Enrico Viscardi, Gelterkinden
26.02.2026 GelterkindenEnrico Viscardi ist dieser Tage unter grosser Anteilnahme von Familie, Freunden und Bekannten in Gelterkinden beerdigt worden. Mit ihm verliert das Dorf einen Händler alter Schule, einen leidenschaftlichen Gastgeber – und einen Menschen, der sein Leben lang in Bewegung blieb.
...Enrico Viscardi ist dieser Tage unter grosser Anteilnahme von Familie, Freunden und Bekannten in Gelterkinden beerdigt worden. Mit ihm verliert das Dorf einen Händler alter Schule, einen leidenschaftlichen Gastgeber – und einen Menschen, der sein Leben lang in Bewegung blieb.
Geboren wurde Enrico «Rico» Viscardi am 17. August 1936 in eine Familie, deren Geschichte in Gelterkinden bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Bereits 1897 waren seine Urgrosseltern als Gipser aus Italien in die Schweiz gekommen. Im Jahr 1912 liessen sie sich im Dorf nieder und begannen mit dem Verkauf italienischer Produkte. Rico wuchs buchstäblich zwischen Obstkisten und Gemüseständen auf – der Laden war für ihn nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch Lebensraum.
Schon im Kindergarten lernte er Elsy kennen. Aus den «Gspänli» wurden Jahre später Eheleute: 1958 heirateten sie in Gelterkinden. Aus der Ehe gingen zwei Kinder mit fünf Enkeln und sechs Urenkeln hervor. Verwurzelt blieb das Paar stets im Ortskern von Gelterkinden um Sägegasse, Bohnygasse und Rössligasse. Für Rico war das nicht Enge, sondern Heimat.
Nach einem prägenden Internatsjahr in Boudry fand er seinen Weg ins Familienunternehmen. 1967 übernahm er das Geschäft ganz. Neben dem Lebensmittelhandel baute er insbesondere das Weingeschäft aus. Viele erinnern sich auch noch an die «Viscardi-Marroni», die im Herbst vor dem Laden oder am Markt verkauft wurden. Der Druck grosser Detailhändler führte 1989 zur Aufgabe des Lebensmittelhandels. Rico Viscardi konzentrierte sich fortan ganz auf den Weinhandel.
Er war Händler aus Überzeugung und Gastgeber mit Herz: Persönliche Kontakte und Gespräche bedeuteten ihm viel. Er engagierte sich im Gewerbeverein Gelterkinden, war Mitbegründer des Lions Clubs Farnsburg und Mitglied der «Chaîne des Rôtisseurs». Auch als Schütze war er aktiv.
Neben dem Geschäft faszinierte ihn das Reisen. Mit Zelt und VW Käfer fuhr die junge Familie schon früh quer durch Europa. Später ging es mit dem Camper vom Nordkap bis nach Süditalien, von Portugal bis Russland. Noch mit über 80 Jahren war Rico unterwegs. Reisen bedeutete für ihn Freiheit.
Seine künstlerische Kreativität war eine weitere Leidenschaft: Wandbilder, Mosaike, Fasnachtslarven und Schnitzelbankhelgen zeugen bis heute von seiner Gestaltungskraft. Er war keiner, der stehen blieb – weder körperlich noch geistig. Ausgedehnte Joggingrunden über den Gelterkinder Berg gehörten ebenso dazu wie der intensive Umgang mit neuer Technik.
2005 übergab er das Geschäft der nächsten Generation. In den letzten Jahren machten ihm gesundheitliche Rückschläge zu schaffen. Auch diese nahm er an, so wie er vieles im Leben annahm: realistisch, ohne grosses Klagen.
Am 28. Januar ist Enrico Viscardi zu seiner letzten Reise aufgebrochen. Gelterkinden verliert mit ihm eine prägende Persönlichkeit, die verwurzelt war und doch stets unterwegs blieb.
Remo Viscardi

