Eine Bundesrätin zu Gast
14.04.2026 Politik, GelterkindenKarin Keller-Sutter kommt ins Nachtcafé
vs. Wenn wir einen Blick in die Agenda von Karin Keller-Sutter werfen dürften, fänden wir dort vermutlich internationale Treffen, vertrauliche Gespräche mit wichtigen Persönlichkeiten und Dossiers mit ...
Karin Keller-Sutter kommt ins Nachtcafé
vs. Wenn wir einen Blick in die Agenda von Karin Keller-Sutter werfen dürften, fänden wir dort vermutlich internationale Treffen, vertrauliche Gespräche mit wichtigen Persönlichkeiten und Dossiers mit beträchtlichem Gewicht. In ihrer Arbeit als Bundesrätin spielen Zahlenkolonnen, geopolitische Spannungsfelder und innenpolitische Aushandlungen eine grosse Rolle. Bundesbern ist ihr Arbeitsort – doch ihr Weg dorthin begann weit entfernt von der grossen Bühne.
Aufgewachsen ist Karin Keller-Sutter im St. Galler Rheintal als Tochter eines Wirtepaares. Geprägt von einem Umfeld, in dem Eigenverantwortung und Leistungsbereitschaft selbstverständlich waren, wählte sie zunächst keinen politischen, sondern einen pädagogischen Weg. Sie wurde Übersetzerin, Lehrerin, später Schulpräsidentin. Als junge, freiheitlich denkende Frau kontrastiert sie mit dem konservativen Umfeld ihrer Herkunft und wird schnell zur Erscheinung, die auffällt. Mit 23 Jahren tritt sie der wirtschaftsliberalen FDP bei. Sie wird, 29-jährig, Gemeinderätin in Wil, danach Kantonsrätin und Regierungsrätin ihres Kantons. 2010 macht ihre Partei Karin Keller-Sutter zur Bundesratskandidatin. Doch ihr Ruf als Hardlinerin, als «Blocher im Jupe», kostet sie die Wahl – ein Mann macht das Rennen.
«Ich war nur dazu da, das Wahlticket der Partei aufzuhübschen», blieb als bittere Erkenntnis zurück. Sie habe einen grossen Gerechtigkeitssinn, der sie in allem antreibt, sagt sie. Es ist nicht die Niederlage, die ihr zusetzt. Es ist die erfahrene Ungerechtigkeit.
Sie wird 2010 Ständerätin und profiliert sich dort als dossierfest, analytisch und verlässlich. Wer mit ihr arbeitet, beschreibt eine Politikerin, die vorbereitet ist, die Argumente wägt und sich nicht von schnellen Schlagzeilen treiben lässt. Sachlichkeit ist für sie eine Haltung, kein Stilmittel.
Karin Keller-Sutter stellt sich nochmals zur Wahl und wird 2019 in den Bundesrat gewählt. Seither trägt sie Verantwortung in Zeiten, die kaum Raum für Routine lassen: internationale Unsicherheiten, wirtschaftliche Turbulenzen, migrations- und finanzpolitische Spannungsfelder, zunehmende Polarisierung. Entscheidungen, die getroffen werden müssen, auch wenn sie nicht allen gefallen, und Verantwortung, die man nicht delegieren kann. Wer ein solches Amt innehat, wird zur Projektionsfläche – für Erwartungen und Vorurteile, für Kritik, für Hoffnungen. Oft von Menschen, denen man nie begegnet ist, deren Lebensrealität aber von politischen Entscheiden berührt werden.
Und doch bleibt hinter dem Amt der Mensch. Eine Frau, die gerne wandert, die Musik schätzt und sich bewusst Auszeiten nimmt. Eine Frau, die seit 36 Jahren verheiratet ist – mit einem Arzt, der zwischendurch selbst die Rolle des Chauffeurs übernahm, um aus Fahrten zwischen Terminen gemeinsame Zeit zu machen. Was macht das öffentliche Amt mit Karin Keller-Sutter? Kann man sich treu bleiben, wenn jedes Wort gewogen wird? Wie geht man damit um, wenn Erwartungen von allen Seiten projiziert werden?
Im Gespräch mit Moderatorin Anita Crain geht es nicht um Schlagzeilen, sondern um die Erfahrungen dahinter. Wie formt Verantwortung einen Menschen? Woher nimmt man Standfestigkeit – was macht man mit Zweifeln? Welche Prägungen aus Kindheit und früher Laufbahn tragen bis heute?
Am 23. April begrüssen wir mit Karin Keller-Sutter im «Volksstimme»- Nachtcafé im Marabu in Gelterkinden eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Schweizer Politik. Wir freuen uns auf einen Abend, an dem sie uns einen Einblick in ihren persönlichen Weg und ihre Erfahrungen gewährt.
Vielleicht verlassen wir den Saal an diesem Abend mit mehr Verständnis für politische Verantwortung – und mit einem differenzierteren Blick auf die Frau hinter den Entscheidungen.
«Volksstimme»-Nachtcafé mit Karin Keller-Sutter, moderiert von Anita Crain,
Donnerstag, 23. April, 20 Uhr,
Marabu, Gelterkinden.

