Sichtung am Samstag in der Früh – neue Erkenntnisse zum Riss in Bennwil
Die Tierhalter der Region sind darauf hingewiesen worden, auf einen guten Herdenschutz zu achten: In Seltisberg hat eine automatische Wildtierkamera am Samstag vor dem Morgengrauen einen Wolf ...
Sichtung am Samstag in der Früh – neue Erkenntnisse zum Riss in Bennwil
Die Tierhalter der Region sind darauf hingewiesen worden, auf einen guten Herdenschutz zu achten: In Seltisberg hat eine automatische Wildtierkamera am Samstag vor dem Morgengrauen einen Wolf aufgenommen.
David Thommen
Fotografiert wurde der Wolf am frühen Samstagmorgen um 4.43 Uhr, wie die Bildsignatur der Wildtierkamera zeigt. Wie Daniela Derron-Hilfiker vom Wildtiermanagement des kantonalen Amts für Wald und Wild auf Anfrage sagt, handelt es sich möglicherweise um ein im Vorjahr geborenes Jungtier, das auf der Suche nach einem Fortpflanzungspartner durchs Baselbiet ziehe.
Über die Herkunft des Wolfs lasse sich anhand des Fotos nichts sagen. Für die Zuordnung zu einem Rudel wären genetische Spuren aus Kot oder Speichel an einem Riss nötig. Von einem aktuellen Wolfsriss in der Region ist bislang nichts bekannt.
Landwirte und Tierhalter wurden nach der Sichtung per SMS aufgefordert, auf intakte Herdenschutzmassnahmen zu achten. Diese Aufforderung gelte jedoch grundsätzlich immer, sagt Derron. Die ganze Schweiz gelte als Wolfsgebiet. Deshalb müsse jederzeit mit einem Angriff auf ungeschützte Nutztiere gerechnet werden – sowohl durch Wölfe als auch durch Luchse.
Zuerst St. Gallen, dann Bennwil
Einen nachgewiesenen Wolfsriss hat es in der Region zuletzt Mitte Mai in Bennwil gegeben. Zwei Schafe wurden damals getötet (die «Volksstimme» berichtete). Mittlerweile liegt ein spannendes Resultat der Genanalyse vor: Das männliche Tier, das die Schafe in Bennwil gerissen hat, hatte bereits zwei Wochen zuvor bei einem Rehriss im Kanton St. Gallen seinen Speichel hinterlassen. Dies zeige, welch grosse Distanzen Wölfe auf Wanderschaft zurücklegten, sagt Derron. Im Durchschnitt seien es rund 20 Kilometer, an manchen Tagen könnten es aber auch 70 Kilometer sein. Es ist deshalb möglich, dass sich der am Samstag in Seltisberg fotografierte Wolf inzwischen schon wieder weit von der Region entfernt hat.
Dass der «Bennwiler» Wolf aus dem Osten zugewandert ist, lasse keine Aussage über die hauptsächliche Zugrichtung der Wölfe zu, sagt Derron. Nachgewiesene Wolfsrudel gibt es im Waadtländer- und Neuenburger Jura, in den Alpenkantonen und auch in Deutschland. Eine Zuordnung zu einem der bekannten Schweizer Rudel sei dank Genanalysen häufig möglich. Beim Wolf, der in Bennwil Schafe gerissen hat, sei dies jedoch nicht gelungen. Vor dem Rehriss im Kanton St. Gallen hatte er daher allenfalls bereits eine längere Reise aus einem weiter entfernten Gebiet hinter sich.