Ein Netz für zwei Räder
03.11.2026 BaselbietKantonales Konzept soll Mountainbike-Zukunft gestalten
Mit dem Projekt «Bike Baselland 2030» wollen Baselland Tourismus und weitere Beteiligte attraktive Routen schaffen und gleichzeitig Interessen der verschiedenen Waldnutzenden berücksichtigen. Wo die Routen künftig ...
Kantonales Konzept soll Mountainbike-Zukunft gestalten
Mit dem Projekt «Bike Baselland 2030» wollen Baselland Tourismus und weitere Beteiligte attraktive Routen schaffen und gleichzeitig Interessen der verschiedenen Waldnutzenden berücksichtigen. Wo die Routen künftig verlaufen sollen, ist noch offen.
Pascal Kamber
Wer wandert, kennt sie bestens: die gelben Wegweiser. In der ganzen Schweiz weisen sie Wanderinnen und Wanderern den Weg. Ein ähnlich gut erschlossenes Wegnetz soll im Baselbiet künftig auch für Mountainbikerinnen und Mountainbiker entstehen. Dafür haben der Verein Trailnet Nordwestschweiz und Baselland Tourismus gemeinsam mit kantonalen Stellen das Projekt «Bike Baselland 2030» ins Leben gerufen. Bis Ende 2028 sollen die Grundlagen für ein kantonales Mountainbike-Konzept und der Entwurf einer Netzplanung im Oberbaselbiet erarbeitet werden. «Idealerweise gäbe es dann ein offizielles und attraktives Wegnetz, das wir heute so nicht haben», sagt Michael Kumli, Geschäftsführer von Baselland Tourismus.
Dabei gehe es nicht darum, möglichst viele neue Trails in den Baselbieter Wäldern anzulegen. Vielmehr soll ein attraktives und zusammenhängendes Angebot entstehen, das auch jene Mountainbikerinnen und Mountainbiker anspricht, die zwischendurch gerne einen schmalen Pfad abseits der breiten Waldwege befahren möchten. «Da wollen wir mithelfen und die Stossrichtung lenken, damit am Ende des Tages kein Wildwuchs entsteht», sagt Kumli. Hinzu kommt ein gesetzlicher Auftrag: Mit dem seit dem Jahr 2023 geltenden Veloweggesetz sind die Kantone verpflichtet, ihre Velowegnetze für Alltag und Freizeit, einschliesslich Mountainbiken, bis Ende 2027 in behördenverbindlichen Plänen festzuhalten.
Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt auch die Entwicklung der Sportart. Der Anteil der Mountainbikenden an der Schweizer Bevölkerung stieg zwischen 2014 und 2020 von 6,3 auf rund 8 Prozent. In diesem Jahr wurde der Wert von 2020 bestätigt. Gemäss der «Sportstudie Schweiz 2026» liegt Mountainbiken bei der Ausübung wie schon 2020 vor Fussball.
Standorte noch nicht festgelegt
Im Rahmen des Projekts soll auch eine erste Pilotroute geprüft und entwickelt werden. Wo diese dereinst verlaufen könnte, ist allerdings noch offen. «Wir nehmen uns die Zeit, um das mit den verschiedenen Anspruchsgruppen anzuschauen», sagt Michael Kumli.
Auch für das Oberbaselbiet lässt sich aktuell noch nicht sagen, wo Mountainbikerinnen und Mountainbiker künftig auf einem offiziellen Wegnetz durch die Wälder fahren können. Zunächst sollen die bestehenden Grundlagen, Rahmenbedingungen und Bedürfnisse systematisch analysiert werden. Dabei fliessen Erkenntnisse aus früheren Workshops und Arbeiten mit verschiedenen Akteuren ein. Zudem greifen die Projektverantwortlichen auf die neue Vollzugshilfe des Bundesamts für Strassen und von «SchweizMobil» zur Gestaltung von Mountainbike-Wegnetzen zurück. «Wir möchten das ganzheitlich anschauen und eine Auslegeordnung machen. Danach gehen wir Schritt für Schritt vorwärts», sagt Kumli.
Er sieht in «Bike Baselland 2030» eine grosse Chance, die Entwicklung des Mountainbikens im Baselbiet gezielt anzugehen. Eine der grössten Herausforderungen dürfte darin bestehen, die verschiedenen Interessen im Wald miteinander zu vereinbaren. Denn die Wege werden bereits heute von unterschiedlichen Gruppen genutzt. Neben Mountainbikenden und Wandernden haben die Waldeigentümer, Jäger und Naturschutzorganisationen und Gemeinden ihre Anliegen. Sie alle sollen von Anfang an miteinbezogen werden, sagt Kumli. «Es ist eine wichtige Aufgabe, dieses Projekt gemeinsam anzupacken.» Dass es dabei auch Meinungsverschiedenheiten geben werde, sei ihm bewusst. «Dann erarbeiten wir Lösungen.»
Von einer Chance sprechen auch die Verantwortlichen des Vereins Wanderwege beider Basel. Dieser setzt sich seit der Gründung 1938 für ein gut signalisiertes und attraktives Wanderwegnetz in der Region ein und zählt rund 2400 Mitglieder. «Als grösste Nutzergruppe des Freizeitwegnetzes sehen wir uns in der Pflicht, die Interessen der Wandernden zu vertreten. Wir möchten uns jedoch konstruktiv für Lösungen einbringen, die für alle Interessengruppen akzeptabel sind», sagt Vorstandsmitglied Bruno Stähli auf Anfrage der «Volksstimme». So könnten mögliche Konflikte am effektivsten auf ein Minimum reduziert werden.
Schon länger in die Diskussion rund um die Mountainbike-Entwicklung im Kanton miteinbezogen wird Jagd Baselland, die Dachorganisation der Baselbieter Jägerinnen und Jäger. Präsident Martin Thommen zeigt Verständnis dafür, dass verschiedenste Gruppen den Wald für sich beanspruchen: «Wichtig für uns ist, dass die Bewegungen kanalisiert und möglichst öffentliche Waldwege für die Mountainbike-Strecken ausgewählt werden. Die Nacht gehört dem Wild, deshalb setzen wir uns klar für ein Nachtfahr-Verbot ein.» Solange die Routen den vorhandenen Waldwegen folgen, habe er jedoch wenig Bedenken. «Damit können unsere Wildtiere gut umgehen.»
Um die unterschiedlichen Bedürfnisse besser zu verstehen, werden derzeit an ausgewählten Standorten die Nutzungsfrequenzen von Fussgängerinnen und Fussgängern sowie Bikerinnen und Bikern erhoben. Eine Bevölkerungsumfrage soll zudem Aufschluss darüber geben, wie Mountainbikende und andere Waldnutzende unterwegs sind und welche Bedürfnisse sie haben.
Auch Tourismus soll profitieren
Laut Kumli biete das Projekt auch die Chance, das touristische Angebot im Baselbiet weiterzuentwickeln. Die Voraussetzungen dafür seien gut: «Die Topografie eignet sich hervorragend zum Mountainbiken, viele Strecken sind beinahe ganzjährig befahrbar», sagt Kumli. Hinzu komme die Kombination mit kulturellen und gastronomischen Angeboten in der Region. Allerdings fehle es bislang an einem offiziellen Mountainbike-Netz. Das hätten auch Gäste bemängelt, die sich trotz der landschaftlichen Vorzüge eine bessere Orientierung wünschten.
Die Kosten für «Bike Baselland 2030» belaufen sich auf 297 500 Franken. Unterstützt wird das Projekt von Bund und Kanton im Rahmen des Wirtschaftsförderprogramms «Neue Regionalpolitik». Projektträger ist der Verein Trailnet Nordwestschweiz. Beteiligt sind zudem Baselland Tourismus, das Amt für Raumplanung des Kantons Baselland sowie das Amt für Wald und Wild beider Basel.

