Eine faustdicke Überraschung
23.10.2026 Baselbiet«Mitte» nominiert Remo Oser für die Regierungsratswahlen
Damit hatten nur wenige gerechnet: Die «Mitte» Baselland schickt Remo Oser ins Rennen um die Nachfolge ihres Regierungsrats Anton Lauber. Der Laufentaler setzte sich am Parteitag klar gegen den favorisierten ...
«Mitte» nominiert Remo Oser für die Regierungsratswahlen
Damit hatten nur wenige gerechnet: Die «Mitte» Baselland schickt Remo Oser ins Rennen um die Nachfolge ihres Regierungsrats Anton Lauber. Der Laufentaler setzte sich am Parteitag klar gegen den favorisierten Parteipräsidenten Simon Oberbeck durch.
Thomas Gubler
Der Andrang der Mitglieder am Wahlauftakt-Parteitag der «Mitte» – am Schluss waren es über 150 – und der Medien war sehr gross. Die Laufentaler Delegation fuhr gar mit Kleinbussen beim Liestaler «Elefantehuus» vor. Die Mobilisierung sollte sich lohnen. Zweieinhalb Stunden später hiess nämlich der Kandidat, mit dem die «Mitte» bei den Gesamterneuerungswahlen am 11. April kommenden Jahres den Regierungsratssitz des zurücktretenden Finanzdirektors Anton Lauber verteidigen will, nicht Simon Oberbeck, wie viele im Vorfeld erwartet hatten, sondern Remo Oser.
Der 56-jährige Unternehmer und frühere Röschenzer Gemeindepräsident übersprang schon im ersten Wahlgang die Hürde des absoluten Mehrs von 77 Stimmen geradezu mühelos. 90 Stimmen erreichte Oser, Parteipräsident und Landrat Simon Oberbeck kam auf 48. Der Oberdörfer Gemeindepräsident Piero Grumelli blieb mit 13 Stimmen chancenlos.
Oberbeck galt als Favorit
Damit war die Überraschung perfekt. Denn eigentlich galt Parteipräsident Simon Oberbeck als Favorit für die Kandidatenkür. Dies nicht zuletzt deshalb, weil er bei der Wahl mit der Unterstützung der SVP rechnen konnte. Entsprechend gross war die Enttäuschung beim Birsfelder.
Die Überraschung möglich gemacht haben nicht nur die vielen angereisten Laufentaler. Remo Osers Präsentation war von den drei Bewerbern eindeutig die beste. Nicht nur vermochte er sich an diesem von Vizepräsidentin Marie-Caroline Messerli anstelle von Simon Oberbeck als Tagespräsidentin geleiteten Parteitag am besten in Szene zu setzen. Auch seine inhaltlichen Aussagen waren klar.
So bezeichnete er Bildung als Fundament des Wohlstands, bekannte sich klar zur Energiewende und zur Zusammenarbeit mit Basel-Stadt im Gesundheitsbereich und erklärte etwa auf die Frage, wie er es denn mit Kirche und Christentum halte: «Christentum bedeutet für mich teilen.» Womit er sich gleich auch als zum früheren christlichsozialen Flügel der Partei zugehörig bekannte. Demgegenüber konnten seine beiden Konkurrenten nicht mit ähnlich deutlichen Statements aufwarten. Kurz: Remo Oser hat die Parteibasis schlicht überzeugt. Und ob die Parteileitung bei diesem klaren Resultat sich tatsächlich immer noch eine Doppelkandidatur vorbehält, wie Marie-Caroline Messerli vor der Nomination bekannt gegeben hatte, ist doch eher zu bezweifeln.
Oser zeigte sich nach der Nomination davon überzeugt, dass er nicht nur von Laufentalerinnen und Laufentalern gewählt worden sei, sondern wegen seiner politischen Vorstellungen. Er bezeichnete sich als Vertreter «einer neuen ‹Mitte›».
Mit der Überraschungskandidatur dürfte der Regierungsratswahlkampf im Baselbiet schon «aufgemischt» sein, bevor er richtig begonnen hat. Ob sich die SVP für Remo Oser erwärmen kann, ist ungewiss. Dafür könnte der Laufentaler möglicherweise im liberalen Segment ebenso wie im gemässigt linken Bereich punkten.
Pascal Ryf nominiert
Ohne Überraschung ging dagegen die Kür des bürgerlichen Ständeratskandidaten über die Bühne. Mit grossem Mehr wurde der Chef der «Mitte»-Fraktion im Landrat und frühere Landratspräsident Pascal Ryf (Oberwil) von seiner Partei nominiert. Wobei man sich bewusst ist, dass es, falls Amtsinhaberin Maya Graf (Grüne) nochmals antritt, zu einem Kampf «David gegen Goliath» kommen könnte.
Zu Beginn des Parteitags hatte der Präsident der «Mitte» Schweiz, Nationalrat Philipp Matthias Bregy, mit seiner Grussbotschaft die «Mitte»-Basis auf Wahlkampf eingestimmt. Beim einen oder anderen Parteimitglied dürfte der Walliser aber auch für ein Schmunzeln gesorgt haben. Er dankte nämlich Anton Lauber dafür, dass er seit 13 Jahren Verantwortung in der «Basler» Regierung trage.
Überraschendes Ja zur «U-Abo-Initiative»
gub.
Der «Mitte»-Parteitag hat am Mittwochabend nicht nur Kandidaten für die Regierungsrats- und die Ständeratswahlen gekürt, sondern auch Parolen für die eidgenössischen und kantonalen Abstimmungen vom 29. November gefasst.
Für die Feuerwerksinitiative wurde Stimmfreigabe beschlossen. Zum Kriegsmaterialgesetz sagt die «Mitte» mit grossem Mehr Ja. Bei den kantonalen Vorlagen wurde zur Initiative «Fairer Arbeitsmarkt» grossmehrheitlich die Nein-Parole beschlossen. Hingegen sagte sie überraschend mit 85 zu 37 Stimmen Ja zur Initiative der Jungparteien «Für ein bezahlbares U-Abo» (siehe auch Seite 3).


