«Er ist authentisch, lustig, hilfsbereit»
06.03.2026 BaselbietVerlegerin der Globi-Bücher Gisela Klinkenberg im Gespräch
Mit seiner blauen Haut, dem prägnanten gelben Schnabel, der schwarz-rot karierten Hose und der Baskenmütze auf dem Kopf ist Globi eine der bekanntesten Schweizer Kinderbuchfiguren. Wir haben mit Verlegerin ...
Verlegerin der Globi-Bücher Gisela Klinkenberg im Gespräch
Mit seiner blauen Haut, dem prägnanten gelben Schnabel, der schwarz-rot karierten Hose und der Baskenmütze auf dem Kopf ist Globi eine der bekanntesten Schweizer Kinderbuchfiguren. Wir haben mit Verlegerin Gisela Klinkenberg über Globis neustes Abenteuer gesprochen.
Brigitte Keller
Frau Klinkenberg, in diesen Tagen erscheint das neue Globi-Buch. Es ist der 100. Band. Wie hiess eigentlich sein erstes Abenteuer? Gisela Klinkenberg: Globis allererstes Abenteuer hiess «Globis Weltreise» und ist 1935 erschienen. Er war einer der ersten, der eine grosse Weltreise machte und den Kindern davon erzählte.
Und welches Buch wurde am meisten verkauft?
Von allen bisher erschienenen Bänden ist «Wie Globi Bauer wurde» das bestverkaufte. Dieses ist seit einiger Zeit vergriffen, dafür gibt es nun «Globi, der schlaue Bauer».
Im neuen Buch, es heisst «Globi bei den Papageien», besucht Globi den Zoo Zürich. Dort wird gerade eine riesige Voliere gebaut für die gefährdeten Hyazintharas. Ist Globi verwandt mit ihnen?
Beim Besuch seines Freundes, dem Storch Adebar, trifft Globi auf lustige Dinge, die im Zoo passieren, wo gerade die neue Anlage gebaut wird. Ob er mit diesen Vögeln verwandt ist, versucht er herauszufinden. Deshalb reist er auch in das Feuchtgebiet Pantanal in Brasilien.
Wer hatte die Idee zu dieser
Geschichte? Was braucht es alles, bis so ein Buch fertig ist?
Die Idee hatte ich. Ich wusste, dass der Zoo diese Anlage baut, und dachte, da könnte man Globi in ein tolles Abenteuer mit Spurensuche schicken. Von der Idee bis zum fertigen Buch vergehen gut zwei Jahre. Zuerst überlege ich mit dem Zeichner, wie man die Geschichte angehen und erzählen könnte. Dann macht der Zeichner ein Drehbuch in Stichworten. Wenn alles stimmig ist, macht er das Skizzenmanuskript. Das geht dann auch an den Verseschmied. Der macht anhand der Skizzen die erste Vers-Runde. Dann geht es wieder an mich, ich mache ein Vorlektorat. Das geht ein paar Mal hin und her, und dann gehen die Verse an eine Lektorin und Korrektorin.
Und dann wird das Layout erstellt.
Genau. Wenn sie so weit sind, werden die Verse zusammen mit den Skizzen von einem Grafiker in ein Layout gesetzt. Das geht dann auch an Walter Andreas Müller, der das Drehbuch für das Hörspiel macht. Inzwischen macht der Illustrator die Reinzeichnungen. Wenn alles okay ist, werden die 16 Seiten koloriert. Es gibt noch ein bis zwei Korrekturdurchgänge, und dann gehen die finalen Druckdaten an die Druckerei. Gibt es einen Partner, wie in diesem Fall den Zoo Zürich, werden die Fachleute in den verschiedenen Phasen immer auch beigezogen.
Finden besondere Anlässe und Aktivitäten statt anlässlich des Jubiläums?
Am 11. März nachmittags wird das Buch im Zoo Zürich der Öffentlichkeit vorgestellt. Globi ist natürlich dabei – und der Zeichner und der Autor auch. Die signieren dann die Bücher. Ab dann finden in diversen Buchhandlungen Anlässe statt, bei denen Globi dabei ist.
Ist das Interesse an Globis Geschichten immer noch gleich gross wie früher?
Ich glaube schon. Die Kinder – und nicht nur die – sind immer enorm begeistert, wenn Globi auftritt. Gerade am letzten Samstag, als er sein neues Kochbuch vorgestellt hat, war es wieder so schön mit all den Kindern, die ihn umarmt und geherzt haben.
Gibt es die Bücher auch in anderen Sprachen und Ländern?
Es gab Globi-Bücher auch auf Französisch und Englisch hier in der Schweiz, und es gibt chinesische Ausgaben, die nur in China verkauft werden, sowie rätoromanische, die es bei der Lia Rumantscha gibt. Das neue Buch wird es erstmals auch in Mundart geben. Die Geschichte gibt es auch als Hörbuch, und es gibt Merchandising-Artikel dazu.
Wie wichtig sind Hörbuch und auch Merchandising-Artikel für den Verlag?
Das sind Produkte, welche die Geschichten schön abrunden. Sie sind wichtig für die ganze Globi-Welt.
Was glauben Sie, weshalb lieben die Kinder Globi auch nach über 90 Jahren noch?
Er ist authentisch, lustig, hilfsbereit, erlebt ständig neue Abenteuer, ist neugierig und seine Farben sind superknallig. Das alles mögen die Kinder. Und, ganz wichtig: Weil er schon so lange da ist, werden seine Geschichten – und damit auch er – von Generation zu Generation weitervererbt.
Ein «anarchistischer-konservativer Vogel» war er in seinen ersten Geschichten, er hat sogar noch geraucht. Und heute? Immer noch frecher Lausbub, der öfter in Schwierigkeiten gerät, oder mehr moralische Instanz? Wie sehr passt er sich dem Zeitgeist an?
Er passt sich nicht an, er lebt in der Zeit, in der er ist, wie alle anderen auch. Er entwickelt sich, lernt und erlebt immer wieder Neues. Das Leben ist ein stetiger Wandel.
Wie viele der 100 Abenteuer sind aktuell lieferbar?
Es sind immer rund 40 Bände lieferbar. Natürlich gibt es einige Geschichten, die aus der Zeit gefallen sind, die heute so nicht mehr möglich wären. All diese Bücher sind vergriffen, die meisten schon seit sehr vielen Jahren. Und dann gibt es noch ein paar, die sind immer noch tauglich im Hier und Jetzt – da hat der Verlag zum Beispiel die Verse neu gemacht, wie bei «Globis Abenteuer auf dem Meeresgrund». Die Kinder müssen Globi ja verstehen können.
Die Geburt von Globi bke.
Verlegerin Gisela Klinkenberg steht seit 31 Jahren an Globis Seite. Geboren wurde Globi aufgrund einer Marketingidee anlässlich des 25-Jahre-Jubiläums des Schweizer Warenhauses Globus. Das war im Jahr 1932. Der Zeichner Robert Lips gab ihm die unverwechselbare Gestalt. Gerade erscheint sein 100. Klassik-Band mit dem Titel «Globi bei den Papageien».



