Druck auf unrentable Linien
16.05.2026 BaselbietBund macht strengere Wirtschaftlichkeitsvorgaben für Regionalverkehr
Busse und Regionalzüge, die häufiger als im Halbstundentakt verkehren, sollen künftig mindestens 30 Prozent der Kosten decken, um weiterhin Bundesgelder zu erhalten. Der Kanton sieht kaum Probleme, ...
Bund macht strengere Wirtschaftlichkeitsvorgaben für Regionalverkehr
Busse und Regionalzüge, die häufiger als im Halbstundentakt verkehren, sollen künftig mindestens 30 Prozent der Kosten decken, um weiterhin Bundesgelder zu erhalten. Der Kanton sieht kaum Probleme, regionale Anbieter warnen vor zusätzlichen Belastungen.
Willi Wenger
Fahren Busse oder Regionalzüge häufiger als im Halbstundentakt, sollen Transportunternehmen künftig mindestens 30 Prozent der Kosten selbst decken, damit sie Geld vom Bund erhalten. So ist die Absicht des Bundes im laufenden Mitwirkungsverfahren zur Richtlinie «Minimale Wirtschaftlichkeit im regionalen Personenverkehr» definiert.
Mit dem vorgeschlagenen neuen Schwellenwert will der Bund Transportunternehmen und Kantone auffordern, ihre Wirtschaftlichkeit zu steigern. Der Vorschlag dient nach Angaben des Bundesamts für Verkehr (BAV) dazu, den finanziellen Herausforderungen der kommenden Jahre zu begegnen.
Der Kanton Baselland wäre laut Simon Rüttimann, Mediensprecher bei der Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD), kaum betroffen. «In Bezug auf die Wirtschaftlichkeit sind die gesetzlichen Vorgaben bei uns strenger als beim Bund. Linien, die einen Kostendeckungsgrad von 30 Prozent nicht erreichen, müssen hinsichtlich Linienführung und Fahrplanangebot grundsätzlich überprüft werden», sagt er.
Falls nötig, würden Massnahmen zur Optimierung des Angebots vorgeschlagen. Und: «Linien, die einen Kostendeckungsgrad von 20 Prozent nicht erreichen, werden nicht in den Generellen Leistungsauftrag aufgenommen oder müssen angepasst werden.» Vergangene Woche hat der Landrat den Regierungsrat jedoch beauftragt, auch abgelegene Dörfer durchgehend an das ÖV-Netz anzubinden (siehe «Volksstimme» vom Dienstag). Ob diese Entscheidung mit der 20-Prozent-Regel vereinbar ist, muss sich zeigen.
Im Kantonsgebiet verfügen nur 3 von rund 60 Linien in den Hauptverkehrszeiten über einen 15-Minuten-Takt und erreichen den Kostendeckungsgrad von 30 Prozent nicht: Es sind dies die Buslinien 33 (Basel–Schönenbuch), 72 (Lupsingen–Liestal–Arisdorf–Augst) sowie 83 (Wanne–Pratteln–Kaiseraugst). Die Waldenburgerbahn liegt nur knapp darüber (siehe Kasten).
Kann der Kostendeckungsgrad dieser Linien nicht verbessert werden, zum Beispiel durch Tarifmassnahmen, Effizienzsteigerungen oder eine Steigerung der Nachfrage, sei der Kanton gesetzlich verpflichtet zu handeln, so BUD-Sprecher Rüttimann. Im Rahmen des Generellen Leistungsauftrags für die Jahre 2029 bis 2032 müsste der Kanton zusammen mit den betroffenen Gemeinden und den Transportunternehmen «geeignete Massnahmen» zur Verbesserung des Kostendeckungsgrads aufzeigen. Dieses Vorgehen bliebe auch mit der neuen Regelung des Bundes bestehen.
Nicht einzige Herausforderung
Die Autobus AG Liestal (AAGL) bezeichnet die mögliche Verschärfung der finanziellen Kriterien als eine grosse Herausforderung für alle Linien. Denn auch die Verteuerung des Betriebs durch die Umstellung auf Busse mit elektrischem Antrieb, steigende Energiekosten oder der Wegfall der Treibstoffzoll-Rückvergütung belasteten das Transportunternehmen.
Simon Dürrenberger, Leiter Markt bei der AAGL, hebt die Linien 72 zwischen Lupsingen und Augst sowie die Linie 83 zwischen Pratteln und Augst hervor: «Bei diesen Linien erfüllen wir diese Vorgabe mit je 29,8 Prozent knapp nicht.» Am anderen Ende der Skala steht die Linie 70 zwischen Liestal und Reigoldswil, die mit 56,5 Prozent den mit Abstand besten Kostendeckungsgrad im AAGL-Netz aufweist.
Die BLT Baselland Transport AG nimmt auf Anfrage zum Thema keine Stellung. «Der Vorschlag ist in Anhörung und ein definitiver Entscheid liegt nicht vor», sagt Kommunikationsleiterin Doris Fritschi.
WB nur knapp über der Limite
je. Auch die Waldenburgerbahn (WB) taucht auf der Liste des Bundesamts für Verkehr als möglicher «Wackelkandidat» auf. Laut Zahlen aus dem Jahr 2024 erreicht die WB mit einem Kostendeckungsgrad von 29,8 Prozent die künftig geforderte Marke von 30 Prozent knapp nicht. Der Kanton Baselland widerspricht dieser Einschätzung allerdings. Laut einem Artikel der «CH-Media»-Zeitungen lägen die aktuellsten Zahlen bei 31,1 Prozent, weshalb der Viertelstundentakt der WB nicht gefährdet sei.
Bei der diese Woche angekündigten Anpassung des Fahrplans der WB spielte die Diskussion um die Wirtschaftlichkeit laut BLT keine Rolle. CEO Frédéric Monard betont: «Die Anpassung erfolgt aufgrund der zahlreichen Reaktionen aus der Bevölkerung.» Ab dem kommenden Montag fahren alle Züge der WB eine Minute früher ab, damit in Liestal die Anschlüsse auf die Schnellzüge nach Basel besser erreicht werden können.
Die BLT verweist auf die hohe Betriebsstabilität der Waldenburgerbahn mit einer Pünktlichkeit von 99,8 Prozent im teilautomatisierten Betrieb. Monard erhofft sich durch die verbesserten Anschlüsse nicht nur zufriedenere Bestandeskunden, sondern auch «wachsende Fahrgastzahlen». Er sagt: «Mit dem Zeitgewinn steigt die Attraktivität des Angebots.»
