Energieversorgung der Zukunft
20.10.2026 Politik, RünenbergErnst Schürch, Landrat SP, Rünenberg
Es ist vollkommen klar: Die sichere Energieversorgung der Zukunft wird mit Wasserkraft, Windenergie und Photovoltaik sichergestellt. Wasser, Wind und Sonne sind die in der Schweiz vorhandenen Energieträger. Sie ...
Ernst Schürch, Landrat SP, Rünenberg
Es ist vollkommen klar: Die sichere Energieversorgung der Zukunft wird mit Wasserkraft, Windenergie und Photovoltaik sichergestellt. Wasser, Wind und Sonne sind die in der Schweiz vorhandenen Energieträger. Sie machen uns von Öl, Gas und Uran und damit auch von internationalen Konzernen, Diktaturen und unsicheren Transportwegen unabhängig. Zusätzlich müssen Energieeffizienz, Wärmeverbünde und ein flexibleres Stromnetz gefördert und verbessert werden. Nur so werden wir die gesetzten Energie- und Klimaziele auch nur annähernd erreichen können.
Es ist absurd und unverständlich, dass seit einiger Zeit von Politikern wieder neue Atomkraftwerke gefordert werden. Vor allem im Kanton Baselland steht diese Forderung gegen die Verfassung. Bereits 1978 hat die Baselbieter Stimmbevölkerung in der Verfassung festgehalten, dass sich die Behörden mit allen rechtlichen und politischen Mitteln dafür einsetzen müssen, dass auf unserem Kantonsgebiet und in der Nachbarschaft keine Atomkraftwerke, Aufbereitungsanlagen oder Lagerstätten für radioaktive Abfälle gebaut werden. Die Politiker, die wieder neue AKW fordern, scheinen unsere Verfassung für unwichtig zu halten.
Es kann sein, dass für den Übergang zu erneuerbaren Energieträgern die Lauf- zeit der bestehenden AKW verlängert werden muss. Neue Atomkraftwerke sind aber gegen unsere Verfassung und eine absolute Illusion. Alle Energiekonzerne der Schweiz haben bereits abgewinkt. Sie wissen, dass Bau und Betrieb eines neuen AKW sehr teuer und nicht rentabel wären. Folglich müssten Bund und Kantone sehr viel Steuergeld investieren. Diese Investitionen würden grosse Löcher in die Haushalte reissen und wären verloren. Wenn die Energiekonzerne die Rentabilität eines AKW nicht sehen, wird auch die öffentliche Hand damit kein Geld verdienen können. Zusätzlich würde damit der Berg an radioaktiven Abfällen noch höher. Daran wird auch der Glaube an eine höhere Effizienz neuer Kernreaktoren nichts ändern. Es werden radioaktive Abfälle zurückbleiben.
Die Lagerung der Abfälle ist nach wie vor nicht gesichert. Die Nagra sucht seit 1972 (oder schon seit mehr als 50 Jahren) ein sicheres Endlager. Bis heute gibt es keinen definitiven Standort. Die Kosten für die Endlagerung werden auf 20 Milliarden Franken geschätzt. Wir dürfen unseren Nachfahren nicht noch mehr hoch radioaktiven Abfall überlassen.
Vielmehr ist es wichtig, dass wir nicht über Atomkraftwerke fantasieren, sondern jetzt in die erneuerbaren Energieträger investieren. Noch sind nicht alle Probleme gelöst, aber die technischen Lösungen liegen vor und sind heute schon marktfähig. Windräder müssen endlich einfach gebaut werden. Die Nutzung der Photovoltaik muss in lokalen Verbünden optimiert werden. Es braucht Speichermöglichkeiten und Innovation in die Stabilität der Netze. Und es braucht Investitionen und gezielte Anreize für die Produktion von Wind- und Solarstrom im Winter. Dafür müssen wir Geld zur Verfügung stellen und die Forschung vorantreiben. Gute Lösungen zu finden war schon immer eine Stärke unseres Landes. Besinnen wir uns heute auf diese Stärke, statt morgen auf überholte und gefährliche Energieträger zu hoffen.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

