Er will nahe am Menschen sein
08.09.2026 WenslingenGeorges Krieg leitet seit rund 100 Tagen als Geschäftsführer das Wohnheim Baumgarten
Am 1. April hat Georges Krieg seine Arbeit als Geschäftsführer des Wohnheims Baumgarten in Wenslingen aufgenommen. Er blickt auf seinen Start zurück, schildert seine Visionen und ...
Georges Krieg leitet seit rund 100 Tagen als Geschäftsführer das Wohnheim Baumgarten
Am 1. April hat Georges Krieg seine Arbeit als Geschäftsführer des Wohnheims Baumgarten in Wenslingen aufgenommen. Er blickt auf seinen Start zurück, schildert seine Visionen und verrät, wieso ihm der Stellenwechsel so leichtgefallen ist.
Sander van Riemsdijk
«Es war eine grosse berufliche Umstellung, ich habe den Entscheid aber nie bereut. Im Gegenteil», sagt Georges Krieg mit Nachdruck. Seit dem 1. April ist der 56-Jährige als neuer Geschäftsführer des Wohnheims Baumgarten in Wenslingen im Amt. Nach elf Jahren als Geschäftsführer des Wohn-, Arbeits- und Dienstleistungszentrums irides AG – dem ehemaligen Blindenheim – in Basel mit 300 Mitarbeitenden und 150 Bewohnerinnen und Bewohnern zog es den heimatverbundenen Kilchberger zurück zu seinen Wurzeln ins Oberbaselbiet. «Ich wollte zudem nahe bei den Bewohnenden sein. In Basel war dies aufgrund der Grösse der Institution schlicht nicht möglich», begründet Krieg seinen Wechsel. Ebenso bereitete ihm der tägliche und zeitraubende Arbeitsweg in die Stadt mit dem obligaten Stau immer mehr Mühe: «Zusammen mit der Möglichkeit, mehr Zeit mit der eigenen Familie zu verbringen, war es ein Gesamtpaket, das zu meinem Entscheid geführt hat.» Mit einem Pensum von 80 Prozent steht sein jetziges Berufsumfeld im beschaulichen Wenslingen in grossem Kontrast zu seiner früheren Tätigkeit in der Hektik der Stadt. Das Wohnheim als Kleinheim bietet Platz für «nur» 21 Bewohnende, die Kommunikationswege sind kurz, die Zusammenarbeit eng gestaltet. «Hier kennt man sich noch mit Namen», sagt Georges Krieg.
Es ist dieser persönliche Kontakt, den er in den letzten Jahren vermisst hat und den er so schätzt. Mit seiner offenen und zugänglichen Art hat der neue Geschäftsführer rasch Zugang zu den Mitarbeitenden und Bewohnenden gefunden. «Das half mir sicher, die Stelle in Basel loslassen zu können», so Krieg. «Es ist wirklich eine glückliche Wendung.» Die Überschaubarkeit eines Kleinheims, seine Erfahrung in einer Leitungsposition und seine umfassenden beruflichen Kenntnisse haben es ihm ermöglicht, sich rasch einzuleben.
Toleranz und Wohlwollen im Dorf
Ebenso hat er festgestellt, dass in der Wenslinger Dorfbevölkerung sehr grosse Toleranz und ein grosses Wohlwollen gegenüber dem Wohnheim vorhanden sind. «Das ist ein wichtiger Aspekt», sagt Georges Krieg. «Am Rand des Dorfs sind wir im Rahmen der Inklusion auf ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis und grosses Verständnis angewiesen. Unsere Bewohnenden gehen oft ins Dorf zum Spazieren und reagieren aufgrund ihrer kognitiven Beeinträchtigung vielleicht nicht immer so, wie man es erwartet.»
In den ersten 100 Tagen legte der Geschäftsführer den Fokus darauf, den Kontakt zu den Bewohnenden und Mitarbeitenden aufzubauen: «Damit ich mir so rasch als möglich ein Bild vom Betriebsklima und von den institutionellen Strukturen machen konnte. Und davon, welche Erwartungen an mich gestellt wurden.» Der erste positive Eindruck überwiegt auch nach Wochen immer noch: «Die Bewohnenden fühlen sich im Heim aufgehoben und glücklich.» Es sei ihr Zuhause, und hier verbringen sie ihr Leben.
Im Rahmen des Betriebs- und Agogikkonzepts hat Georges Krieg mit der inhaltlichen Umsetzung der bereichsspezifischen Konzepte bereits erste Eckpunkte gesetzt. Im Sinne der gelebten Kultur möchte er die Zusammengehörigkeit zwischen den beiden Wohngruppen und der Tagesstruktur fördern, «damit wir wieder eine grosse Familie sind». Es liegt in der Natur eines Unternehmens oder einer Institution, dass ein Wechsel in der Institutionsleitung mit Veränderungen verbunden ist. Im Wohnheim Baumgarten ist dies nicht anders. «Klar wird es Veränderungen geben», sagt Krieg. «Ich bringe meine Gedanken ein, wie das Wohnheim sich künftig entwickeln soll. Wichtig ist, dass diese Veränderungen transparent für alle kommuniziert und begründet werden.»
Grosse Lebensqualität
Alles über den Haufen werfen werde er sicher nicht, versichert Georges Krieg: «Die Veränderungen sollen tempomässig nicht wie ein Sprint in die Zukunft aussehen, sondern mehr wie ein agogischer Marathon.» Die Vertrauensbildung geniesse hier absolute Priorität: «Wir sind eine kleine Institution und durchaus anpassungsfähig.»
Die zentrale Frage wird sein, wie die Wohnformen künftig aussehen werden. Wo legt der Kanton die Schwerpunkte in den Betreuungsformen? Was passiert mit den Bewohnenden mit stark unterschiedlichem Unterstützungsbedarf und mit einem teils sehr herausfordernden Verhalten? «Müssen wir fachlich aufrüsten oder braucht es künftig eine Zusammenarbeit mit anderen Institutionen?», fragt sich Georges Krieg. Und wie löst man das Problem mit den fehlenden Fachkräften?
Im ländlichen Wenslingen geht der Kilchberger Visionär solch elementare Probleme viel gelassener an als früher. «Ich bin momentan richtig entspannt und zufrieden. Das Wohnheim ist ein attraktiver Arbeitsplatz, und ich spüre zusammen mit dem kurzen Arbeitsweg eine grosse Lebensqualität», sagt Georges Krieg.
Zur Person
Georges Krieg ist 56 Jahre alt und wohnt mit seiner Frau Stefanie und den drei eigenen Kindern sowie zwei Pflegekindern in Kilchberg. Er ist Schulratspräsident der Primarschule am Wisenberg und singt im Männerchor von Gelterkinden. In seiner Freizeit kocht er gerne und ist oft im Garten anzutreffen.

