Ersatzwahl mit besonderer Note
13.08.2026 BubendorfDrei Kandidierende wollen am Sonntag in den Gemeinderat
Die Ausgangslage ist ungewöhnlich: In Bubendorf bewirbt sich der zurückgetretene Gemeinderat Patrick Liechti um seinen eigenen Sitz. Mit Imelda Bischof und Marco Simoniello fordern ihn am Sonntag zwei politisch unterschiedlich positionierte Kandidierende heraus.
Pascal Kamber
In Bubendorf kommt es am Sonntag zur Ersatzwahl für den Gemeinderat. Was auf den ersten Blick unspektakulär klingt, ist bei näherer Betrachtung eben doch aussergewöhnlich. Mit Patrick Liechti tritt nämlich eine amtierende Person an, die für ihr eigenes Amt kandidiert. Liechti, der seit 2023 als Gemeinderat in Bubendorf im Amt ist und seither dem Departement Soziales und Alter vorsteht, ist unverschuldet in die skurrile Situation geraten. Nach einem im März vollzogenen Stellenwechsel verkündete der FDP-Mann im vergangenen April seinen Rücktritt aus der Dorf-Exekutive per Ende August. «Ich wurde von einem Kollegen angefragt, ob ich als Teilhaber bei einem kleinen Treuhandbüro einsteigen will», erzählt Liechti, der sich nebenbei auch weiterbilden wollte.
Wegen unerwarteter personeller Umstände änderte sich die berufliche Situation jedoch schlagartig, weshalb der 51-Jährige seinen neuen Arbeitsort aus wirtschaftlichen Gründen bereits wieder verlassen musste. So kehrte der gelernte Chemielaborant ins Qualitätsmanagement zurück und verfügt plötzlich wieder über genügend zeitliche Ressourcen für eine politische Aufgabe. Weil die Gemeinde Bubendorf den Termin für die Ersatzwahl aber bereits festgelegt und kommuniziert hatte, konnte dieser nicht mehr rückgängig gemacht werden.
Dennoch war für Liechti klar, dass er sich wieder zur Verfügung stellen werde: «Ich bin seit fast drei Jahren dabei, habe mich gut eingearbeitet und könnte nahtlos weitermachen. Ausserdem bin ich gerne Gemeinderat und wäre nicht mitten in der Legislatur zurückgetreten, wenn es nicht nötig gewesen wäre.» Aus seinem Umfeld habe er durchwegs positive Reaktionen auf seinen Entscheid erhalten. «Die Menschen verstehen meine Gründe und haben nicht das Gefühl, dass ich jemand bin, der nicht weiss, was er will», sagt Liechti und schmunzelt.
Ob der Vater von drei Kindern am Sonntag von seinem «Bisherigen-Bonus» profitiert, wird sich zeigen. Liechti blickt dem Wahltag jedenfalls zuversichtlich entgegen: «Ich habe bislang versucht, einen guten Job zu machen. Wir haben im Gemeinderat immer Lösungen gesucht, die im Sinne der Gemeinde sind.»
Viel Erfahrung im Rucksack
Ein Selbstläufer wird die Wahl für Liechti keineswegs. Nach der Bekanntgabe seines Rücktritts haben Marco Simoniello und Imelda Bischof ihre Kandidaturen angekündigt. Für Letztere sei jetzt der richtige Zeitpunkt, wie sie der «Volksstimme» erklärt. «Ich habe mich schon länger mit der Politik befasst und mir überlegt, für dieses Amt zu kandidieren. Bisher war das neben Arbeit und Familie immer zu viel, aber jetzt stimmt es für mich», sagt die parteilose Bischof, die von der GLP, der SP, der EVP und den Grünen zur Wahl empfohlen wird. Die 40-Jährige bezeichnet sich als Vermittlerin mit einem prall gefüllten Rucksack an Erfahrung aus verschiedensten Bereichen: «Ich bin selbstständige Unternehmerin, Präsidentin des Gewerbevereins, war rund fünf Jahre auf den Philippinen in der Entwicklungszusammenarbeit tätig und bin verheiratete Mutter von zwei Kindern.»
Als Patrick Liechti im Frühling seinen Rücktritt verkündete, meldete sich Imelda Bischof angesichts der Vakanz bei ihm, um zu erfahren, welche Aufgaben ein Gemeinderatsamt umfasst. «Ich bin seit zehn Jahren in Bubendorf zu Hause und fand, es wäre eine tolle Sache, wenn ich mich engagieren würde», erzählt Bischof. Dass sich inzwischen gleich drei Personen zur Verfügung stellen, sei für eine Ersatzwahl nicht alltäglich. «Wir werden sehen, was die Bubendörferinnen und Bubendörfer dazu meinen», so Bischof.
Ähnliche Beweggründe verfolgt Marco Simoniello. Der 30-jährige Elektro-Projektleiter möchte der Gemeinde etwas zurückgeben: «Ich bin lösungsorientiert, packe gerne an und will das Dorf gerne mitgestalten.» Durch seine berufliche Erfahrung sieht er sich bestens für das Amt in der Exekutive geeignet. «Ich weiss, wie man verantwortungsvoll mit den Finanzen umgeht. Man muss auch da immer Lösungen und Kompromisse finden», sagt Simoniello, der mit seiner Partnerin seit mehreren Jahren in Bubendorf lebt. Ausserdem wisse er als Zugführer aus dem Militär, was es bedeutet, eine Gruppe unter Belastung zu führen und dabei einen klaren Kopf zu bewahren.
Als Kritik am Wirken des bisherigen Gemeinderats will Simoniello seine Worte nicht verstehen. «Bubendorf befindet sich bereits auf einem guten Weg. Ich kann mich hier aber ideal einbringen», ist er überzeugt. Für das Mitglied der lokalen SVP-Sektion ist es bereits der zweite Wahlkampf innert kurzer Frist. Im vergangenen Frühling kandidierte Simoniello für einen Sitz in der Gemeindekommission, verpasste aber das absolute Mehr. «Ich habe sicher ein paar wertvolle Stimmen gewinnen können. Für mich war klar, dass ich am Ball bleibe und den Kopf deswegen nicht gleich in den Sand stecke», sagt Simoniello. Letztlich habe er seinen Entschluss auch im Sinne der Demokratie gefasst: «Für die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ist es eine tolle Sache, wenn sie eine breite Auswahl haben.»
Nun liegt es also an den Einwohnerinnen und Einwohnern aus Bubendorf, wem sie aus dem Trio den Weg in den Gemeinderat ebnen wollen. Reicht es niemandem zum absoluten Mehr, wird der freie Sitz in der Exekutive in einem zweiten Wahlgang vergeben.

