Es lohnt sich finanziell
31.07.2026 RünenbergMetallbaubetrieb erzeugt seinen Energiebedarf selber
Die Maxip GmbH in Rünenberg produziert fast ihren gesamten Strom selbst. Inhaber Michael Handschin beweist, dass eine sehr hohe Eigenversorgung für Gewerbebetriebe im Oberbaselbiet keine Träumerei ist – und sich ...
Metallbaubetrieb erzeugt seinen Energiebedarf selber
Die Maxip GmbH in Rünenberg produziert fast ihren gesamten Strom selbst. Inhaber Michael Handschin beweist, dass eine sehr hohe Eigenversorgung für Gewerbebetriebe im Oberbaselbiet keine Träumerei ist – und sich finanziell rechnet.
Jo Krebs
Es war an einer Gewerbeausstellung in Gelterkinden, als der damals zehnjährige Michael Handschin eine Lektion fürs Leben lernte. Ein lokaler Elektroinstallateur hatte dort ein Fahrrad mit einem Dynamo gekoppelt. Wer kräftig in die Pedale trat, brachte ein Licht zum Leuchten, eine Glocke zum Klingeln – oder, als Königsdisziplin, einen Haarföhn zum Laufen. «Für mich war es damals unmöglich, den Föhn in Gang zu bringen», erinnert sich Handschin heute. Das Erlebnis prägte sein Verständnis für Energie und Leistung nachhaltig.
Heute muss in seinem Betrieb niemand mehr strampeln. Handschin ist Inhaber der Maxip GmbH in Rünenberg, eines Maschinenbauunternehmens, das viel Strom benötigt. Wenn in der Werkstatt drei schwere Fräsmaschinen und ein Kompressor gleichzeitig anlaufen, liefert die Sonne die dafür erforderliche Energie. Auf dem Dach der Werkstatt erreicht eine Solaranlage eine Spitzenleistung von 76 Kilowatt.
Beinahe-Selbstversorger
Dass ein Unternehmen mit derart stromintensiven Maschinen auf Eigenversorgung setzt, ist nicht selbstverständlich. Streng genommen spricht Handschin denn auch nicht von vollkommener Unabhängigkeit. Ihm als Fachmann ist bewusst, dass ein vollständiges Kappen seines Betriebs vom Stromnetz der EBL (Elektra Baselland) im Schweizer Winter kaum umsetzbar ist. Dennoch kratzt der Betrieb über die meisten Monate beim Eigenversorgungsgrad an der 100-Prozent-Marke. Möglich macht dies die Kombination aus einem grossen Hausspeicher und der Nutzung des Firmen-Elektroautos als zusätzlichem Strompuffer.
Wie gut dieses System in der Praxis funktioniert, zeigte sich bereits in den trüben, sonnenarmen Wintermonaten 2025/26. Obwohl der Hausspeicher zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht angeschlossen war, lag die Selbstversorgung allein dank der Autobatterie bereits zwischen 68 und 78 Prozent.
Das sogenannte bidirektionale (beidseitige) Laden erweist sich hier als grosser Vorteil. Das Auto fungiert als rollende Batterie, die Strom nicht nur aufnimmt, sondern bei Bedarf auch wieder an den Betrieb abgibt. Ladesäulen für diese Technik sind mittlerweile für rund 7000 Franken zu haben – was gut der Hälfte des Preises von noch vor wenigen Jahren entspricht. Für Handschin liegt in solchen dezentralen Speichern gar der Schlüssel zur Lösung künftiger Netzengpässe. Würden Elektroautos regelmässig an der Steckdose hängen und dem Netz bei Bedarf Strom zur Verfügung stellen, liesse sich die Infrastruktur deutlich entlasten.
Amortisiert nach neun Jahren
Rechnet sich eine solche Anlage für ein regionales KMU? Die Zahlen der Maxip GmbH liefern eine klare Antwort. Nach Abzug von 30 000 Franken an Fördergeldern investierte Handschin netto knapp 157 000 Franken. Dem stehen jährliche Einsparungen von rund 18 000 Franken gegenüber – resultierend aus der Vergütung für den eingespeisten Strom, tieferen Stromund Benzinkosten sowie steuerlichen Vorteilen. Nach knapp neun Jahren ist die Anlage abbezahlt. Ab dann kostet der Strom für die Produktion fast nichts mehr.
Für den Unternehmer geht es jedoch um mehr als nur um Bilanzen. Es ist der Wunsch nach Unabhängigkeit, der Handschin antreibt. «Erdöl ist nach wie vor ein internationales Machtinstrument und Druckmittel, wie die jüngsten Krisen wieder zeigen», sagt er. Die Abhängigkeit vom Ausland könne teuer zu stehen kommen. Deshalb ist der nächste Schritt bereits geplant: Der Firmeninhaber will den jährlichen Heizbedarf von rund 5000 Litern Heizöl komplett durch Strom ersetzen, was beträchtliche Speicherkapazitäten erfordert. Dabei blickt er auf künftige Speichertechnologien wie Flüssigbatterien – etwa die Redox-Flow-Batterie –, die hier zum Einsatz kommen könnten.
In der breiten Bevölkerung ortet Handschin derweil noch immer Vorbehalte gegenüber erneuerbaren Energien. Besonders bei den Anschaffungskosten und der Leistungsfähigkeit von Speichern hielten sich veraltete Mythen hartnäckig. Mit seinem Betrieb in Rünenberg liefert er den Gegenbeweis – nicht mit dem moralischen Zeigefinger, sondern mit konkreten Zahlen.
Redox-Flow-Batterie
jk. Im Gegensatz zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus (wie sie in Handys oder E-Autos stecken) speichert eine Redox-Flow-Batterie die Energie nicht in festen Materialien, sondern in flüssigen Elektrolyten. Obwohl die Tanks einiges an Platz benötigen und schwer sind, ist die Technologie für stationäre Grossspeicher in Gewerbebetrieben attraktiv. Die verwendeten Flüssigkeiten brennen und explodieren nicht. Da es keine festen Elektroden gibt, verschleisst die Batterie kaum und hält nahezu ohne Leistungsverlust Jahrzehnte.


