Eine Region sucht ihren Weg
27.02.2026 BaselbietDas Regionale Entwicklungskonzept enthält viel Bekanntes, aber auch ein paar neue Ideen
Das Ergolztal als Wachstumsgebiet; die Seitentäler und Hügeldörfer als Erholungsräume: Der Verein Region Oberbaselbiet plant die Zukunft seiner Gemeinden. Ein Blick in das neue ...
Das Regionale Entwicklungskonzept enthält viel Bekanntes, aber auch ein paar neue Ideen
Das Ergolztal als Wachstumsgebiet; die Seitentäler und Hügeldörfer als Erholungsräume: Der Verein Region Oberbaselbiet plant die Zukunft seiner Gemeinden. Ein Blick in das neue Konzept.
Janis Erne
Was ist das Regionale Entwicklungskonzept (REK)?
Es umfasst die Gemeinden im Ergolztal (bis hinunter nach Itingen), im Diegtertal, im Homburgertal und im Eital und reicht bis nach Maisprach. Hinzu kommen Dörfer auf den Hochplateaus, zum Beispiel Nusshof, Anwil oder Oltingen. Die Bezirke Waldenburg (grösstenteils) und Liestal sind hingegen nicht Teil des REK. Das Konzept bildet eine «gemeinsame Grundlage für eine koordinierte und nachhaltige Entwicklung der Region Oberbaselbiet bis zum Jahr 2040», heisst es im Schlussbericht. Haupttreiber ist der Verein Region Oberbaselbiet (ROB), dem 22 der 31 Perimeter-Gemeinden angehören. Das Konzept wurde in mehreren Workshops gemeinsam mit Gemeindevertretern und der Bevölkerung entwickelt. Zudem wurden Experten für Regionalentwicklung hinzugezogen. Der Schlussbericht umfasst 101 Seiten.
Was enthält er?
Der Anfang Februar veröffentlichte Schlussbericht skizziert die Ausgangslage, umfasst Zielbilder und schlägt konkrete Massnahmen vor. Das REK hat vier Schwerpunkte: Siedlungsentwicklung, Verkehr, Landschaft und Freiraum sowie Regionalökonomie. Die Inhalte sind für die Gemeinden nicht rechtlich bindend, sondern dienen als Orientierung bei künftigen Entscheidungen.
Wie ist der Eindruck beim Lesen?
Worte wie «nachhaltig» und «klimaangepasst» prägen den Bericht. Dem ROB liegt offensichtlich eine möglichst schonende Entwicklung am Herzen. Der Schlussbericht enthält interessante Fakten. Ein Beispiel: Die zusammen rund 40 000 Einwohner zählenden Perimeter-Gemeinden wachsen im Baselbieter Vergleich überdurchschnittlich stark, jedoch gibt es regionale Unterschiede. Während die Einwohnerzahlen in Sissach und Gelterkinden markant steigen, verlieren Gemeinden wie Wintersingen, Hemmiken oder Wenslingen an Bevölkerung. Laut Bericht ist das Wachstum im Oberbaselbiet in erster Linie auf Zuzüger aus dem Ausland und in zweiter Linie auf Zuzüger innerhalb des Kantons zurückzuführen.
Wie könnte das Oberbaselbiet in 15 Jahren aussehen?
Wohl nicht viel anders als heute. Laut Konzept soll das Wachstum entlang der Achse Itingen–Sissach–Böckten– Gelterkinden–Ormalingen stattfinden. Ein Fokus liegt dabei auf den Bahnhofsgebieten in Sissach und Gelterkinden, wo Arbeitsplätze und Wohnraum geschaffen werden sollen. In den Seitentälern, also im Diegter-, Homburger- und Eital, sowie in den Hügeldörfern soll vor allem der vorhandene Bestand gepflegt werden. Diegten und Läufelfingen sollen als «Stützpunktgemeinden» gewisse Versorgungsfunktionen für die umliegenden Dörfer wahrnehmen.
Was ist die Stossrichtung des Konzepts?
Viele der im Regionalen Entwicklungskonzept erwähnten Ideen schwirren seit Längerem umher: Wohnraum im Zentrum verdichten, die Zersiedelung begrenzen, den öffentlichen und den Veloverkehr ausbauen, das Strassennetz punktuell verbessern, erneuerbare Energie fördern, die Zusammenarbeit von Gemeinden stärken, Bäche freilegen und zugänglicher machen sowie in Zeiten der Klimaerwärmung die Natur als Ausgleich zum Siedlungsraum schützen. Das Konzept enthält jedoch auch neue Ansätze und Punkte, die für Diskussionen sorgen könnten.
Welche der vorgeschlagenen Massnahmen im Bereich Verkehr könnten für Gesprächsstoff sorgen?
Beispielsweise wird der Ausbau der Busverbindungen ins Fricktal sowie die Einführung einer Busverbindung zwischen dem Homburger- und dem Diegtertal via Känerkinden vorgeschlagen. Um den Autoverkehr zu Stosszeiten flüssiger zu gestalten, werden verschiedene Massnahmen in Sissach, Böckten und Gelterkinden vorgeschlagen. Eine Idee ist es, die Abzweigung Zunzgerstrasse/Bahnhofstrasse in der Nähe des Ebenrainparks in Sissach durch einen Kreisverkehr zu ersetzen. Zudem sollen in Ortsdurchfahrten «gezielte Verkehrsberuhigungen» realisiert werden, um Aufenthaltsqualität und Sicherheit zu erhöhen.
Hoher Handlungsbedarf diesbezüglich sieht das REK in den Gemeinden Diegten, Thürnen, Gelterkinden, Tecknau und Maisprach.
Welche Ideen stechen sonst noch heraus?
Um die Natur vor allem an besonders schönen Tagen vor zu vielen Ausflüglern zu schützen, wird die Möglichkeit der Besucherlenkung genannt, etwa durch ein Parkraummanagement. Zudem soll ein Komitee («Kulturpool Oberbaselbiet») die Kultur in der Region stärken, indem es Pläne erstellt und Gelder bereitstellt. Der «Kulturpool» soll durch die ROB-Gemeinden finanziert werden.
Welche Massnahmen sollen zunächst umgesetzt werden?
Die ersten Projekte sollen bereits dieses Jahr in Angriff genommen werden. Damit soll das REK in der breiten Bevölkerung bekannt gemacht werden. Konkret soll die gemeindeübergreifende Organisation von Jungbürgerfeiern geprüft werden. Zudem ist die Bildung einer regionalen «Arbeitsund Koordinationsgruppe» geplant, die sich mit Sport und Freizeit beschäftigt. Sie soll unter anderem einen Finanzierungsschlüssel zwischen den Gemeinden für grosse Sportanlagen definieren. Mit dieser Idee würde ein aktuelles Problem aufgegriffen. Denn sowohl in Sissach (Kunsteisbahn), Gelterkinden (Hallenbad) als auch in Oberdorf (Kunstrasen) wird darüber diskutiert, wie die Sport- und Freizeitinfrastruktur künftig finanziert werden soll. Auch könnten die ROB-Gemeinden noch dieses Jahr gemeinsam die Nutzung von Erdwärme prüfen.
Wie sollen die einzelnen Projekte finanziert werden?
Die Vereinsgemeinden sind auf Drittmittel, also Gelder von Bund, Kanton oder Stiftungen, angewiesen.
Wie gross ist der Rückhalt für das Konzept?
Die Erarbeitung war breit abgestützt und die Bevölkerung hatte die Möglichkeit, aktiv mitzureden, was sie auch genutzt hat. Unklar ist jedoch, wie einheitlich die einzelnen Gemeinden die Ideen mittragen und umsetzen werden. Zumal viele der Ideen an den gescheiterten «Naturpark Baselbiet» erinnern. Zudem ist in vielen Bereichen eine Koordination mit dem Kanton erforderlich.
Der REK-Schlussbericht wird am kommenden Mittwoch, 4. März, der Bevölkerung vorgestellt: ab 19 Uhr in der Aula der Sekundarschule Tannenbrunn in Sissach, mit Apéro. Anmeldung erwünscht bis Sonntag, 1. März. www.region-oberbaselbiet.ch

