Ein Höllen-Septett von Unentwegten
24.02.2026 Fasnacht, SissachDie unheimliche Kreatur «Hutzgüri» und ihre Begleittruppe suchten am Abend nach Aschermittwoch Sissach heim. Neun ausgewählte Haushalte waren gut beraten, genügend Essen und Getränke bereitzustellen, um nicht in Teufelsküche zu geraten.
...Die unheimliche Kreatur «Hutzgüri» und ihre Begleittruppe suchten am Abend nach Aschermittwoch Sissach heim. Neun ausgewählte Haushalte waren gut beraten, genügend Essen und Getränke bereitzustellen, um nicht in Teufelsküche zu geraten.
Schiebedächli
Ein lautes Heulen durchbrach am Donnerstagabend die Dunkelheit von Sissach. Aufgeschreckt von der wilden Horde suchten manche das Weite oder blieben vorsichtshalber in ihren Wohnungen. Jedes Jahr wird das Dorf vom Hutzgüri und seiner Clique heimgesucht: vom Schärmuuser, dem Veehdokter, dem Bott und den drei Äierwyybli – begleitet von vier Tambouren.
An diesem Hornigabend verlässt das Hutzgüri seine Höhle in der Teufelsküche, einem kleinen Tal oberhalb von Sissach. Von Hunger und Durst getrieben besucht es neun Haushalte, die zuvor in der «Volksstimme» von ihrem speziellen «Glück» erfahren hatten. Zurück bleibt dabei meist ein ordentliches Durcheinander. Beruhigen lässt sich die Gruppe nur, wenn genügend Essen und Getränke bereitstehen.
Um Ärger zu vermeiden, hatte Jeannette Weisskopf, Leiterin der schulergänzenden Tagesstruktur in der Primarschule Dorf, gut vorgesorgt. Ebenso Barbara Koch mit Verbindungen zu Radio Raurach sowie Martin Koch am Bergweg. Als Moderatorin der ersten Stunde wusste Barbara Koch, worauf es ankommt, und stellte ein reichhaltiges Buffet bereit – eine kluge Entscheidung.
Denn an diesem Abend ertönte mehr als einmal die Drohung: «Wenn der ys aber nüt wäit geh, so wäi mer öich Chue und Chälber neh. Mer wäi ech s Huus apdecke und emänd no d Chatze strecke. Hutzgüri – schüttle di!» Dabei sprang das Hutzgüri wild umher und schüttelte sich lautstark, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Eine unruhige Zeit
Viel geschlafen hatte das Hutzgüri dieses Jahr nicht. Es wirkte müde. Immer wieder war es in seiner Höhle durch die Feierlichkeiten zum 800-Jahre-Jubiläum von Sissach geweckt worden. Das Äierwyybli versuchte, es wieder in den Schlaf zu singen. Als das nicht gelang, halfen eine Flasche Rotwein sowie Reste aus der Vorratskammer. Sogar der Veehdokter musste gelegentlich mit einer Spritze nachhelfen, damit das Hutzgüri wieder einschlief.
Entsprechend gereizt war seine Stimmung am ersten Abend nach Aschermittwoch. Das bekam auch Fasnachtsmitorganisator Andreas Riesen zu spüren. Zum Glück gelang es ihm, die Gruppe mit einem reich gedeckten Tisch zu beruhigen und satt zu machen. Denn allen war klar: Wer nichts bietet, muss mit unangenehmen Folgen rechnen.
Auch HPS-Lehrerin Lea Simeon wollte kein Risiko eingehen. Genügend Alkohol stand bereit, sodass sich das gehörnte Wesen schnell beruhigte. Der Schärmuuser hatte dennoch Mühe, das Hutzgüri während des Streifzugs durch Sissach am Seil im Zaum zu halten.
Auch beim Besuch beim Architekten Angelo Tomaselli floss reichlich Alkohol. Entsprechend unsicher wurde allmählich die Gangart der Clique. Musiker Stefan Müller traf mit seiner Gitarre den richtigen Ton, während Sportler Thomas Mohler nicht anwesend war.
Thomas Kunz liess sich nicht in die Karten blicken. Sein Angebot an Essen wurde jedoch gerne angenommen. Mit gut gefüllten Hutten machte die Truppe schliesslich noch Halt beim Barkeeper des Jahres 2005, Luki Abt, in der Kirchgasse. Ehe noch mehr fürchterliches Ungemach sowie Landund Flurschaden angerichtet werden konnte, verschwanden das Hutzgüri und sein Clan von Unentwegten wie sie gekommen waren. Nun konnte die Sissacher Bevölkerung endlich aufatmen.
Jedoch nur bis zum nächsten Jahr, wenn Hunger und Durst das Hutzgüri mit Sicherheit wieder ins Dorf treiben werden.


