Ein Gladiator geht hinter dem Schild
06.10.2026 BaselbietEin Wochenende im Zeichen der Römer
In Augusta Raurica wird das alte Rom lebendig. An drei Wochenenden im Oktober können Interessierte in die Welt der Antike eintauchen. Beim Auftakt der Reihe standen Handwerk, Mitmachangebote und der Kaiser und sein Hofstaat im Zentrum.
...Ein Wochenende im Zeichen der Römer
In Augusta Raurica wird das alte Rom lebendig. An drei Wochenenden im Oktober können Interessierte in die Welt der Antike eintauchen. Beim Auftakt der Reihe standen Handwerk, Mitmachangebote und der Kaiser und sein Hofstaat im Zentrum.
Wendy Maltet
Wer am Samstag durch Augusta Raurica spazierte, begegnete Römerinnen und Römern, hörte Musik und sah Kinder mit Holzschwertern durch die Anlage marschieren. An verschiedenen Stationen konnten Gross und Klein selbst aktiv werden. Es wurde Ton modelliert, Schmuck aus Bernstein hergestellt, Münzen wurden geprägt und römische Kleidung konnte anprobiert werden. Auch römische Spiele und ein Streitwagenrennen für Familien gehörten zum Programm. Für das leibliche Wohl sorgte unter anderem «Luci» mit römischen Speisen.
An drei Wochenenden im Oktober finden in Augusta Raurica die Römer-Weekends statt. Das Programm mit historischen Darstellenden, Vorführungen und Mitmachaktionen wurde als Ersatz für das im August abgesagte Römerfest organisiert.
Am ersten Wochenende war auch der Kaiser höchstpersönlich in Augusta Raurica zu Gast. Bei einer Weihezeremonie mit seinem Hofstaat konnten die Besucherinnen und Besucher erleben, wie eine solche Zeremonie in der römischen Welt ausgesehen haben könnte. Auch am Sonntag standen die Zeremonien sowie zahlreiche Mitmachangebote auf dem Programm. Der Eintritt zu den Römer-Weekends ist kostenlos.
«Oben, eins, zwei, drei, mutate!»
Besonders viel Einsatz war bei der Gladiatorenschule für Kinder gefragt. Mit Tunika, Schild und Holzschwert ausgerüstet, lernten die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunächst die Grundposition. Erst als alle sicher und stabil standen, ging es mit den bewegteren Übungen weiter.
Dabei wurde nicht nur der Körper gefordert, auch Mitdenken war gefragt. «Wie geht ein Gladiator?», fragte der Instruktor. «Seitwärts!?», lautete eine Antwort. «Hinter dem Schild!» Die Kinder setzten sich in Bewegung. Ein Fuss wurde seitlich gesetzt, der andere nachgezogen. «Eins, zwei, drei», zählte der Instruktor, während die Gruppe im Takt vorwärtsmarschierte, bis die Absperrung des Trainingsraums vor ihnen stand.
«Mutate», lautete der nächste Befehl. Die Kinder mussten ihre Position verändern und sich neu ausrichten. Danach wurden verschiedene Schläge geübt: oben, Mitte, unten. «Wohin zielt der Schlag oben?», fragte der Instruktor. «Auf den Kopf?» Das ergab wenig Sinn, schliesslich trugen die Gegner Helme. Den Rücken sollte man damit treffen.
Noch waren die Bewegungen nicht schnell genug. Der Instruktor forderte die jungen Gladiatoren auf, die Schläge zügiger auszuführen. Nach und nach kam Bewegung in die Gruppe. «Oben, eins, zwei, drei, mutate!» Die Anweisungen wurden wiederholt, die Kinder führten sie eifrig aus.
Bis zum Ende des Workshops lernten sie verschiedene Schlagvarianten, abhängig von der Haltung des Schildes des Gegners. Danach kehrten sie ausgepowert zu ihren Begleitpersonen zurück. Viele von ihnen hatten den Workshop gespannt vom Rand aus mitverfolgt.
Beliebte Stationen und Angebote
Auch bei der «De-Gustatio, römische Schauküche» gab es viel zu entdecken. Besucherinnen und Besucher konnten verschiedene römische Spezialitäten degustieren und erfuhren dabei mehr über die Essgewohnheiten der damaligen Zeit. Fischsauce spielte in der römischen Küche beispielsweise eine wichtige Rolle. Die Küche war damit weniger italienisch geprägt, als man vielleicht vermuten würde. Bereits damals bestanden Handelsbeziehungen bis nach Indien.
«Wir kochen alles möglichst genau so nach, wie es bereits die Römer gemacht haben», erzählt Anita Brumann Cullen, Mitgründerin des Vereins. Besonders überrascht seien die Besucherinnen und Besucher von den Kombinationen aus süss, würzig und sauer.
Auch die häufige Verwendung von Fischsauce sorgt für Staunen. «Die Fischsauce ersetzt in vielen Gerichten das Salz. Dazu muss sie jedoch deutlich salziger sein als die herkömmliche Fischsauce aus den Lebensmittelgeschäften.»
Die verschiedenen Angebote stiessen insgesamt auf grosses Interesse. Bei den handwerklichen Stationen bildeten sich teilweise Schlangen. Die selbst hergestellten Schätze wurden anschliessend stolz über die Anlage getragen.
Am nächsten Römer-Weekend vom 10. und 11. Oktober lädt erneut ein abwechslungsreiches Angebot für Gross und Klein in die Welt der Römer ein.
Das letzte Römer-Weekend wird vom 16. bis 17. Oktober stattfinden: An diesem Wochenende steigt ein Gladiatorenkampf, den man nicht verpassen sollte.

