«Es ist eine Katastrophe»
13.02.2026 BretzwilAufhebung der Busverbindung nach Reigoldswil verärgert Bevölkerung
Der Fahrplanwechsel führte nicht überall zu Verbesserungen: Der Betrieb der Buslinie 74, die Bretzwil und Reigoldswil verband, wurde eingestellt. Ein Besuch vor Ort verdeutlicht die Unzufriedenheit der ...
Aufhebung der Busverbindung nach Reigoldswil verärgert Bevölkerung
Der Fahrplanwechsel führte nicht überall zu Verbesserungen: Der Betrieb der Buslinie 74, die Bretzwil und Reigoldswil verband, wurde eingestellt. Ein Besuch vor Ort verdeutlicht die Unzufriedenheit der Bevölkerung über die Situation.
Timo Wüthrich
Bretzwil ist eng mit Reigoldswil verbunden: Einige erledigen ihre Einkäufe oder gehen in der Nachbargemeinde zum Arzt. Seit einigen Wochen dauert diese Reise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln jedoch deutlich länger. Grund dafür ist der Fahrplanwechsel: Die Linie 74, die beide Dörfer miteinander verband, wurde Mitte Dezember eingestellt. Die einzige verbliebene Busverbindung ist die Linie 111, die von Laufen nach Liestal führt. Mit dem öffentlichen Verkehr gelangen Bretzwilerinnen und Bretzwiler derzeit nur über Liestal nach Reigoldswil. Die Fahrzeit verlängerte sich von rund 10 auf etwa 80 Minuten.
Bevor der «74er» definitiv eingestellt wurde, formierte sich Widerstand im Dorf: Mit einer Petition gegen die Aufhebung der Busverbindung kamen 282 Unterschriften zustande – eine beachtliche Anzahl für ein Dorf mit einer Bevölkerung von etwa 750 Personen.
Ende Januar wandelte der Landrat die Petition in ein Postulat um.
Die landrätliche Bau- und Planungskommission muss sich nun mit zwei Postulaten beschäftigen, die eine Alternative für den «74er»-Bus und eine Verbesserung für die Bretzwiler Bevölkerung verlangen.
Ein Besuch vor Ort bestätigt, dass die Aufhebung der Busverbindung viele verärgert. Ein älterer Dorfbewohner meint: «Es ist eine Katastrophe. Andere Dörfer unserer Grösse sind viel besser an das ÖV-Netz angeschlossen.» Er sieht die Attraktivität der Gemeinde bedroht: «Diese schlechte Situation schreckt doch viele ab, die sich überlegen, nach Bretzwil zu ziehen – vor allem Familien mit Kindern.»
Mit Reigoldswil verbunden
Gemeindepräsident Urs Freiburghaus weiss über den Unmut der Bevölkerung Bescheid. «Bretzwil ist historisch und gesellschaftlich eng mit Reigoldswil verbunden. Unser Dorf orientiert sich eher am Fünflibertal als am Schwarzbubenland. Deshalb war das Einstellen der Buslinie für viele sehr emotional», erklärt er. «Ein Einwohner meinte, dass wir vom Rest des Kantons abgeschnitten werden – das stimmt schon.» Das Argument, dass die fehlende ÖV-Anbindung Neuzuziehende abschrecken könnten, teilt Freiburghaus eher nicht: «Wenn eine junge Familie nach Bretzwil zieht, besitzt diese in den meisten Fällen ein Auto oder orientiert sich an der Linie 111.» Derzeit verkehrt nur ein Schulbus nach Reigoldswil, der die Jugendlichen mit einem Car an die Sekundarschule bringt. Anderen Personen ist die Mitfahrt aus vertraglichen Gründen nicht gestattet: Der Transport wird vom Kanton organisiert und finanziert. Dies sorgt teilweise für Unverständnis: «Ich habe den Bus noch nie bis auf den letzten Platz gefüllt gesehen – ich frage mich deshalb, wieso man für die Einwohner keine Ausnahme machen und die Mitfahrt erlauben kann», sagt ein Passant.
«Aus wirtschaftlicher Sicht war die Einstellung der Linie 74 unvermeidlich», erklärt Gemeindepräsident Freiburghaus. «Der vorgeschriebene Kostendeckungsgrad von 20 Prozent wurde nicht erreicht – das ist eine harte Realität.» Um die Lücke zu schliessen, haben die Behörden gemeinsam mit Privatpersonen einen Fahrdienst organisiert. Wer etwa einen Arzttermin in Reigoldswil hat, kann sich gegen eine Entschädigung an die freiwilligen Fahrer wenden.
Der neue Fahrdienst nach Reigoldswil wird bislang nur vereinzelt genutzt. «Ich habe gehört, dass viele ältere Leute ihn nicht in Anspruch nehmen. Den Grund dafür kenne ich allerdings nicht», sagt eine Spaziergängerin.
Gemeindepräsident Freiburghaus bestätigt, dass neben dem Fahrdienst auch anderweitig gehandelt wird: «Die Einwohnerschaft hilft sich auch mit Nachbarschaftshilfen aus.» Verantwortliche der Bus-Petition haben vor der zuständigen Landratskommission gesagt, dass der kommunale Fahrdienst bis zu zwei Tage im Voraus reserviert werden müsse, was alles andere als optimal sei.
Um die Anbindung nach Reigoldswil zu verbessern, stehen derzeit mehrere Varianten im Raum. Ein Rufbus (ähnlich wie die Verbindung zwischen Hölstein und Ramlinsburg) oder die Verlängerung der Linie 71 (Liestal–Reigoldswil– Lauwil) werden gehandelt.
In den kommenden Wochen wird sich die landrätliche Bau- und Planungskommission mit der ÖV-Anbindung Bretzwils beschäftigen. «Natürlich wäre es toll, wenn sich eine Lösung für uns finden liesse. Wir warten den Entscheid des Parlaments ab und werden dann gegebenenfalls beim Kanton anklopfen», sagt Freiburghaus. Der Gemeindepräsident erachtet die Verlängerung der Linie 71 als beste Lösung.


