Einigkeit im Stil, Differenzen im Detail
12.02.2026 GelterkindenSandra Grossmann (EVP) und Hans Wieser (BZG) duellieren sich um Sitz im Gemeinderat
Schulhausneubau, Hallenbad und Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden – Sandra Grossmann und Hans Wieser diskutierten über die Zukunft Gelterkindens. Die beiden kandidieren am 8. März um die ...
Sandra Grossmann (EVP) und Hans Wieser (BZG) duellieren sich um Sitz im Gemeinderat
Schulhausneubau, Hallenbad und Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden – Sandra Grossmann und Hans Wieser diskutierten über die Zukunft Gelterkindens. Die beiden kandidieren am 8. März um die Nachfolge von SP-Gemeinderat Martin Rüegg.
Janis Erne
Ihre Gesichter zieren Plakate im ganzen Dorf. Am Dienstagabend trafen Sandra Grossmann (EVP) und Hans Wieser (Bürgerlicher Zusammenschluss BZG) nun erstmals persönlich aufeinander. An einer von BZG-Präsident Jakob Baader organisierten und von Thomas Gubler moderierten Podiumsdiskussion im Gemeindesaal zeigte sich: Die beiden Kandidierenden für die Gemeinderatsersatzwahl am 8. März sind unterschiedlich – und doch gleich.
Unterschiede sind in ihren Werdegängen auszumachen. Während Grossmann (47) in Gelterkinden aufgewachsen ist, stammt Wieser (63) aus Bayern. Während Grossmann bereits Erfahrung als Mitglied der Gemeindekommission und als Präsidentin der Geschäftsprüfungskommission aufweist, ist Wieser ein politischer Quereinsteiger. Und während Grossmann als Lehrerin tätig ist, kommt Wieser aus der Pharmabranche, wo er als Ingenieur an grossen Bauprojekten mitgewirkt hat.
Grosse Ähnlichkeiten haben sie darin, wie sie Gemeindepolitik verstehen. Es gehe nur zusammen, von welcher Partei ein Lösungsvorschlag komme, sei zweitrangig, solange er überzeuge, war von beiden zu hören. Sandra Grossmann sagte, dass sie die «Grüppchenbildung» im Dorf störe – damit waren die linksgrüne Seite (SP, Grüne, EVP) und der BZG gemeint. «Es soll um die Sache gehen. Dafür muss man einander zuhören und auf die Argumente des Gegenübers eingehen.»
Trotz der Einigkeit über den politischen Stil gab es hin und wieder inhaltliche Differenzen. Ein Beispiel ist das Thema Schulbauten. Bekanntlich sollen der Pavillon Ost abgerissen und durch einen Neubau ersetzt sowie der Pavillon Süd umgebaut werden – für rund 11 Millionen Franken. Während Grossmann das Gesamtprojekt als «gut» und «nötig» bezeichnete, äusserte Wieser Skepsis: Er habe das Referendum gegen das Projekt Campus Loggia unterzeichnet, da ihm als Stimmbürger wichtige Informationen für die Entscheidungsfindung gefehlt hätten. «In der Industrie wäre man mit einem solchen Variantenentscheid nicht einmal angehört worden», so Wieser. Dass der Pavillon Ost bald ersetzt werden muss, stellte Wieser jedoch nicht in Abrede. Er folgte damit der Ansicht von Grossmann, die vor einem Investitionsstau warnte.
Ein Politikum in Gelterkinden ist seit seiner Eröffnung im Jahr 2018 auch das Hallenbad. Es schreibt jedes Jahr Verluste in Höhe von rund 1 Million Franken. Sandra Grossmann gab preis, dass sie sich an der entscheidenden Gemeindeversammlung aus finanziellen Gründen gegen den Bau des Schwimmbads ausgesprochen hatte – «obwohl ich als Ja-Stimmende rekrutiert worden war». Sie hofft, dass künftig mehr Gelterkinderinnen und Gelterkinder das Schwimmbad nutzen werden. Ein Verkauf oder eine Stilllegung erachtet sie ebenso wie Hans Wieser als nicht sinnvoll. Der bürgerliche Kandidat brachte eine Werbekampagne ins Spiel, um die Nutzung des Hallenbads zu erhöhen. «Gleichzeitig sollen Möglichkeiten gefunden werden, um das Hallenbad effizienter zu betreiben und die Finanzierung aufzuteilen», so Wieser. Er dachte dabei an umliegende Gemeinden. Aus ihrer Erfahrung sagte Grossmann, dass dies in der Vergangenheit eine zähe Angelegenheit gewesen sei.
Die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden erachten beide Kandidierenden als wichtig für die Zukunft. «Wasser, Logopädie, Sozialdienst: Es gibt bereits Bereiche, wo Kooperation gut funktioniert», sagte Grossmann. Wieser nahm das Wort Fusion in den Mund: «Zusammenschlüsse von Gemeinden wären manchmal wohl zielführender. Doch während meiner Zeit hier habe ich gelernt, dass sich die Schweizer stark mit ihrem Dorf identifizieren, was etwas Schönes ist. Daher sind Zusammenarbeitsmodelle realistischer.»
Wie weiter bei den Finanzen?
Thomas Gubler, langjähriger Journalist und freier Mitarbeiter der «Volksstimme», hat die Podiumsdiskussion umsichtig moderiert. Er fragte die Kandidierenden, wie sie die Finanzen der Gemeinde Gelterkinden sehen. Grossmann sagte, dass es einen «klaren Plan» brauche und auch rote Tücher wie Kürzungen nicht ausser Acht gelassen werden dürften. Wieser meinte, es brauche noch viel Arbeit. Der Finanzplan 2026–2030 sei ein erster Schritt, aber «weit weg von dem, was ich aus der Industrie unter einem Finanzplan verstehe».
In der Fragerunde meldete sich alt Regierungsrat und Einwohner Erich Straumann (SVP) zu Wort. Er fragte, welche Ressorts sich die Kandidierenden vorstellen können. «Bildung und Finanzen sind meine zwei Favoriten», sagte Wieser, zeigte sich aber auch offen für die anderen Zuständigkeiten. Ebenso Sandra Grossmann, die Einwände abwehrte, dass sie als Lehrerin im Bildungsressort befangen wäre: «Ich bin Sekundarlehrerin und daher vom Kanton angestellt.Als Gemeinderätin wäre ich hingegen für die Primarschule zuständig und unbefangen.»
Hans Wieser wurde gefragt, wie er damit umgehen würde, dass es in der Gemeinde nicht um dreistellige Millionenprojekte, sondern manchmal um 10 000 Franken geht. «Das spielt keine Rolle – Systematik und Methodik sind die gleichen, egal wie hoch der Projektbetrag ist.» Er würde sich in das Amt einarbeiten: «Wenn ich einen Job annehme, dann kümmere ich mich darum, das garantiere ich.»
Das Podiumsgespräch kann auf dem Youtube-Kanal der «Volksstimme» nachgehört werden.



