Ein «Tschoppehöfer» hebt ab
03.11.2026 NiederdorfRolf von Siebenthal stellte sein neues Buch über Jakob Degen vor
Mit seinem neuen Roman hebt der Oberdörfer Autor Rolf von Siebenthal literarisch ab. Darin erzählt er die bewegte Geschichte des Flugpioniers Jakob Degen aus Liedertswil. In Niederdorf stellte er sein neues ...
Rolf von Siebenthal stellte sein neues Buch über Jakob Degen vor
Mit seinem neuen Roman hebt der Oberdörfer Autor Rolf von Siebenthal literarisch ab. Darin erzählt er die bewegte Geschichte des Flugpioniers Jakob Degen aus Liedertswil. In Niederdorf stellte er sein neues Werk erstmals dem Publikum vor.
Lorenz Degen
Gut 100 Personen kamen am Freitagabend in den Niederdörfer Mehrzweckraum, um der Buchvorstellung von Rolf von Siebenthals neuem Roman beizuwohnen. Selten tritt der bekannte Autor aus Oberdorf öffentlich auf, da er Lesungen aus seinen Werken nicht mag. Im Verbund mit einem Erzähler, bei dem er die Rolle eines Vortragenden übernimmt, ist der ehemalige Sekundarlehrer und «BaZ»- Journalist aber in Ausnahmefällen bereit, selbst vor Publikum zu treten.
In seinem Vortrag beleuchtete er die historischen Hintergründe und Zusammenhänge, Hanspeter Gautschin, gemütlich in einem erhöhten Lehnstuhl sitzend, übernahm den Part des Vorlesers von ausgewählten Textpassagen. Organisiert wurde der Anlass vom Industriemuseum Waldenburgertal, das im Anschluss noch seinen Türen öffnete.
Fakten gaben Handlung vor
Von Siebenthal ist bislang vor allem als Krimi-Autor in Erscheinung getreten, nun hat er sich erstmals einem historischen Stoff zugewandt und diesen hervorragend literarisch verarbeitet. Die Hauptfigur seines neuen Romans stammt aus Liedertswil, besser bekannt als «Tschoppenhof»: Der Flugpionier und Erfinder Jakob Degen wurde dort um 1760 geboren. Die Plakette an Degens Geburtshaus regte von Siebenthal zu weitreichenden Recherchen an, um dessen von Höhen und Tiefen geprägten Lebensweg nachzuzeichnen. Jakobs Eltern wanderten nach Wien aus, wo sich bereits eine Reihe von Schweizer Seidenbandwebern niedergelassen hatte. Technisch sehr begabt, konnte er den Beruf des Uhrmachers erlernen und wandte sich später der Fliegerei zu. Mit selbst gebauten Maschinen flog Degen mehrere Stunden lang über Wien, sogar der österreichische Kaiser war unter den Zuschauern. In fortgeschrittenem Alter befasste er sich mit der fälschungssicheren Drucktechnik für Banknoten und erreichte dort grosse Erfolge.
Der Autor betonte, dass er kein Geschichtsbuch, sondern eine biografische Geschichte verfasst habe. Die Fakten stimmen, doch zu manchen Fragen gab es keine gesicherten Antworten, beispielsweise wie genau die Familie nach Wien gelangte oder wie die Lehrlingsprüfung ablief. Von Siebenthal behalf sich mit anderen Quellen, um so ein möglichst authentisches Bild zu schaffen: «Denn ich wollte aus ihm keinen Helden machen und durchaus auch seine Schattenseiten aufzeigen.» Beispielsweise stürzte sich Degen für die Finanzierung seiner Fliegerei in Schulden, unter denen die Familie litt. Auch ist unklar, wieso er seine Frau erst zwei Jahre nach der Geburt des ersten Sohnes heiratete.
Schweizer oder Österreicher?
Dass Jakob Degen heute kaum mehr bekannt ist, führt von Siebenthal auf zwei Umstände zurück. Zum einen sei der Flugpionier schwer zu verorten: «Man fragte sich: Ist er nun Schweizer oder Österreicher?» Kein Land beanspruche ihn ganz für sich, weswegen er zwischen Stuhl und Bank falle. Zum anderen habe man in der Luftfahrtgeschichte die Schlagflügeltechnik lange Zeit als «Irrweg» betrachtet, weshalb Degens Erfindungen nicht als bedeutend eingeschätzt wurden.
Wie von Siebenthal zeigte, ändert sich dieses gegenwärtig. Versuche der Universität Toronto setzen genau auf jene Auftriebstechnik, wie sie Jakob Degen im Jahr 1808 im Wiener Prater vorführte. Ob der Schriftsteller seinen Erfinder-Roman auch mit Auftritten in der Donaumetropole bekannt machen wird, weiss er noch nicht: «Ich bin es mir am Überlegen.»
Rolf von Siebenthal, «Der Erfinder. Jakob Degens Traum vom Fliegen», Limmat Verlag, 432 Seiten.

