Es geht so einiges
28.08.2025 RothenfluhInformationsanlass füllt Gemeindesaal
Die Gemeinde Rothenfluh hat über den Stand der Dinge bei der Ortskernplanung informiert und über mögliche Szenarien, wie der Überflutungsgefahr von Ergolz und Dübach Einhalt geboten werden kann. Das Badevergnügen an ...
Informationsanlass füllt Gemeindesaal
Die Gemeinde Rothenfluh hat über den Stand der Dinge bei der Ortskernplanung informiert und über mögliche Szenarien, wie der Überflutungsgefahr von Ergolz und Dübach Einhalt geboten werden kann. Das Badevergnügen an der Mühlegasse ist wohl bald Geschichte.
Otto Graf
Informationsanlässe, an denen keine Beschlüsse gefasst werden, werfen häufig höhere Wellen als Gemeindeversammlungen mit spruchreifen Geschäften. Das war auch am Montag in Rothenfluh der Fall. Neben den Dauerthemen Hochwasserschutz und Ortskernplanung lieferte vor allem die «Badi» an der Mühlegasse Gesprächsstoff. Was seit mehr als 100 Jahren gang und gäbe war – die Badefreuden der Jugend in der Ergolz –, soll nun von amtlicher Seite beendet werden (die «Volksstimme» berichtete am vergangenen Freitag).
Im vollbesetzten Gemeindesaal kam es zu einer «Chopfleerete», an der alle Beteiligten ihre mehr oder weniger stichhaltigen Argumente in die Waagschale warfen. Gemeindepräsident Patrick Vögtlin und der wegen eines anderen Themas anwesende Kantonsvertreter Jonas Woermann verwiesen auf die rechtlichen Grundlagen.
So kann die Feuerwehr Gewässer aufstauen, um eine Löschreserve zu schaffen. Heute sind solche Vorrichtungen angesichts des Hydrantennetzes und anderer technischer Einsatzmittel für die Feuerwehr aber bedeutungslos. Das geringfügige Aufstauen, etwa mit Steinen, und das Baden im Bach sind aber erlaubt.
Der Präsident kündigte an, der Gemeinderat werde demnächst aufgrund der gesetzlichen Grundlagen entscheiden, was mit den jahrzehntealten Stauvorrichtungen in der Ergolz und im Dübach geschehen soll. Die Kinder dürften die Leidtragenden sein, denn sie werden wohl auf eine lange Tradition verzichten müssen und haben mit den acht Dorfbrunnen Vorlieb zu nehmen.
Massnahmen unerlässlich
Um das Wasser ging es auch beim Hochwasserschutz entlang der Ergolz und des Dübachs. Beide Bäche durchfliessen das Siedlungsgebiet von Rothenfluh und sind in der Regel recht zahm. Während die Ergolz in einem durch Mauern gesäumten Kanal mit befestigter Sohle strömt und von sechs Brücken und einem Steg überspannt ist, zeichnet sich der Dübach über weite Strecken durch historisch gewachsene Überdeckungen sowie fünf eigentliche Brücken aus.
Wie Jonas Woermann, Leiter Geschäftsbereich Wasserbau beim kantonalen Tiefbauamt, erklärte, befasse sich der Kanton seit mehr als 20 Jahren mit Studien, wie die Häuser bei Hochwasser vor Überflutungen geschützt werden können. Aus Kostengründen stehe der Bau von zwei Entlastungsstollen nicht mehr im Vordergrund. Stattdessen lege man den Fokus auf andere bauliche Massnahmen, um die Schäden zu minimieren.
Simon Haupt, Bereichsleiter Flussbau und Naturgefahren beim Ingenieurbüro Emch+Berger aus Bern, verwies auf den aktuellen Stand der Planung. So könnten Rückhaltebecken an Ergolz und Dübach dazu beitragen, bei hoher Wasserführung die Spitzen der Abflussmengen zu glätten. Ausserdem sei es denkbar, die Strassen als Abflusskorridore auszubilden und im Strassenbereich unterirdische Entlastungskanäle zu verlegen, was aber angesichts der vielen Werkleitungen kein einfaches Unterfangen sein dürfte.
Weiter soll der Objektschutz, so wie ihn die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung seit eh und je propagiert, durch präventive Massnahmen verbessert werden. Es zeichne sich ab, dass eine Kombination der aufgezeigten Möglichkeiten Bestandteil des eigentlichen Projekts sein wird, liess Haupt durchblicken. Die Ereignisse der vergangenen Jahre, sagte er, hätten bereits eine Anpassung der aus dem Jahr 2011 stammenden Naturgefahrenkarte bewirkt.
In der anschliessenden Diskussion bemängelten mehrere Redner, dass die Gefährdungen durch andere Abflüsse und das Ablagern von Schwemmmaterial in den Studien nicht berücksichtigt seien. Der Referent versicherte, flankierende Massnahmen und die Kostenfrage habe man im derzeitigen Stadium der Planung bewusst ausgeklammert. Sie würden jedoch in die definitive Planung einfliessen.
Ortskernplan wird erneuert
Ebenfalls pendent ist die Revision des aus dem Jahr 1999 stammenden Ortskernplans. Vertreterinnen und Vertreter des Kantons und der Raumplanungsfirma Stierli + Ruggli aus Lausen umrissen das Vorhaben, das gemeindeintern von einer Kommission begleitet wird. Vorgesehen ist ein Verfahren, bei dem Betroffene und Interessierte ihre Wünsche und Vorstellungen vorgängig mittels Fragebogen einbringen konnten.
Der Kunst- und Kulturhistoriker Jürg Bossardt erinnerte daran, dass Rothenfluh im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (Isos) verzeichnet sei, was die Revision massgebend beeinflusse. Es ist vorgesehen, die überarbeitete Planung im dritten Quartal 2026 der Gemeindeversammlung zum Beschluss vorzulegen.