Einzigartig in ganz Europa
19.06.2026 BaselbietErster kommerziell nutzbarer KI-Supercomputer wurde in Betrieb genommen
Das Gebiet «uptownBasel» in Arlesheim nimmt einen bedeutenden Schritt auf dem Weg zum internationalen Kompetenzzentrum für Industrie 4.0. Am Mittwoch wurde der europaweit erste kommerziell nutzbare ...
Erster kommerziell nutzbarer KI-Supercomputer wurde in Betrieb genommen
Das Gebiet «uptownBasel» in Arlesheim nimmt einen bedeutenden Schritt auf dem Weg zum internationalen Kompetenzzentrum für Industrie 4.0. Am Mittwoch wurde der europaweit erste kommerziell nutzbare KI-Supercomputer in Betrieb genommen.
Tobias Gfeller
Die Geräuschkulisse ist laut, die Luft unangenehm trocken, unzählige Lämpchen leuchten. Gegen 50 Personen lassen sich die Funktionsweise des neuen KI-Supercomputers erklären. Handys werden gezückt, Fotos geschossen. Auch der Baselbieter Baudirektor Isaac Reber (Grüne) zeigt sich interessiert. Weiter geht die Führung durch die Räumlichkeiten für die Kühlung, die Abwärme und die Stromversorgung. Diese brauchen insgesamt deutlich mehr Platz als der Supercomputer selber. Der Raumbedarf für den Mega-Rechner ist immens.
«uptownBasel» will von Arlesheim aus die Industrie von morgen und übermorgen prägen. Auf dem 70 000 Quadratmeter grossen Schoren-Areal entsteht ein Ökosystem, das Quantencomputing, Künstliche Intelligenz (KI), Nachhaltigkeit und Energie miteinander verbindet. Nach dem Kauf des Areals durch die Basler Familie Staehelin entwickelt sich das Areal im Eiltempo. 2022 erhielt «uptownBasel» Zugang zu einem Quantencomputer von IBM in den USA. Ende 2024 ging auf dem Areal der erste physische Quantencomputer der Schweiz in Betrieb. Mit der Inbetriebnahme des KI-Supercomputers vollzog «uptown-Basel» in dieser Woche einen nächsten Meilenstein.
In Zukunft sollen der Quantencomputer und der KI-Supercomputer zusammen agieren. Die klassischen Computer basieren auf Bits. Das ist ein Strom von elektrischen oder optischen Impulsen, die Einsen und Nullen darstellen. Quantencomputing hingegen arbeitet mit sogenannten Quantenbits, kurz Qubits. Sie repräsentieren gleichzeitig die Zustände 0 und 1 – und alles dazwischen. So beschreibt es beispielsweise die Deutsche Telekom auf ihrer Website.
Private Firmen, Spitäler oder die Polizei erlangen mit wenigen Mausklicks Zugang zum Supercomputer in Arlesheim und können von ihm in kürzester Zeit komplexe Aufgaben rechnen lassen. «Control your Data, Control your Future», lautet das Motto von Phoeniqs, dem Erbauer und Betreiber des KI-Supercomputers. «Wir schützen Daten, wir sichern Daten ab. Wir sind unabhängig und der Schweizer Jurisdiktion unterstellt», betonte Executive Chairman Thomas Taroni. Kunden kämen auch von ausserhalb der Schweiz, weil ihnen diese Werte wichtig sind. Diese digitale Souveränität, als die sie Taroni bei der Präsentation am Mittwochvormittag in Arlesheim bezeichnete, sei für die Region und die Schweiz in Anbetracht der Einmischung ausländischer Regierungen in Tech-Unternehmen ein Standortvorteil. Gemäss Thomas Taroni steht nun in Arlesheim der einzige kommerziell nutzbare KI-Supercomputer dieses Systems in ganz Europa. «Die Nachbarländer bauen fleissig und wir sind schon online.»
Eigene Stromleitung
Um die Stromversorgung für diese Hochleistungsrechner sicherzustellen, baute «uptownBasel» eine eigene Leitung vom Unterwerk Pratteln nach Arlesheim. Die Abwärme der Systeme auf dem Schoren-Areal wird in Zusammenarbeit mit Primeo Energie unter anderem für die Wärmeversorgung im Birstal verwendet. «Es ist eindrücklich, was hier entstanden ist und was noch entstehen wird», lobte Regierungsrat Isaac Reber in seinem Grusswort der Baselbieter Exekutive.
«uptownBasel» schaffe Arbeitsplätze von morgen und stärke die Position des Kantons im internationalen Wettbewerb. Unter anderem ist auf dem Areal ein Medtech-Innovation-Hub geplant. Der Zahnimplantatehersteller Straumann Group verlegt seinen Hauptsitz nach Arlesheim.

