«Er lebte den Glauben im Stillen»
02.07.2026 BaselbietThomas Schweizer stellt die Kirchenfenster von Walter Eglin vor
Der Baselbieter Autor Thomas Schweizer hat den eher unbekannten Werken des Künstlers Walter Eglin (1895 – 1966) bereits zwei Bücher gewidmet. Nun schliesst der 86-Jährige seine Trilogie ab: mit einem Band ...
Thomas Schweizer stellt die Kirchenfenster von Walter Eglin vor
Der Baselbieter Autor Thomas Schweizer hat den eher unbekannten Werken des Künstlers Walter Eglin (1895 – 1966) bereits zwei Bücher gewidmet. Nun schliesst der 86-Jährige seine Trilogie ab: mit einem Band über Eglins leuchtende Kirchenfenster im Baselbiet.
Lorenz Degen
Herr Schweizer, wie entstand die Idee zu diesem Buch?
Thomas Schweizer: Dieses Buch ist der Abschluss der Trilogie über die eher unbekannten Werke von Walter Eglin. Angefangen habe ich mit den Holzmonotypen (2020), den letzten Werken, die er bei fortschreitender Krankheit noch mit ungeheurer Willensanstrengung bearbeitete. Für Mosaike hatte er damals, Anfang der 1960er-Jahre, keine Kraft mehr. Dann folgte ein Band über die Kerbschnitzereien (2022), wie sie beispielsweise sehr schön an der Kanzel der Kirche Rümlingen zu sehen sind. Zuletzt nun habe ich die Kirchenfenster untersucht. Von Walter Eglin gibt es acht Kirchenfenster im Baselbiet: in Diegten, Läufelfingen, Bretzwil und Biel-Benken. Sechs davon hat er selbst hergestellt, zwei in Diegten sind erst später nach seinen Entwürfen angefertigt worden.
Welchen Bezug hatte Walter Eglin zum Christentum?
Walter Eglin war ein tiefgläubiger Mensch. Ich sage immer, ohne seinen Gottesglauben hätte er nie so ein umfangreiches Gesamtwerk realisieren können. Für ihn waren Gott, Gottes Wort und Gottes Schöpfung sehr wichtig, ohne dass er ein religiöser Fanatiker oder strenger Fundamentalist gewesen wäre. Er lebte seinen Glauben im Stillen, er sah Gott in der Natur, die er auf der Suche nach Mosaiksteinchen durchwanderte, er erlebte Gott in den Tieren des Waldes und hatte Ehrfurcht vor dem Leben generell. Mit seiner Familie ging er auch oft «z Chilche», aber für mich war sein Christentum nicht an eine Sonntagspredigt gebunden. Walter Eglin lebte den Glauben in viel grösseren Zusammenhängen.
Was beeindruckt Sie an Walter Eglin?
Es ist für mich eine ungeheure Leistung, tonnenweise Steine so zu behauen, dass sie als Material für ein Mosaik dienen können, und diese dann so einzupassen, dass es daraus ein Bild gibt! Dann muss man die Vielzahl der Techniken sehen, die er beherrschte: Schnitztechniken für Holzschnitte in den frühen Jahren, Sgraffitos, also feuchten Verputz auf Wänden formen, und eben die Glaskunst für die Kirchenfenster. Es gibt sogar ein paar Gemälde von ihm, wenngleich Malerei nicht seine grosse Leidenschaft war. Alles in allem ist es eine enorme Palette. Ich verneige mich vor dem Menschen Walter Eglin!
Wie verlief die Arbeit an diesem Buch?
Aufwendiger, als ich anfangs dachte! (lacht) Ich musste ja das Thema von Grund auf bearbeiten, es gab keine Vorgänger-Publikation dazu. Zuerst besuchte ich alle Kirchen und sah mir die Fenster an, machte mir Notizen und Fotos. Auf den Fenstern sind biblische Geschichten dargestellt. Diese musste ich verstehen lernen, was einiges an Recherche bedeutete. Auch sollten Leserinnen und Leser eine übersichtliche Darstellung bekommen. Dafür kam mir die Idee mit der Baselbieter Karte und den Ortschaften, wo sich die Kirchenfenster befinden. Der Verlag hat diese Illustration auf einer farbigen Doppelseite hervorragend umgesetzt. Hinzu kamen Texte über das Leben und Wirken von Walter Eglin, für die ich auf frühere Arbeiten von mir zurückgreifen konnte. Wichtig war mir, den Text «Das Vermächtnis» von Walter Eglin abzudrucken, das erschütterndste Bekenntnis eines Baselbieter Künstlers im Angesicht des Todes, wie ich finde. Auch das kurze Grusswort von Pfarrerin Regine Kokontis, der Kirchenratspräsidentin der reformierten Kirche Baselland, ist lesenswert.
Haben Sie ein Lieblings-Fenster?
Das Fenster mit dem Sämann in Bretzwil finde ich besonders reichhaltig. Da sind die Schlange und die Taube vertreten, Christus als der Sämann, als Mensch, darüber die Sonne. Hier ist die ganze Schöpfung vertreten: Licht und Dunkel, Hoffnung und Versuchung. Was die Gesamtkomposition angeht, so ist Walter Eglins «Heimatkirche» Diegten natürlich am reichhaltigsten. Dort umrahmt ein Sgraffito mit Walter Eglins Konfirmationsspruch das mittlere Glasfenster. Auch gibt es ein besonderes Altartuch, das je nach Lauf des Kirchenjahrs eine andere Ecke den Betrachtern zeigen soll.
Was soll Ihr Buch bewirken?
Ich kann nur alle ermuntern, sich die Kirchenfenster von Walter Eglin selbst anzusehen, sie auf sich wirken zu lassen und sich eigene Gedanken dazu zu machen. Nicht alle Kirchenfenster sind auf derart hohem künstlerischem Niveau wie die von Walter Eglin. Also, warum nicht wieder mal einen Gottesdienst besuchen? So kann man innerhalb eines Monats alle schönen Glasfenster sehen. Wenn mein Buch hilft, die wunderbare Kunst von Walter Eglin, dem grössten Baselbieter Künstler aller Zeiten, im Bewusstsein unserer Region zu behalten, bin ich zufrieden.
Zum Buch
vs. Walter Eglin: Seine leuchtenden Glasfenster in vier Baselbieter Kirchen. Autor: Thomas Schweizer. Herausgeber: Toni Eglin. Verlag Mis Buech, Schaub Medien AG, Sissach. Auflage: 250 Exemplare. Zu beziehen bei Schaub Medien, Sissach.


