Ein Roboter zieht die ersten Linien
04.09.2026 BaselbietDas Tiefbauamt setzt bei der Vormarkierung von Kantonsstrassen auf einen GPS-gesteuerten Helfer
Roboter sind weltweit auf dem Vormarsch. Im Baselbiet übernimmt einer davon eine eher unscheinbare, aber wichtige Aufgabe: Er zeichnet auf frisch geteerten Strassen vor, wo später die ...
Das Tiefbauamt setzt bei der Vormarkierung von Kantonsstrassen auf einen GPS-gesteuerten Helfer
Roboter sind weltweit auf dem Vormarsch. Im Baselbiet übernimmt einer davon eine eher unscheinbare, aber wichtige Aufgabe: Er zeichnet auf frisch geteerten Strassen vor, wo später die definitiven weissen Markierungen angebracht werden.
David Thommen
Der orangefarbene Markierungsroboter gehört dem kantonalen Tiefbauamt. Wie dieses in der jüngsten Ausgabe der «Bau- und Umweltzeitung» berichtet, suchte es nach einer technischen Lösung, weil sich Vormarkierungsarbeiten wegen des dichten Verkehrs zunehmend auf Wochenenden verlagern und mit der herkömmlichen Methode relativ viel Personal gebunden wird.
Bisher braucht es dafür mehrere Schritte: Zuerst wird die Strasse eingemessen, danach ein Seil als Orientierung gespannt und schliesslich die Vormarkierung von Hand entlang dieses Seils aufgetragen. Der Roboter soll diesen Ablauf vereinfachen. Die benötigten Daten werden digital eingelesen, anschliessend fährt das Gerät die vorgesehenen Linien ab und setzt mit montierten Spraydosen die Markierungen auf den Belag.
Drei Personen werden zu einer
Besonders ins Gewicht fällt für das Tiefbauamt die Personalersparnis. Gerade nachts oder an Wochenenden könne der Aufwand für die Vormarkierung von drei Personen auf eine Person reduziert werden, heisst es bei der Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) auf Nachfrage. Gleichzeitig werde der Einsatz flexibler.
Eine Hochgeschwindigkeitsmaschine ist der kleine Roboter allerdings nicht. Je nach Qualität der Verbindung fährt er mit 0,1 bis 2 Kilometern pro Stunde. Je stabiler das Signal, desto höher könne die Geschwindigkeit gewählt werden, erklärt die BUD. Entscheidend ist das deshalb, weil das Gerät GPS-gesteuert arbeitet. In Ortszentren oder teilweise in Waldgebieten kann die Verbindung Schwierigkeiten bereiten. Das Tiefbauamt arbeite bereits an Lösungen dafür.
Die Entwicklung für den Baselbieter Einsatz begann vor rund drei Jahren. Das Tiefbauamt stiess damals auf einen geeigneten Roboter und nahm Kontakt mit dem Hersteller auf. Gemeinsam wurde das Gerät weiterentwickelt; im Sommer 2024 stand es für erste Tests zur Verfügung. Bereits nach zwei bis drei Praxiseinsätzen sei klar geworden, dass die Technik für den Kanton sinnvoll eingesetzt werden könne. Eine Voraussetzung sind allerdings korrekt aufbereitete Daten der beteiligten Ingenieurbüros.
Systematisch im Einsatz
Inzwischen setzt der Kanton den Roboter nach eigenen Angaben überall dort ein, wo auf einer Kantonsstrasse ein neuer Belag eingebaut wurde. Weitere Geräte sind nicht vorgesehen: Ein Roboter reiche für den Bedarf des Kantons aus, und eine Vermietung an Gemeinden ist nicht geplant. Wie viele Kilometer jährlich damit bearbeitet werden, lasse sich nicht pauschal sagen; dies hänge davon ab, wie viel gebaut werde und welche Bereiche betroffen seien.
Gekostet hat das in den Niederlanden entwickelte und hergestellte Gerät laut BUD einen «tiefen vierstelligen Betrag». Das Baselbiet nimmt mit dem systematischen Einsatz eine Pionierstellung ein: Kein anderer Kanton in der Schweiz verfüge derzeit über einen solchen Roboter und setze ihn regelmässig ein. Dokumentiert seien jedoch einzelne Einsätze von Vormarkierungsrobotern in den Städten Zürich und Bern.
Ganz ohne Menschen und konventionelle Maschinen werden die weissen Linien vorerst dennoch nicht auf die Strasse kommen. Der Roboter übernimmt lediglich die Vormarkierung. Die definitive Markierung wird weiterhin mit Kaltplastik aufgebracht, einem Zwei-Komponenten-Material, das direkt auf der Markiermaschine angemischt wird. Dass auch dieser Arbeitsschritt bald von GPS-gesteuerten Robotern erledigt wird, erwartet das Tiefbauamt nicht: Die entsprechenden Maschinen seien meist individuell entwickelt oder gebaut, weshalb in absehbarer Zeit kaum geeignete Modelle mit präziser digitaler Steuerung verfügbar sein dürften.

