«Klanglichter»-Konzert in der Oberen Fabrik
Es war kein gewöhnlicher Liederabend, der am 9. Mai im Rahmen der «Klanglichter»-Konzertreihe in der Oberen Fabrik in Sissach stattfand. Es war eine emotionale Reise in die Tiefe der Seele. Daniel Behle (Tenor) und ...
«Klanglichter»-Konzert in der Oberen Fabrik
Es war kein gewöhnlicher Liederabend, der am 9. Mai im Rahmen der «Klanglichter»-Konzertreihe in der Oberen Fabrik in Sissach stattfand. Es war eine emotionale Reise in die Tiefe der Seele. Daniel Behle (Tenor) und Adrian Oetiker (Klavier) brachten Schuberts «Die schöne Müllerin» mit einer Intensität auf die Bühne, die das Publikum bis zum Schluss fesselte.
Schon bei den ersten Tönen von «Das Wandern» wurde klar, dass Behle diesen Zyklus förmlich erlebt. Sein Tenor besass eine fast jugendliche Leichtigkeit, die das Herz des naiven Gesellen widerspiegelte. Doch unter dieser Oberfläche schwelte von Anfang an eine Verletzlichkeit, die erahnen liess, dass die Wanderung eine Wendung nehmen könnte. In Liedern wie «Halt!» oder «Feierabend» sprühte Behles Interpretation vor Hoffnung. Die Höhe und die präzise Artikulation liessen das Bild des verliebten Jünglings zur schönen Müllerin lebendig werden.
Der Wendepunkt kam schleichend. Adrian Oetiker am Klavier war dabei weit mehr als ein Begleiter; er war Schicksal, ein Bach, der mal tröstend murmelte, mal bedrohlich rauschte. Besonders in «Pause» und «Mit dem grünen Lautenbande» erzeugten die beiden Musiker eine Atmosphäre der Ungewissheit, die förmlich zu greifen war. In den Schlussliedern, «Der Müller und der Bach» oder «Des Baches Wiegenlied» erreichte der Abend seinen Höhepunkt. Behle reduzierte seine Stimme zeitweise auf ein hauchzartes Piano, das im Auditorium ein wahrnehmbares Innehalten erzeugte.
Oetikers nuanciertes Spiel gab Behle den Raum für eine fast schauspielerische Gestaltung der Lieder. Als der letzte Ton von «Des Baches Wiegenlied» verklungen war, verharrte das Publikum eine Zeit lang in andächtigem Schweigen, bevor dann ein Beifallssturm losbrach und eine Zugabe forderte.
Eric Rothenbühler