häring sieht darin noch einen weiteren Aspekt: «Vielleicht ist es ein Denkanstoss für die Menschen, dass nicht alles mehr so selbstverständlich ist.»
