Es geht nur in kleinen Schritten voran
08.05.2026 ZiefenAbklärungen zum Hochwasserschutz verzögern Ortskernentwicklung
Der Hochwasserschutz in Ziefen bleibt ungeklärt und bremst die Ortskernentwicklung. Gemeinde und Kanton arbeiten eng zusammen, doch der Entscheid über die Massnahmen steht weiterhin noch aus.
...Abklärungen zum Hochwasserschutz verzögern Ortskernentwicklung
Der Hochwasserschutz in Ziefen bleibt ungeklärt und bremst die Ortskernentwicklung. Gemeinde und Kanton arbeiten eng zusammen, doch der Entscheid über die Massnahmen steht weiterhin noch aus.
André Frauchiger
«Gut Ding will Weile haben», sagt das für die Ortskernentwicklung zuständige Ziefner Gemeinderatsmitglied Lukas Geering. Die Zusammenarbeit mit den Kantonsbehörden sei gut. Aber der Hochwasserschutz sei einfach eine vielschichtige, komplizierte Angelegenheit und brauche viel Zeit für die notwendigen Abklärungen durch Fachleute. Er erwarte aber trotz grosser Aufwände des Kantons in Bälde einen Grundsatzentscheid über die zu treffenden Massnahmen. Auch der beim Hochwasserschutz massgebende Bund, der einen Hauptteil der Kosten trage, müsse mit den Massnahmen einverstanden sein.
Es sei im zentralen Interesse der Gemeinde, in Zukunft über einen Hochwasserschutz zu verfügen, der nicht nur einem 100-Jahr-Hochwasser, sondern auch einem 300-Jahr-Hochwasser gewachsen sei, erklärt Geering. Bei den heutigen klimatischen Verhältnissen sei dies absolut notwendig. Es lohne sich deshalb für Ziefen, sich bei den vom Hochwasserschutz abhängigen weiteren Massnahmen bezüglich Bachführung und weiterer Umgestaltung im Ortskern noch etwas in Geduld zu üben.
Der Bund verlangt beim Hochwasserschutz zwingend die Prüfung mehrerer Varianten. Im Vordergrund stehen im Fall von Ziefen drei Ansätze: ein Hochwasserleitungsstollen unter dem Boden in Richtung Bubendorf, eine Vertiefung und Verbreiterung des Bachbetts der Hinteren Frenke im Ortskern mit allenfalls bis zu zwei Meter hohen Wänden an beiden Ufern sowie eine Wasserrückhaltefläche zwischen Reigoldswil und Ziefen, allenfalls ergänzt durch ein künstliches Wasserrückhaltebecken.
Die erste Variante wäre laut Lukas Geering zu teuer und die zweite Variante ein zu starker gestalterischer Eingriff ins Dorfzentrum. Der Ziefner Gemeinderat befürwortet die dritte Variante mit Wasserrückhaltefläche (Retentionsraum) und allenfalls einem Wasserrückhaltebecken oberhalb des Dorfs, im Fraumattgebiet, eventuell kombiniert mit einem etwas breiteren Bachbett im Dorfzentrum. Die beiden Ufer der Hinteren Frenke im Dorfzentrum sollen gemäss den Vorstellungen des Gemeinderats renaturiert und nicht zubetoniert werden.
Grünes Licht für Bach-Verlegung
Der Platz zwischen dem Haus der Gemeindeverwaltung und der Kirchgasse-Brücke weist eine Fläche auf, die einerseits ein breiteres Bachbett und andererseits eine Bachbett-Verschiebung um zwei Meter Richtung Gemeindeverwaltung zulässt. Eine Verschiebung ist notwendig, um bei den alten, denkmalgeschützten Häuschen an der Hauptstrasse auf der Hinterseite noch etwas Platz für kleine Gärtchen und/oder Terrassen für die neu in den Altbauten entstehenden Wohnungen zu schaffen.
Der Kanton hat der Verlegung der Hinteren Frenke im Ortskern nach einer Prüfung grundsätzlich zugestimmt, wie auch die beauftragte Kommission Ortskernentwicklung in der April-Ausgabe des «Mitteilungsblatts» der Gemeinde Ziefen bekannt gibt.
Das Areal zwischen Werkhof und Gemeindeverwaltung soll für eine mögliche Überbauung mit Mehrfamilienhäusern freigehalten werden (die «Volksstimme» berichtete). Die sogenannte «Turnerschüre» und die Liegenschaft Kirchgasse 2 sollen laut Geering Vereinen und anderen Institutionen zur Verfügung gestellt werden.
Die Kommission Ortskernentwicklung hat im Auftrag des Gemeinderats eine Vorlage für einen Planungskredit «Teilzonenplan Zentrum» ausgearbeitet. Dieser wurde an einer Informationsveranstaltung im November 2025 der Bevölkerung vorgestellt. Die Rückmeldungen zeigten, dass diese der Sanierung der Hauptstrasse, der Umsetzung des Hochwasserschutzes und der Realisierung der Schulhaus-Erweiterung vor allen anderen Plänen Priorität einräumt, so Geering.
Diesem Willen der Bevölkerung wollen der Gemeinderat und die Kommission Ortskernentwicklung Rechnung tragen, wie er weiter festhält. Die Kommission will sich in nächster Zeit auch auf die Festlegung des Gewässerraums und der Gewässerbaulinie fokussieren, wie sie im besagten Mitteilungsblatt ausführt. Eine entsprechende Vorprüfung stehe noch in diesem Jahr an.
Erklärtes Ziel des Gemeinderats ist es, spätestens Ende 2027 oder Anfang 2028 die Vorlage über den Gewässerraum und die Gewässerbaulinie der Gemeindeversammlung zu unterbreiten. Gemeinderat Geering sucht nun das direkte Gespräch mit dem Kanton mit dem Ziel, dass dieser sich baldmöglichst und in Absprache mit den zuständigen Bundesbehörden für eine der drei Varianten für den Hochwasserschutz entscheidet. Dies als Voraussetzung für das ganze weitere Vorgehen.
Die Gemeinde habe bereits im Januar die Eingabe mit ihren Vorstellungen an den Kanton gemacht und wolle nun nicht unnötig Zeit verlieren. Kanton und Bund müssten verstehen, dass es Ziefen mit seinen Plänen sehr ernst sei, fasst Geering zusammen.

