Ethnophaulisme vo Rampass bis Heerepack
23.04.2026 Persönlich«Jetz hets em is Hirni gschneit», dänked Dir velicht bi deren Überschrift. Dr Gasser verwächslet d «Volksstimm» mit eme Hörsaal a dr Uni. E bitz provozier i scho mit däm Wort Ethnophaulismus. Aber mir gfallts äfach, wenn i für ne saftigi Sach ...
«Jetz hets em is Hirni gschneit», dänked Dir velicht bi deren Überschrift. Dr Gasser verwächslet d «Volksstimm» mit eme Hörsaal a dr Uni. E bitz provozier i scho mit däm Wort Ethnophaulismus. Aber mir gfallts äfach, wenn i für ne saftigi Sach e staubtrochnigs Fachwort cha bruuche. En Ethnophaulismus – me sprichts übrigens «Eddnofaulismus» us – isch nämlig nütt angers als e Schimpfwort für d Bevölkerig vomene Land oder von ere Region.
Settigi könne mer alli und die mäischte vonene si nid nätt gmäint: Schwoobe, Waggis, Striicher, Tschingge – und die äänen a dr Gränze vo dr Rassismusstroofnorm zell i nadürlig nid uf, will die rueig dörfen usstärbe.
I öisere Region häi d Basel-Städter und die us de Dörfer ringsum hampflewiis so Schlötterlig fürenang, alti und neui, bösi und witzigi. I beweg mi uf Glattiis, i wäiss. Vo wäge alti Wunde ufrisse und Vorurtäil bestätige.
E Koleeg vom «Regionaljournal Basel» zum Bispill het mer emoll biichtet, dass sii de Laufedaaler ame «aagläiti Dier» sääge. S Laufedaal häig früecher zu Bärn ghört und dr Bär im Kantonswappe gha, drum. Das säit er zwar ironisch, scho klar. Aber chasch mer nid verzelle, dass nid e Chörndli Wooret drin steckt. Öppis vo dr alte Überheeblichkäit vo dr Stadt em Land gegenüber. Glattiis, i sägs jo.
Bi Rampass ischs nid angersch. So häi d Städter früecher d Oberbaselbieter beschumpfe. Wörtlich häisst Rampass «Grobian» oder «Lärmbrueder». Die fiine Heere vo der Dalbe halt, wie si i dr Badrizierzitt uf s Buurevolch aabe gluegt häi.
I wäiss nid, öb Rampass überhaupt no öpper könnt und bruucht. Aber wenn, denn hätt i als Schwarzbueb e Tipp, wie me als Bedroffene dermit cha umgoo. «Schwarzi Buebe» isch nämlig o moll e Schimpfwort gsii. Vor 300 Joor het me z Basel de Bättler, Kriminelle, Landstriicher und vor allem de Schmuggler so gsäit. Spöter dene vo hinge füüre, usem soledurnische Dorneck-Dierstäi – vermuetlig zimlig abwärtend gmäint. Sider häi mer das Schimpfwort aber umdräit und bezäichnen öis sälber so. Ganz sälbverstäntlig und positiv gmäint. Das gieng im Härtefall o mit Rampass!
D Retuurkutsche isch übrigens «Heerepack» gsii. So häi i dr alte Zitt d Landschäftler die füürnääme Städter beläidigt. Dä het o gsässe.
Hütt si d Rivaliteete milder worde und gottsäidank o d Schimpfwörter. Me loost bi de Necknäme meer druff, wie sich d Mundarte ungerschäide. D Baselbieter si us Stadtsicht «Häisiwäisi», will si nid «hänn Sii» und «wänn Sii» sääge. D Schwarzbuebe und Laufedaaler chöme sprochlich vo hinge füüre, will bi iine «s Hüngli em Chingli is Hängli bisst». Und d Basler widerum si schlicht und äifach Bebbi.
Wi gsäit: Ethnophaulisme si e Miinefäld i dr Bezieig zwüsche Nochbere, immer uf dr Gnäpfi zwüsche zünde, ziggle und gschpässle.
Markus Gasser (1966), Schwarzbube, geboren und aufgewachsen in Nunningen, Solothurn. Sprach- und Mundartredaktor bei Schweizer Radio SRF. Eine Folge seines Podcasts «Dini Mundart» widmet sich dem Thema «Sprache und Macht bei Stadtnamen». www.srf.ch/audio.

