Ein Sieg mit mehr Ach als Krach
20.01.2026 Sport, EishockeySWHLB: EHC Zunzgen-Sissach – EHC Sursee 3:1 (0:1; 1:0; 2:0)
Die ZS-Ladies schlagen den Tabellenvorletzten Sursee trotz einer schwachen Leistung und bleiben im Rennen um die besten Plätze. Von einer Playoff-Form sind sie allerdings meilenweit entfernt.
Daniel ...
SWHLB: EHC Zunzgen-Sissach – EHC Sursee 3:1 (0:1; 1:0; 2:0)
Die ZS-Ladies schlagen den Tabellenvorletzten Sursee trotz einer schwachen Leistung und bleiben im Rennen um die besten Plätze. Von einer Playoff-Form sind sie allerdings meilenweit entfernt.
Daniel Monnin
Wenn man gewinnt, kann nicht alles schlecht sein. Richtig, aber – und nun kommt das Aber – mit der Leistung beim 3:1-Sieg gegen ein äusserst biederes Sursee am Sonntagabend kann und darf ein Team mit hohen Ansprüchen wie der EHC Zunzgen-Sissach nicht zufrieden sein. Sind die hohen Ansprüche des Noch-Meisters der Swiss Women’s Hockey League B berechtigt? Die Antwort ist im Moment eindeutig: zurzeit nicht.
Die ZS-Ladies tun gut daran, sich in Erinnerung zu rufen, dass der Erfolg in einer Team-Sportart mitunter über eine geschlossene Mannschaftsleistung geht. Und genau da liegt der Haken: Die ZS-Ladies sehen nicht aus wie ein Team, sondern wie eine Zweckgemeinschaft, in der zu viele Spielerinnen – vor allem jene, die als Verstärkungen betrachtet werden und eigentlich den Unterschied ausmachen sollten – zu viele eigene Interessen verfolgen.
Die ZS-Ladies spielten gegen Sursee teilweise wie Sonntagsschülerinnen auf einem vorkirchlichen Spaziergang, wirkten wenig motiviert ob der Pflichtaufgabe, die auf sie wartet. Wo war das Feuer? Der Einsatzwille? Der Kampfgeist? Liegt es an der fehlenden Identifikation? Die Französin Jana Poirrier, vergangene Saison noch einer der Eckpfeiler des Teams (zurzeit 0,58 Punkte/Spiel, vergangene Saison 1,00 Punkt) und ihre Waadtländer Sturmkollegin Laurine Modoux (25/26 0,88 Punkte pro Spiel, 24/25 1,65 Punkte) schienen sich über die ganze Spieldistanz einen Wettbewerb zu liefern, wer denn nun den Puck am längsten am Stock führen kann, ohne etwas Gefährliches zu kreieren. Der frankophonen (Freiburg-)Fraktion fehlt die Bindung zum harten Kern der letztjährigen Mannschaft. Die Ausnahme bildete die 17-jährige Juniorin Manon Jossevel, die in ihrem zehnten Spiel für die ZS-Ladies eine Sturmlinie anführte, mit viel Einsatz und Zusammenspiel gefiel und die Partie mit ihren beiden Treffern zum 2:1 und 3:1 entschied.
Schlechte Chancenauswertung
52 Schüsse musste die 20-jährige Sursee-Torhüterin Enya Widmer bei ihrem siebten Einsatz halten, bei 2 war sie machtlos, den letzten Treffer sah sie von der Bank aus. Demgegenüber hatte ZS-Torhüterin Janina Grunder, die normalerweise im 3.-Liga-Team von Moutier bei den Männern spielt und die kranke Selina Steiner ersetzte, nur gerade 13-mal einzugreifen.
Was uns das sagt? Es gab nur ein Team, das sich den Sieg aufgrund seiner Bemühungen verdient hatte, und das war ZS. Die Zahlen sagen aber auch, dass die Chancenauswertung ungenügend war. Das lag wohl einerseits an der Schussqualität, der Genauigkeit, aber auch vielfach an der Eigensinnigkeit, aus einer Position zu schiessen, aus der ein sauberer Abschluss schwierig ist. Das ist auch der finnischen Verteidigerin Maria Heinonen aufgefallen, die diplomatisch von «kleinen Problemen im Abschluss» sprach, aber festhielt, dass «die drei Punkte ob unserer Dominanz klar verdient sind».
Die ZS-Frauen liegen neu auf Rang 5, 8 Punkte vor dem Play-off-Strich und 4 hinter einem Platz mit Heimspielrecht im Viertelfinal. Fakt ist: Wollen sie in den Play-offs länger mit dabei sein, müssen sie den Schalter umlegen und performen. Vielleicht hilft ein Team-Ausflug ins nahe gelegene Kloster Mariastein mit einer teaminternen Aussprache als Vorspeise und einem versöhnlichen Raclette- oder Fondue-Essen in geweihter Umgebung als Hauptgang.
TELEGRAMM
EHC Zunzgen-Sissach – EHC Sursee 3:1 (0:1; 1:0; 2:0). Eisbahn: Sissach. Zuschauer: 38.
Schiedsrichter: Egli, Kvasnicka. Tore: 13. Lanz (Henggeler) 0:1; 31. Poirrier (Brauen, Modoux) 1:1; 54. Jossevel (Kehl) 2:1; 60. Jossevel (Buser, ins leere Tor) 3:1. Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen ZS, 2-mal 2 Minuten gegen Sursee.
Zunzgen-Sissach: Grunder; Kehl, Na. Buser; Heinonen, Schafer; Kreutzer, Hofstetter; Knezic; Ni. Buser, Hehlen, Müller; Poirrier, Brauen, Modoux; Stahel, Jossevel, Habegger; Kurt.

