Ein Geben und Nehmen
08.04.2026 NiederdorfWege aus der Einsamkeit im Alter
Eine Veranstaltung in Niederdorf zeigte Möglichkeiten auf, wie Seniorinnen und Senioren Einsamkeit im Alter vorbeugen oder daraus herausfinden können.
Brigitte Keller
Den ersten Schritt aus einer möglichen ...
Wege aus der Einsamkeit im Alter
Eine Veranstaltung in Niederdorf zeigte Möglichkeiten auf, wie Seniorinnen und Senioren Einsamkeit im Alter vorbeugen oder daraus herausfinden können.
Brigitte Keller
Den ersten Schritt aus einer möglichen Einsamkeit – und damit meist auch den schwierigsten – hatten die Teilnehmenden mit ihrem Besuch der Veranstaltung «Einsamkeit im Alter – Wege aus der Einsamkeit» im Gritt Seniorenzentrum, bereits getan: aktiv werden, rausgehen und Angebote nutzen. Der Anlass vom Mittwoch mit einem Kurztheater und einer Austauschrunde, umrahmt von Informationsständen und Apéro, stiess auf grosses Interesse. Zusätzliche Stühle mussten herbeigeholt werden.
Das grosse Interesse freute auch Andrea Heger, Gemeindepräsidentin von Hölstein. Sie hiess die Anwesenden herzlich willkommen zur ersten Veranstaltung im Namen des organisierenden Zweckverbands «Versorgungsregion Waldenburgertal plus». «Die soziale und emotionale Einsamkeit ist ein schmerzhaftes subjektives Gefühl, das entsteht, wenn zwischenmenschliche Bedürfnisse nicht dem entsprechen, wie man sie gerne erfüllt hätte», sagte Heger. Dieser Nachmittag biete Raum, sich zu einem Thema auszutauschen, worüber man im täglichen Leben nicht so gerne spreche.
Als Nächstes betraten vier Darstellende die Bühne. Sie schlüpften in die Rollen von vier Seniorinnen und Senioren, die alle auf die eine oder andere Weise Gefühle der Einsamkeit erleben. Da ist Madlène, die ehemalige Coiffeuse. Sie sagt, sie sei schüchtern und traue sich nicht, auf Leute zuzugehen. Oder Jürgen, der für sich allein nicht gerne kocht, sondern immer nur Wurst und Brot vor dem Fernseher isst und dazu Alkohol trinkt. Oder Greta, die nach der Pensionierung mit ihrer Schwester viel gewandert und gereist ist. Nach deren plötzlichem Tod merkt sie: «Jetzt bin ich ganz allein.»
Die vierte Person in der Runde, Marcel, präsentierte seinen Mitspielerinnen und Mitspielern – und damit auch dem Publikum – ein Banner mit der Bedürfnispyramide nach dem Verhaltensforscher Abraham Maslow. Die sozialen Bedürfnisse, die Thema des Anlasses waren, gehören zusammen mit den Grund- und Sicherheitsbedürfnissen zu den sogenannten Defizitbedürfnissen. Erst wenn diese erfüllt seien, könne sich der Mensch weitere individuelle Bedürfnisse erfüllen und Selbstverwirklichung erleben.
«Das mit der Einsamkeit ist keine Einbahnstrasse», rief Darsteller Marcel mit lauter Stimme dem Publikum in Erinnerung. Man könne passiv geniessen, wenn sich jemand um einen kümmert, «man kann aber auch etwas aktiv dazu beitragen, dass andere nicht so einsam sind. Es ist ein Geben und Nehmen und beides tut uns Menschen gut.»
Mit gutem Beispiel vorangehen
Die vier Seniorinnen und Senioren auf der Bühne geben selber ein gutes Beispiel dafür ab, dass man auch im höheren Alter noch Neues lernen kann und zum Beispiel als Darsteller eines Theaterstücks auf Tournee gehen kann. Sie gehören zum Ensemble des Theaters Obertor Winterthur unter der Leitung von Marius Leutenegger. Dieser zeigte im Anschluss an das Stück mit vielen Beispielen Wege auf, wie Einsamkeit vorgebeugt werden kann. «Betreiben Sie rechtzeitig Einsamkeitsvorsorge», appellierte er an die Anwesenden.
Das Theaterstück und die Ausführungen von Marius Leutenegger, ergänzt mit Inputs aus dem Publikum, boten viele Impulse und hilfreiche Tipps. Dazu gehört auch die Anregung, sich in der Freiwilligenarbeit zu engagieren. Als Anlaufstelle wurde beispielsweise der Seniorenverein Waldenburgertal und dessen Helfer-Börse «Senioren für Senioren» genannt. Ebenfalls anwesend war eine Vertreterin des Seniorentheaters Sissach, wo aktive Seniorinnen und Senioren ebenfalls herzlich willkommen sind.
Dem Zweckverband «Versorgungsregion Waldenburgertal plus», der die Veranstaltung im «Gritt» organisierte, gehören die Gemeinden Arboldswil, Bennwil, Bretzwil, Hölstein, Lampenberg, Langenbruck, Lauwil, Liedertswil, Niederdorf, Oberdorf, Ramlinsburg, Reigoldswil, Titterten und Waldenburg an. Die Beratung der Einwohnerinnen und Einwohner rund um die Fragen des Alters nimmt unter dem Namen «Informations- und Beratungsstelle VRWB+» die Pro Senectute beider Basel in Liestal wahr. Sie war vor Ort mit einem Stand vertreten, so wie auch Vertreterinnen und Vertreter der Pflegeinstitutionen Gritt und Moosmatt, der Spitex und des Seniorenvereins Waldenburgertal.
Das Theaterstück zum Thema Einsamkeit mit anschliessendem moderierten Austausch ist ein Projekt des Schweizer Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung ISGF Zürich und wird mitunter auch vom Swisslos Fonds Baselland unterstützt.

