Fadenmäher sind gefährlicher als die Hitze
17.07.2026 BaselbietIgel brauchen mehr Sorgfalt bei Gartenarbeiten
sep. Enge Verhältnisse im Igelnest Oberbaselbiet bei Nadja Gysin in Ormalingen: Derzeit versorge sie 11 statt der theoretischen Limite von 8 Tieren. Das Problem für die Tiere sei weniger die Hitze als die aktuellen ...
Igel brauchen mehr Sorgfalt bei Gartenarbeiten
sep. Enge Verhältnisse im Igelnest Oberbaselbiet bei Nadja Gysin in Ormalingen: Derzeit versorge sie 11 statt der theoretischen Limite von 8 Tieren. Das Problem für die Tiere sei weniger die Hitze als die aktuellen Gartenarbeiten mit Fadenmähern.
Es ist eine ausserordentlich bequeme Erfindung – eine Mähmaschine, deren Klinge nie stumpf wird: Der Fadenmäher wirbelt einen Plastikfaden rasend schnell im Kreis herum, der, wenn er auf ein hartes Hindernis trifft, einfach abreisst und nachgezogen wird. Damit lässt es sich ohne viel Mühe unter Büschen, an Mäuerchen oder im steinigen Gelände mähen. Abgeschnitten wird nur, was weniger hart ist als der Plastikfaden.
Leider gehören Igel und andere Tiere in diese Kategorie, und die Mäher können sie fürchterlich zurichten. Eine schwer verletzte Igelmutter und ein ebenso vermähtes Jungtier habe sie gerade in Obhut, sagt Nadja Gysin von der Igelstation Ormalingen. Insgesamt beherbergt sie derzeit elf Tiere – drei mehr, als sie eigentlich aufnehmen kann.
Die Hitze und ein damit einhergehender Futtermangel seien weniger das Problem für die Tiere, namentlich die Muttertiere, die gemäss Medienberichten deswegen ihren Nachwuchs im Stich liessen: Davon habe sie keine Kenntnis, sagt Nadja Gysin. Wie viele andere Muttertiere habe das schwer verletzte Igelweibchen, das sie pflegt, das Allerletzte für seine Kleinen gegeben.
Extrem hohes Pfeifen
Dennoch könne es sein, dass jetzt Igelwaisen gefunden werden, weil die Mutter beispielsweise einer Gefahr erlegen sei, sagt Gysin. Wer draussen ein seltsames, extrem hochfrequentes Pfeifen höre, solle doch die Umgebung nach Jungigeln absuchen: Sie riefen so nach ihrer Mutter. Tatsächlich sei jetzt die Zeit, in der die Jungtiere langsam selbstständig würden; vereinzelt könne es aber auch Mütter mit relativ frischem Nachwuchs geben.
Wer mit dem Fadenmäher oder anderen Motorsensen arbeitet, kann viel für die Igel tun, wenn er oder sie vor der Arbeit das zu bearbeitende Gebüsch absucht. Igel flüchten aber nicht, sondern kugeln sich zusammen und müssen deswegen gefunden und vorübergehend in einer Box mit mindestens 40 Zentimeter hohen Wänden im Exil gehalten werden, damit man sie nach der Mäharbeit idealerweise wieder am gleichen Ort aussetzen könne.
Feuerhaufen umschichten
Ein zweites grösseres Problem für Igel (und andere Tiere) stellen Ast- und Holzhaufen dar, die für ein Feuer oder das 1.-August-Feuer aufgeschichtet werden. Denn sie stellen für Igel ein traumhaftes Versteck und eine Unterkunft dar, die deswegen nie ohne vorherige Kontrolle oder noch besser eine Umschichtung angezündet werden sollten.
Wenn es derzeit aufgrund der Trockenheit kaum Nacktschnecken gäbe, sei das kein Problem für Igel: Denn entgegen weit verbreiteter Meinung mögen sie die schleimige Beute gar nicht besonders und ziehen ihr weniger von Parasiten bewohnte, schmackhafte kleine Käfer, Asseln und Würmer vor. Dennoch kann man den Igeln mit etwas Katzen-Trockenfutter helfen: Es sollte aber erstens einen möglichst geringen Getreideanteil haben und im besten Fall in einer Futterstation verabreicht werden, die den Snack vor Katzen und Mardern sicher versteckt. Eine Anleitung für den einfachen Bau gibt es auf der Website des Igelnestes Oberbaselbiet.
