«Es geht nicht ums Geld - es passte zum Umstieg von der Ölheizung auf die Wärmepumpe»

  29.01.2026 Sissach

Dieter Stebler erzeugt mit seiner Photovoltaikanlage mehr Strom, als er braucht

Er rechne noch immer damit, dereinst für das Abführen seines überschüssigen Stroms bezahlen zu müssen: Das sagt der Sissacher Einfamilienhausbesitzer Dieter Stebler. Er produziert mehr Strom, als er das ganze Jahr braucht.

Peter Sennhauser

Es ist klar, was im Einfamilienhaus von Dieter Stebler der Energiefresser ist: die Wärmepumpen-Heizung, eingebaut im Jahr 2019 als Ersatz für eine Ölheizung. 7,6 Megawattstunden Strom verbrauchte sie im Jahr 2025.

Oder rund 70 Prozent dessen, was seine Photovoltaikanlage auf dem Dach im ganzen Jahr an Strom lieferte – fast 11 Megawattstunden. «Wir haben auch schon mehr produziert», schildert Stebler, der akribisch Buch führt. Im ersten Jahr warf seine Solaranlage 13,5 Megawattstunden Strom ab. Damals erzeugte er einen Überschuss; in den kommenden beiden Jahren lieferte die Anlage jeweils knapp 90 Prozent des Stroms, den sein Haushalt inklusive Heizung verbrauchte; im vergangenen Jahr produzierte sie wiederum einen Überschuss.

Dabei hat Dieter Stebler jeweils rund die Hälfte seines produzierten Stroms ins öffentliche Netz eingespeist. Denn der fiel jeweils zu Zeiten an, zu denen er ihn nicht vollständig verbrauchen konnte. Namentlich im Sommer über Mittag. Die Rechnung geht also nur auf, wenn man auch den Strom dazuzählt, den Stebler aus dem Netz bezogen hat. In den vergangenen vier Jahren meist etwas weniger als die zwischen 4,5 und 7 Megawattstunden, die er einspeisen konnte.

Dieser «Austausch» über die Zeit ging immer zu Steblers Lasten, die Rückeinspeisevergütung war jeweils deutlich geringer als die Bezugspreise in der Stromgrundversorgung. Und jetzt, da die Elektra Sissach fast 40 Prozent weniger zahlen wird als noch im letzten Jahr, stört sich Stebler daran? «Nein. Ich habe nie wirklich damit gerechnet, dass das Einspeisen des Stroms langfristig etwas abwirft. Ich rechne auch jetzt noch damit, dass wir irgendwann dafür bezahlen müssen», sagt der Hausbesitzer.

Überzeugung, nicht Rentabilität
«Die Anlage habe ich nicht in erster Linie aus Rentabilitätsüberlegungen angeschafft. Es geht nicht ums Geld. Es passte zum Umstieg von Öl auf Wärmepumpen-Heizung.» Stebler besitzt ein Plugin-Hybridauto und hat sich auch noch eine Hausbatterie angeschafft, um mehr eigenen Strom direkt verbrauchen zu können. «Davon haben mir alle abgeraten: Zu teuer, nicht sinnvoll …» Heute ist er überzeugt, den richtigen Schritt getan zu haben. Im Durchschnitt hat er jährlich 3 Megawattstunden des selber produzierten Stroms in der 14-kWh-Batterie zwischengespeichert und später selber verbraucht.

Denn auch das öffentliche Netz als «Speicher» für seinen Strom kostet ihn Geld: Im Jahr 2025 hat er knapp 4,5 Megawatt eingespeist und rund 3 Megawatt bezogen. Bei 18 Rappen Einspeisevergütung (knapp 800 Franken) und um die 32 Rappen Bezugspreis (rund 1000 Franken) hat er demnach 200 Franken Differenz plus 1,5 Megawatt Strom «bezahlt» – oder im Total gerechnet etwa 500 Franken. Und das nur, um die 3 Megawattstunden im Netz zu beliebiger Zeit abrufen zu können.

Mit den neuen Vergütungsregeln werden diese Kosten steigen. Stebler will deshalb versuchen, den Strom zu noch grösseren Teilen selber zu verbrauchen. Mittel- und langfristig sieht er die Lösung dafür in einem Zusammenschluss mit Nachbarn.


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