Ein Herz für die Bühne
15.01.2026 SissachVolles Haus für das Seniorentheater
Das diesjährige Stück der Seniorentheatergruppe Sissach heisst «Dr Chuehfladeprinz». Das Publikum vom Dienstagabend im bis auf die hinterste Ecke besetzten Jakobshof hatte seine helle Freude daran. Ob die Tradition ...
Volles Haus für das Seniorentheater
Das diesjährige Stück der Seniorentheatergruppe Sissach heisst «Dr Chuehfladeprinz». Das Publikum vom Dienstagabend im bis auf die hinterste Ecke besetzten Jakobshof hatte seine helle Freude daran. Ob die Tradition weiterbestehen wird, ist unklar.
Brigitte Keller
20 Minuten vor Beginn sind fast alle Plätze besetzt im Jakobshof. Das Seniorentheater kann auf ein treues Publikum zählen. Der jährliche Auftritt im Januar hat seinen festen Platz in dessen Agenda. Ein paar Zuschauer sind möglicherweise auch gekommen, weil es vielleicht die Dernière gewesen sein könnte, denn der Fortbestand der langjährigen Tradition ist ungewiss, da das Seniorentheater mit Personalmangel kämpft (die «Volksstimme» berichtete).
Doch zuerst gehört die Bühne Bauer Lunzi (Hansjörg Köchli) vom Lärchenhof und seiner treuen Magd Käthi (Esther Voggenhuber). Sie sei die beste Magd, die er je gehabt hätte, lobt er sie. Die anderen Mägde, die er vorher gehabt habe, hätten keinen Strich mehr gemacht, als sie hätten müssen. «Ich würd jedes Strichli für di mache», gibt sie zurück, denn er sei ein toller Chef.
Doch schon bald wird die Idylle gestört durch eine rätselhafte Besucherin (Beatrice Jaggy), die von der Schweizer Botschaft geschickt wurde. Es wird vermutet, dass Bauer Lunzi Huber ein unehelicher Sohn des englischen Königshauses und damit der Nächste in der dortigen Thronfolge sein könnte. Sie ist gekommen, um diesen Sachverhalt zu prüfen und den vermeintlichen Prinzen ins Königshaus nach London zu bringen.
Bauer Lunzi fängt bereits an zu träumen, wie er mit seinen Gummistiefeln durchs Schloss stolziert, und macht sich gleichzeitig Gedanken, wie er seine Kühe nach London bringen könnte. Aber das Ganze sollte wenn möglich «top secret», also geheim, bleiben. Doch Gerüchte sprechen sich bekanntlich rasch herum. Schon schnüffelt Reporterin Hagendorn (Marianne Stampfli) von der Zeitschrift «Royals heute» in der Stube auf dem Lärchenhof herum. Die unvermeidlichen Verwechslungen, wie in jeder guten Komödie, nehmen spätestens ab hier ihren urkomischen Lauf.
Die Hauptprotagonisten sind dabei Lunzi, der vermeintlich Blaublütige, und sein Muni Hugo, dem nach seinem langjährigen produktiven Einsatz der letzte Gang bevorsteht. Eine Nachbarin (Franziska Wehrli), die dem einen oder anderen Gläschen Kräuterschnaps nicht abgeneigt scheint, und ein ortsunkundiger Metzger (Christian Jaggy) tragen das ihrige zum Tohuwabohu bei.
Doch kein König
Als sich nach dem rasanten Showdown die vielen Missverständnisse langsam aber sicher aufklären und auch der dringend benötigte Pass von Bauer Lunzi wieder auftaucht, sieht Magd Käthi nur noch eine Möglichkeit, ihren Chef dort zu behalten, wo er wohl am besten aufgehoben ist: Sie macht wieder einmal «es Strichli meh».
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. In etwa so könnte das Ende auf der Bühne lauten. Das Publikum amüsierte sich köstlich während des einstündigen Schwanks. Ein grosser Applaus war dem Ensemble und seinem Regisseur Christian Gass sicher.
Bevor die Stühle zur Seite geräumt und Platz für das anschliessend offerierte Apéro-Buffet geschaffen wurde, trat Hanny Kym nochmals auf die Bühne. Nach 23 Jahren war dies ihre letzte Saison mit dem Seniorentheater. Sie dankte allen Beteiligten und dem treuen Publikum. Dann richtete sie nochmals den eindringlichen Appell an die Anwesenden, dass neue Leute gesucht sind, damit das Seniorentheater weiterbesteht. Ganz im Sinne von «… dann leben sie noch heute».

