Eine gut aufgestellte Truppe
31.10.2023 Bennwil, Bezirk WaldenburgDie jubiläumswürdige Hauptübung der Feuerwehr Frenke
Vor 20 Jahren wurde die Verbundfeuerwehr Frenke gegründet, nicht zuletzt, um das Tagespikett sicherzustellen. Sie steht gut da, hofft jedoch auf ein zeitgemässes Feuerwehrmagazin.
Elmar ...
Die jubiläumswürdige Hauptübung der Feuerwehr Frenke
Vor 20 Jahren wurde die Verbundfeuerwehr Frenke gegründet, nicht zuletzt, um das Tagespikett sicherzustellen. Sie steht gut da, hofft jedoch auf ein zeitgemässes Feuerwehrmagazin.
Elmar Gächter
Die Feuerwehr geniesst nach wie vor ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Dies zeigte sich auch am Samstag, als eine grosse Anzahl Zuschauerinnen und Zuschauer die Schlagkraft der Feuerwehr Frenke an ihren beiden Einsatzübungen interessiert aus nächster Nähe mitverfolgte. Daneben gab es ein rundes Jubiläum zu feiern. Denn es sind just 20 Jahre her, seit die ehemaligen Ortsfeuerwehren Hölstein, Niederdorf, Lampenberg und Bennwil sich zur Verbundfeuerwehr zusammengeschlossen haben. Eine Erfolgsgeschichte, wie am Festakt in der Mehrweckhalle von verschiedenen Rednern zu hören war.
An den Einsatzübungen galt es, einen Garagenbrand zu löschen, das Übergreifen des Feuers auf den darüberliegenden Holzschopf zu verhindern, und – etwas abseits der Zuschauerblicke – Menschenleben zu retten. Das zweite Ereignis zeigte einen supponierten Verkehrsunfall mit einer Frontalkollision von zwei Personenwagen mit Insassen, die unter Schock standen. Aufgabe der Einsatzkräfte war es, sie sicher aus den Fahrzeugen zu bergen und zudem zu verhindern, dass der auslaufende Treibstoff sich entzünden oder in die Kanalisation abfliessen konnte. Die Übungsleitung attestierte der Truppe eine erfolgreichen Einsatz und eine hohe Motivation.
Zusammenschluss nicht ohne Not
An den Ursprüngen derVerbundfeuerwehr Frenke, die 2003 ihren Betrieb aufgenommen hat, standen vor allem zwei ehemalige Feuerwehrkommandanten. Peter Degen leitete in den 1990er-Jahren die Ortsfeuerwehr Lampenberg und initiierte im Jahr 2000 als frisch gewählter Gemeinderat und Löschvorsteher die Idee, sich zu einem Verbund zusammenzuschliessen. Nicht ganz ohne Not, hatte doch Lampenberg zunehmend das Problem, das Tagespikett mit genügend Personal sicherzustellen.
Die Idee stiess beim Nachbarn auf offene Ohren. «Bereits zwei Wochen nach unserer Anfrage signalisierte uns die damalige Löschvorsteherin von Hölstein, Monika Gschwind, ihr Interesse», so Peter Degen bei seinem Rückblick vor versammeltem Feuerwehrcorps und dem zahlreichen Publikum.
Dem Grossverband zuvorkommen
Die Sorgen, zu wenig Tagespikettleute stellen zu können, hatte Walter Schori nicht. Als Kommandant der Ortsfeuerwehr Hölstein stand er der Anfrage aus Lampenberg jedoch von Anfang an positiv gegenüber. «Unser Ziel war sicher auch, einem Grossverband zuvorzukommen, den man damals unserem Tal aufzwingen wollte», hielt er fest. In mehr als 40 Sitzungen der Verbundkommission sei ein Vertrag ausgearbeitet worden, der an den Gemeindeversammlungen aller vier Gemeinden breite Akzeptanz gefunden habe und auch heute noch seine Tauglichkeit beweise. Walter Schori war in der Folge erster Kommandant der Feuerwehr Frenke.
Werner Stampfli, Feuerwehrinspektor des Kantons Baselland, sprach im Zusammenhang mit der Verbandsgründung von eigentlichen Visionären, die es brauche, um den laufend grösseren Herausforderungen hinsichtlich Technik und Strukturen der Feuerwehren gerecht zu werden.
Erste Frau im Offizierscorps
Er selber war als seinerzeitiger Feuerwehrkommandant als Berater, «Geburtshelfer» wie er es nannte, beim Aufbau der Feuerwehr Frenke beteiligt. «Aus Sicht der Kommission und der Behörden steht unsere Feuerwehr sehr gut da», war von Gemeinderat und Löschvorsteher Robert Chaudet aus Niederdorf zu hören. Dass dies auch in Zukunft so sei, hänge vor allem davon ab, ob eine Lösung für das Feuerwehrmagazin Hölstein gefunden werde, das die heutigen Ansprüche einer «menschwürdigen Infrastruktur» nicht erfülle.
Es weise weder getrennte Garderoben noch Hygieneräume auf und sei auch standortmässig mit grossen Defiziten behaftet. «Unsere Feuerwehr hat ihre Hausaufgaben gemacht. Machen wir die unseren, wenn es um eine neue Lösung für ein Magazin für unsere Feuerwehr geht», so der Appell des Gemeinderats an die politischen Behörden.
Vor dem Apéro, zu dem auch die Bevölkerung eingeladen war, konnte Feuerwehrkommandant Rolf Degen Sonja Buser und Martin Recher von Wachtmeistern zu Offizieren und Sabine Gysin vom Gefreiten zum Fourier befördern. Sonja Buser ist die erste Frau, die sich in der Feuerwehr Frenke zum Offizierscorps zählen darf. Und noch folgendes Novum: Mit Rolf Degen als Kommandant und Michael Schori als sein Stellvertreter leiten heute die Söhne von Peter Degen und Walter Schori den Feuerwehrverbund. Die Äpfel fallen nicht weit vom Stamm oder anders gesagt, die Leidenschaft für die Feuerwehr kann durchaus vererbt werden.
NACHGEFRAGT | ROLF DEGEN, KOMMANDANT FEUERWEHR FRENKE
«Man muss sich etappenweise neuen Zielen nähern»
Herr Degen, wie steht der Feuerwehrverbund heute da?
Rolf Degen: Wir haben ein Corps mit vielen jungen Angehörigen der Feuerwehr, gemischt mit älteren Semestern, die ihre Erfahrung zielgerichtet weitergeben. Ganz erfreulich ist, dass wir allein 2022 sieben Nachwuchskräfte rekrutieren konnten. Zudem verspüre ich einen sehr guten Rückhalt in der Bevölkerung und der Zusammenarbeit mit den politischen Behörden. Erfreulich ist auch die Vereinbarung mit unserer Nachbarfeuerwehr Wolf, die gegenseitige Unterstützung im Bedarfsfall vorsieht.
Der Zusammenschluss zur Verbundfeuerwehr Frenke ist demnach ein Erfolgsmodell.
Es war für die damaligen Verantwortlichen eine grosse Herausforderung, vier Ortsfeuerwehren mit ihrer individuellen Geschichte und rund 80 Angehörigen der Feuerwehr zu einer einzigen Truppe zusammenzuführen. Es gab jedoch praktisch keine Widerstände. Heute haben wir einen Bestand von rund 60 Leuten, darunter 10 Frauen, die ihre Leistungsfähigkeit in verschiedenen Ernsteinsätzen unter Beweis gestellt haben. Die Truppe ist absolut gut aufgestellt mit einer ausgezeichneten Kameradschaft.
Dann sind Sie als Kommandant wunschlos glücklich?
Sowohl personell als auch fahrzeugund ausrüstungsmässig sind wir auf einem sehr guten Level. Wir wissen aber, dass unser Magazin in Hölstein erschliessungsmässig ungünstig liegt. Die Zu- und Wegfahrt führt über einen Schulhausplatz, was bei Schulbetrieb grosse Gefahren mit sich bringt. Ein ganz wichtiger Aspekt für die künftige Planung stellt das Projekt «Feuerwehr der Zukunft» des Kantons dar, das eine Regionalisierung des Feuerwehrwesens anstrebt und für das ganze Waldenburgertal nur noch eine Feuerwehr vorsieht.
Wie stehen Sie zu diesen Fusionsabsichten?
Ich bin grundsätzlich offen für Änderungen. Nur dürfen diese nicht schlagartig erfolgen, sondern man muss sich etappenweise neuen Zielen nähern. Obwohl wir bereits mit Wolf eng zusammenarbeiten, geht es hier mit nur noch einer einzigen Feuerwehr wesentlich weiter. Wir können mit einer Fusion Ressourcen einsparen, sie darf jedoch nicht zulasten der Kameradschaft gehen und sie muss weiterhin bevölkerungsnah bleiben.