Ein Signal an die Politik
12.05.2026 BRIEFELeserbriefe in der «Volksstimme» vom Dienstag, 5. Mai, beschreiben eine SVP-Initiative, die es so nicht gibt. Soweit ich weiss, fordert darin niemand, die «Zusammenarbeit mit der EU und Europa abzubrechen», oder zum Saisonnier-System der Vergangenheit zurückzukehren, ...
Leserbriefe in der «Volksstimme» vom Dienstag, 5. Mai, beschreiben eine SVP-Initiative, die es so nicht gibt. Soweit ich weiss, fordert darin niemand, die «Zusammenarbeit mit der EU und Europa abzubrechen», oder zum Saisonnier-System der Vergangenheit zurückzukehren, usw.
Rhetorisch wird gefragt, welche Gesellschaft sich in der Geschichte schon jemals freiwillig und ohne Not selbst beschränkt habe. Damit wird suggeriert, ein solches Verhalten sei unnötig oder sogar widersinnig.
Vielleicht war die Schweiz hier die Ausnahme: Die Bevölkerung hat beispielsweise in einer Abstimmung längere Ferien abgelehnt und in vielen anderen Fragen immer wieder Mass gehalten. Dieses Verhalten setzt jedoch mündige Bürger und eine funktionierende direkte Demokratie voraus, so wie sie sich bei uns über die Jahre entwickelt hat. Masshalten fällt oft nicht leicht, hat sich allgemein aber offenbar als zielführend erwiesen.
Leider scheint diese Haltung in jüngster Zeit etwas aus der Mode gekommen zu sein. Vor 20 Jahren prognostizierte der Bundesrat, dass die Bevölkerung
durch die Personenfreizügigkeit jährlich um maximal 10 000 Personen wachsen würde – eine durchaus massvolle Grösse. Diese Prognose hat sich jedoch als deutlich zu tief und damit falsch erwiesen: Seither ist die Bevölkerung in der Schweiz Jahr für Jahr um die Grösse einer mittleren bis grösseren Schweizer Stadt gewachsen.
Viele haben von diesem starken Wachstum profitiert und sind mit den negativen Auswirkungen wenig konfrontiert worden. Öffentliche Verwaltungen konnten ausgebaut werden, ausländische Firmen liessen sich nieder, Steuern, Umsätze und Gewinn sind gestiegen, es wurde viel gebaut und mehr eingekauft und konsumiert … es herrschte Hochkonjunktur.
Gleichzeitig stellten jedoch immer mehr Menschen fest, dass ein solch massloses Wachstum auf Dauer nicht gesund ist. Die SVP hat diese fatale Fehlentwicklung erkannt und demokratisch einen Vorschlag zur Korrektur gemacht.
Eine Zustimmung am 14. Juni würde nicht alle Probleme lösen. Sie sollte jedoch ein Signal an die Politik sein, sich von der fatalen Wachstumsideologie zu lösen, den eingeschlagenen Irrweg zu verlassen und die langfristigen Interessen unseres Landes wieder in den Vordergrund zu stellen. Damit die Schweiz auch künftig einzigartig und lebenswert – eben «Schweiz» bleibt. Ein Ja am 14. Juni würde zeigen, dass die Konsequenzen einer unbegrenzten Einwanderung erkannt worden sind und ein Politikwechsel gefordert wird – zu einer Politik mit Augenmass, die gut ist für die Schweiz.
Fred Kohli, Rickenbach
