Ein Künstler, der seinen Weg ging
27.03.2026 BaselbietEmil Dill – Maler und Zeichenlehrer zwischen Akademie und Landschaft
Der aus Liestal stammende Maler Emil Dill (1861–1938) suchte die Kunst an Europas Ausbildungsstätten. Seine reifsten Bilder fand er später in der Landschaft rund um Zug – ruhig, lichtvoll und ...
Emil Dill – Maler und Zeichenlehrer zwischen Akademie und Landschaft
Der aus Liestal stammende Maler Emil Dill (1861–1938) suchte die Kunst an Europas Ausbildungsstätten. Seine reifsten Bilder fand er später in der Landschaft rund um Zug – ruhig, lichtvoll und ohne laute Geste.
Hanspeter Gautschin
Emil Dill wurde am 15. April 1861 in Liestal geboren. Sein Elternhaus war bürgerlich, der Vater führte eine gut gehende Geschäftsagentur, für den Sohn lag eine «anständige» Laufbahn nahe. Doch Dill zog es früh zum Zeichnen.
Nach der Bezirksschule in Liestal besuchte er die Oberrealschule in Basel. Dort wurden die Zeichenstunden zum Schwerpunkt, und Dill kam in Kontakt mit der damals angesehenen Zeichenausbildung am Steinenberg. Zuerst interessierte ihn das Kunstgewerbe. Bald fiel die Entscheidung für den Weg des freien Künstlers.
Im Jahr 1881 ging Emil Dill nach Stuttgart an die königliche Akademie, wechselte 1883 nach Karlsruhe und suchte kurz darauf den nächsten Horizont: Paris. In der französischen Metropole arbeitete er im Atelier von Professor Bouguereau, in einem Umfeld, das noch stark von akademischer Disziplin geprägt war. Gleichzeitig lernte er eine Malerei kennen, die ihm den Blick öffnete: Licht, Luft und unmittelbarer Eindruck, wie sie die französische Moderne in die Bilder brachte.
Nach einigen Jahren zog es Dill weiter nach München. 1886 setzte er dort seine Ausbildung an der Akademie fort. In dieser Zeit reifte auch ein zweites Standbein: das Unterrichten. 1892/93 erwarb er an der Technischen Hochschule in München das Diplom als Zeichenlehrer – eine Qualifikation, die ihm später eine feste Stellung ermöglichen sollte.
Emil Dill blieb dennoch nicht im reinen Atelierbetrieb stecken. Gemeinsam mit dem Freund Albert Fierz schuf er Wandmalereien im Rathaus von Radolfzell: Historienbilder, die zeigen, dass er auch grossformatig und erzählerisch arbeiten konnte. Es ist eine Seite seines Schaffens, die heute kaum mehr präsent ist, aber viel über seine handwerkliche Sicherheit verrät.
Gefühl für Farbe und Stimmung
Der entscheidende Schritt erfolgte 1895: Der Baselbieter wurde als Zeichenlehrer an die Zuger Kantonsschule gewählt. Damit fand sein Leben einen festen Ort – und seine Malerei einen neuen Schwerpunkt. Zug und die Umgebung wurden zur Landschaft, in der er heimisch wurde. Wer die reifen Arbeiten des Kunstschaffenden betrachtet, spürt das: keine Effekthascherei, keine Dramatik um der Dramatik willen. Dill sucht Harmonie, eine ruhige Ordnung im Bild, getragen von Licht und sorgfältig abgestuften Tönen.
Dill selbst hielt drei Werke für besonders wichtig: ein «Selbstbildnis», das in Basel viel Anerkennung fand, das fein komponierte «Mädchen am Fenster» und als reifstes Landschaftsbild den «Blick auf die Baarer Ebene». Gerade dieses Motiv steht exemplarisch für ihn: ein Sommertag voller Helligkeit, Duft und Weite, ohne Pathos, dafür mit sicherem Gefühl für Farbe und Stimmung. Er war an Ausstellungen vertreten, auch in Luzern wurden seine Werke wiederholt gezeigt. Als Lehrer galt er als anregend und verbindlich, als Künstler als einer, der seinen Weg unbeirrt ging. In späteren Jahren kehrte er nach Liestal zurück. Dort starb Emil Dill am 23. Mai 1938. Innerlich blieb er der Zuger Landschaft verbunden – ein Baselbieter, der sein malerisches Zuhause am Zugersee fand.
Künstler, Dichter, Macher und Visionäre
vs. In unserer Serie stellt Hanspeter Gautschin Menschen aus dem Oberbaselbiet vor, die einst prägend wirkten, heute aber fast vergessen sind. Es sind Künstlerinnen, Dichter, engagierte Macherinnen, stille Visionäre – ebenso wie Unternehmer, Tüftler und Gestalter der Industriewelt, die mit Innovationsgeist und Tatkraft die Entwicklung unserer Region vorantrieben. Persönlichkeiten, die das kulturelle, soziale, geistige, sportliche oder wirtschaftliche Leben des Oberbaselbiets nachhaltig geprägt haben. Mit erzählerischem Gespür und einem feinen Blick für das Wesentliche lässt Gautschin diese Lebensgeschichten wieder aufleuchten – als Erinnerung, Inspiration und als Beitrag zur regionalen Identität.
Hanspeter Gautschin (1956) lebt in Oberdorf und blickt auf eine facettenreiche Laufbahn im Kulturbereich zurück. Als ehemaliger Impresario, Kulturförderer und Museumsleiter erzählt er mit Vorliebe Geschichten über Menschen, Kultur und das Leben im Alltag.

