Elfriede Mathys-Handschin, Gelterkinden
05.02.2026 GelterkindenEine Stimme ist verstummt, die fast ein Jahrhundert lang beobachtete, erzählte und schmunzelte – in Versen und Prosa, auf Hochdeutsch und im vertrauten Dialekt. Elfriede Mathys-Handschin ist am 22. Januar im Alter von 97 Jahren im Kreise ihrer Liebsten von uns gegangen.
1928 in ...
Eine Stimme ist verstummt, die fast ein Jahrhundert lang beobachtete, erzählte und schmunzelte – in Versen und Prosa, auf Hochdeutsch und im vertrauten Dialekt. Elfriede Mathys-Handschin ist am 22. Januar im Alter von 97 Jahren im Kreise ihrer Liebsten von uns gegangen.
1928 in Basel geboren, wuchs Elfriede Mathys in Gelterkinden in einer Bauernfamilie auf. Zusammen mit ihren zwei älteren Brüdern erlebte sie eine Kindheit, die von heute ferner Zeit geprägt war. Als Tochter durfte sie keinen Beruf erlernen. Stattdessen musste sie zu Hause arbeiten und auf dem Hof mithelfen, «obwohl ich das eigentlich gar nit gärn gmacht ha», wie sie kürzlich noch erzählte. Doch schon in der Schule zeigte sich ihre wahre Begabung: Aufsätze schreiben und Singen waren ihre Leidenschaft. Damals entstanden ihre ersten Gedichte.
Als spätere Hausfrau und Mutter von vier Kindern rückte das Schreiben für Elfriede Mathys zunächst in den Hintergrund. Doch in den 1970er-Jahren, als die Kinder grösser waren, griff sie wieder zur Feder. Ihre Gedichte und Geschichten spiegelten wider, was sie bewegte: die Natur, Jahreszeiten und Begegnungen mit Menschen.
Von 2000 bis 2009 erschienen ihre Mundart-Kolumnen regelmässig in der «Volksstimme». Mit feinem Humor beobachtete Mathys den Wandel der Zeit. Sie schrieb über «Füürwanze», die ihre zwei Lindenbäume bevölkerten, über Billettautomaten, die sie nicht verstand, und über Handys, die überall «chnorzen» und «schnääderen». Für die Kolumnen lernte sie sogar den Computer zu bedienen, «um meine Texte digital verschicken zu können». 2008 publizierte sie ihr eigenes Buch «s Lääben isch e Kreis», eine Sammlung ihrer Verse und Geschichten.
Noch mit 97 Jahren war Elfriede Mathys der Wandel der Zeit bewusst. Sie sah, wie vieles anonymer geworden war, wie die Enkel heute auf dem ganzen Globus unterwegs sind – «das isch nit schlecht, numme ebe anderscht», sagte sie. «Früher hatte man weniger, dafür war vieles einfacher. Aber man muss mit der Zeit gehen.» Und sie fügte hinzu, was vielleicht ihre Lebensweisheit am besten zusammenfasst: «Mit dem Alter lernt man, loszulassen.»
Die grösste Konstante in ihrem Leben blieb das Schreiben. Noch im hohen Alter griff sie zum Stift, verfasste Gedichte, trug sie vor. «Für mich war das ein Test, ob ich es noch draufhabe», sagte sie. Mathys schaffte es, mit Worten zu malen, immer mit einem Augenzwinkern und einem Blick für das Menschliche.
Sie war eine Bewahrerin der Erinnerung, eine Stimme, die Brücken schlug zwischen dem, was war, und dem, was ist. Eine Beobachterin mit warmem Herzen. Ihre Worte bleiben
– in ihrem Buch, in den Köpfen derer, die sie kannten, und in der Erinnerung an eine Frau, die das Schreiben bis zuletzt liebte.
Wie sie die Welt sah – mit Augenzwinkern und einem Blick hinter die Fassaden – zeigt die Kolumne vom 14. Februar 2003.
Melanie Frei, Redaktorin «Volksstimme» Allergattig Maske
Mit Martini foot si jedes Johr aa, d Naarezyt. Öbs eim basst het oder nit, d Fasnechtschüechli im Grossverteiler, hai se ohni Rücksicht uf d Wiehnecht, wo vorhär no cho isch, näben im Wiehnachtsbaumschmuck und vor de Pralinéeschachtlen akündet.
Jetz drybt si wider ihr Wääse, d Frau Fasnacht, in eusem Land und änen an der Gränze. Vili Liit freue sich uf die Zyt und sy scho lang vorhär am baschtlen und wärche. Es isch für se so Tradizion und Bruuch. S git deere, si hai s Fasnechtsfieber geerbt, d Müeteren und scho d Grossmüetere haige früejer an deene Dääg s Ryysse gha, syge niimm zum heebe gsi.
Anden hai e bsunderi Freud am Morgeschträich, an de farbige Latärne, wo vo Künschtlerhänd mit viti Zytuufwand und Liebi gmooltworde sy und in der Nacht bsunders schön uuffalle. Am Ruessen und Chüble vo de Drummlen und an de fröhlige Melodie vo de Piccolo, wo soo leue lo gwaare, dass der Friielig wider im cho isch. Au an de schreege Döön von ere Guggemuusig. Ame guet dichtete Schnitzelbank. An de grossen und chlyne Maske, oder eifach wil me wider emol Glägeheit het für in en anderi Hut z schliefen und so probiert, e Rung der Ohrwurm vom Alltag z überspiile.
Die Einte mache Fasnecht, machen e paar Dääg im Johr die Narretei mit. An- deri luege numme zue, hai so Freud dra, und villne sait alles grad nüt, si blybe deheim oder gönge go schyyfahren und duuchen erscht denn wider uuf, wenn das Komeedi für e Johr verby isch.
Aber wie isch das mit de Masken eso durs ganz Johr dure? Sy mer ehrlig! Hai mir nit alli, ob mir begeischteret sy vo der Fasnecht oder nit, eso eusi Maske? Si het vill Gsichter, die Maske, und nie cha sich tuusigs guet derhinder verschtecke. Si cha lächle, wenns däm, wo se drait, ehnder ums Gryynen isch. Si cha der Starchi spiile, wenn dä, wo derhinder isch, Chummer und Sorge het. Si cha uf fründlig tue, au wenn im Härz vo däm, wo drunderisch, der Nyyd frisst. Si cha gueti Myyne mache zumen unguete Spiil. Si cha au unsichtbar mache, wenn öpper echly Zyt und Weermi nötig hätt. Mer träge se guet, eusi Maske, ob Fasnecht oder nit:
Allergattig Maske
Es ruesst und schränzt durd Gasse,
s isch wider Naarezyt, die einte danze Reige, die andere danze nit. Zwar jeedes het sy Maske,
öb Fasnecht oder nit, wils halt so öppen einisch
öbbis z verdecke git.
S cha sy, es isch en Eerger,
e Chummer oder Schmärz. Däm, wo se guet duet drääge,
däm gseet me nit ins Härz.
Elfriede Mathys

