Es isch passiert

  27.08.2026 Persönlich

Es isch passiert an eim vo de heissischte Dääg vo däm Summer. Es isch passiert in den erschte Camping-Ferie mit eusem Chind.

Mir sy grad im Gmeinschafts-Ruum vom Zältplatz ghockt. Es isch dunkel gsi dört drin und staubig und muffig. Es het e bitzli nach alter Friteuse gschmeckt. Mir weere natürlich lieber amene schöneren Ort ghockt. Am Fluss unde zum Byspiil. Aber im Fluss het me nid dörfe bade, wäg de gstresste Fisch. Vor eusem Zält weers au schön gsi. Aber vor eusem Zält isch halt scho öbber anders ghockt. Und zwar d Sunne. Sälbschtsicher und unverschüüchbar. Natürlig hätte mer euses Zält chönnen unter d Bäum stelle. Dört häts gnueg Schatte gha. Aber au gnueg Läbesgfoor. Wil d Bäum nid nur ihres Laub abgworfe häi, sondern teilwyys au ihri Äscht. «Es isch d Hitz», het d Frau vom Camping-Platz gsäit und uf e Baum zeigt, wo komplett in sich zämmegheit isch. Dä isch zmitz uf em Zältplatz gläge. «Isch aber niemer drunter cho», het si eus beruehigt.

D Brötel-Stell isch mit rot-wyssem Plastikband abgsperrt gsi. Näbedra e gääls Schild mit e paar brennende Bäum druff. D Zuekunft vo de Bäum – au nid grad roosig.

Über em Picknick-Tisch hätts zwar e grosses Seegel gha. Aber der Picknick-Tisch isch bsetzt gsi. Von ere Horde Wäschpi. Nervös und hungrig sy si gsi.

Und vor luter Hitzewällen und Bäum, wo über euse Chöpf zämmäbroche sy, häi mir s Chind irgendwenn under en Arm klemmt und sy in Gmeinschafts-Ruum gsecklet. Dört isch es weder romantisch, no heimelig gsi. Aber solang d Fänschter zue und d Store dunde sy, immerhin erträglich und sicher. Der erwachseni Teil vo euser Familie het sich Sorge gmacht. Über der Zuestand vo der Wält und den eigene Ferie. Wenn überleisch, hani dänkt, und die vergilbte Föteli an der Wand aagluegt, denn isch das der heissischti Summer vo eusem Läbe. Und für euses Chind wirds wahrschynlig der Chüelschti sy. Aber eusem Chind isch das grad alles schnurz egal gsi. Es isch hin und här grollt und het alles entdeckt, wo men in däm Chämmerli het chönnen entdecke. Mit 13 Mönet uf em Buggel muess sich das Menschli no keini Gedanke mache über hungrigi Wäschpi und gstressti Fisch, über hööchi Tämperaturen und kaputti Natur.

Derfür hets sich Gedanke gmacht, über die blaui Balle, wos under em Tisch gfunde het. Es het se mit ganz grossen Auge gmuschteret. E blaui Ballen in chlyne Händ – grad wiene Wältchugele. Und denn isch es passiert. Euses Chind het sys erschte Wort gsäit. Und zwar «Ball». Mit eme ganz lange «L». Und mir sy dört ghockt, völlig verzauberet. Und mir sy churz wyt wäg gsi, uf emen andere Planet, wo alles guet isch – und euses Chind het gsäit: «Ballllllll!»

Dominik Muheim ist in Reigoldswil aufgewachsen und lebt in Liestal. Er ist freischaffender Kabarettist und Slam-Poet. Er gewann 2017 den Baselbieter Kulturpreis und war 2024 Träger des «Salzburger Stiers».


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