Drei Männer – und doch noch eine Frau?
16.10.2026 BaselbietDie «Mitte» entscheidet nächsten Mittwoch über ihre Regierungsratskandidatur
Die «Mitte» hat für die Nachfolge von Regierungsrat Anton Lauber die Wahl zwischen drei Männern – darunter der Oberdörfer Gemeindepräsident Piero Grumelli. ...
Die «Mitte» entscheidet nächsten Mittwoch über ihre Regierungsratskandidatur
Die «Mitte» hat für die Nachfolge von Regierungsrat Anton Lauber die Wahl zwischen drei Männern – darunter der Oberdörfer Gemeindepräsident Piero Grumelli. Dass keine Frau kandidiert, bedauert «Mitte»-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter.
Pascal Kamber
Simon Oberbeck, Piero Grumelli und Remo Oser: Einer aus diesem Trio soll für die «Mitte» den Sitz im Baselbieter Regierungsrat verteidigen. Dieser wird frei, weil Finanz- und Kirchendirektor Anton Lauber nach 14 Jahren in der Exekutive bei den Gesamterneuerungswahlen im kommenden April nicht mehr antritt. Wer für die «Mitte» am Ende in Laubers Fussstapfen treten soll, entscheidet sich bereits nächsten Mittwoch am Parteitag in Liestal.
Bis vergangenen Montag konnten die Sektionen bei der kantonalen Parteileitung ihre Nominationsvorschläge einreichen. Gemäss Medienmitteilung der «Mitte» wurden nur drei Namen gemeldet: Oberbeck, Grumelli und Oser. Nach einer Anhörung unter der Leitung von Georg Gremmelspacher erklärte die Personalkommission sämtliche Kandidaten für wählbar. Eine Frau sucht man auf der Liste indes vergeblich. Das irritiert auch die Baselbieter «Mitte»-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter. «Das geht eigentlich nicht», sagt sie. Die Politikerin aus Biel-Benken weist jedoch darauf hin, dass alle möglichen Kandidatinnen abgesagt hätten – darunter auch Claudia Brodbeck, Landrätin und Vizepräsidentin des Bauernverbands beider Basel, oder die frühere Tenniker Gemeindepräsidentin Sandra Bätscher.
Den Grund sieht Schneider-Schneiter im «kurzfristig gefällten» Entscheid von Anton Lauber. Sie hätte sich etwas mehr Vorlaufzeit gewünscht, schliesslich entscheide sich niemand von heute auf morgen für eine Regierungsratskandidatur. «Eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden, ist nicht einfach», sagt sie. «Natürlich kann man uns vorwerfen, dass wir mit dem Rücktritt von Anton Lauber hätten rechnen müssen. Wir sind trotzdem auf dem falschen Fuss erwischt worden.» Der Vorstand soll sich deshalb die Option offenhalten, eine Kandidatur für einen zweiten Regierungsratssitz aufzustellen. So könnten in den kommenden Wochen weitere Gespräche mit potenziellen Kandidatinnen stattfinden.
Und es wäre auch eine Antwort an die Adresse der FDP, die ebenfalls eine zweite Kandidatur in Erwägung zieht.
Wie aber rechtfertigt Schneider-Schneiter diesen Weg angesichts des Wähleranteils von rund 11 Prozent? Damit liegt die «Mitte» erst an fünfter Stelle, noch hinter den Grünen. «Ich sage nicht, dass wir Anspruch auf diesen zweiten Sitz haben. Es ist aber wichtig, dass die Baselbieter Bevölkerung eine Auswahl erhält», erklärt Schneider-Schneiter. Ausserdem sei es nicht mehr als legitim, einen zweiten Kandidaten – oder eben eine Kandidatin – zu stellen, wenn auch die FDP dies tue.
Der Zeitpunkt stimmt
Piero Grumelli spricht von einem wohlüberlegten Entscheid, sich zur Verfügung zu stellen. «Ich habe in vielen Bereichen Erfahrung gesammelt und bringe einen vollen Rucksack mit», sagt er auf Anfrage der «Volksstimme». Seit 2008 gehört Grumelli dem Oberdörfer Gemeinderat an, 2016 wurde er zum Gemeindepräsidenten gewählt. Der selbstständige Bauzeichner, der auch eine Ausbildung als Finanzberater hat, sanierte die Gemeindestrukturen nachhaltig. Ab 2018 prägte er als Schulratspräsident den Wandel der Sekundarschule Waldenburgertal. Seit 2021 engagiert er sich zudem im Verband Basellandschaftlicher Gemeinden (VBLG).
Ausschlaggebend sei für ihn jedoch der Zeitpunkt. In Oberdorf sei vieles aufgegleist: «Momentan ist keine Baustelle offen. Ich könnte das Amt mit reinem Gewissen übergeben.» Dabei hatte der Gemeinderat in den vergangenen Jahren durchaus mit Opposition zu kämpfen – etwa beim Kunstrasenersatz, bei der Wasserinfrastruktur oder bei Landverkäufen. Nach zehn Jahren an der Spitze des Gemeinderats sei Grumelli aber keineswegs amtsmüde. «Ich mag diese Arbeit sehr. Der Umgang mit den Menschen und die Wertschätzung, die ich erfahren habe, sind unglaublich.» Dennoch wäre er bereit, das Amt aufzugeben, um mit seiner Erfahrung einen Schritt nach vorne zu wagen. «Mit 48 Jahren muss ich sagen: Wenn nicht jetzt, wann dann?»
Sich und seinen Mitbewerbern räumt Grumelli gleich gute Chancen ein. Als Oberbaselbieter sei ihm allerdings bewusst, dass er sich in einem allfälligen Wahlkampf vor allem im unteren Kantonsteil bekannt machen müsste. Die kantonsweite Perspektive sei ihm jedoch nicht fremd. Als VBLG-Vorstandsmitglied wisse er, was es bedeute, für das ganze Baselbiet einzustehen.
Fraktionschef Adil Koller steigt für die SP ins Rennen
Wenige Stunden nach der Ankündigung der «Mitte» machte auch Adil Koller Nägel mit Köpfen: Der Baselbieter SP-Fraktionschef möchte sich für eine Regierungsratskandidatur zur Verfügung stellen. Er hat die Parteileitung gestern darüber informiert, wie das SP-Sekretariat auf Anfrage von Keystone-SDA bestätigte.
Somit bewerben sich bis dato zwei SP-Mitglieder für eine Nomination: Die Landrätin und Liestaler Stadträtin Pascale Meschberger gab vor wenigen Tagen bekannt, dass sie ebenfalls kandidieren möchte. Die «bz Basel» hatte zuerst über diese beiden Bewerbungen berichtet.
Die SP-Landräte Roman Brunner und Jan Kirchmayr werden heute Freitag bekannt geben, ob sie sich für eine Kandidatur zur Verfügung stellen möchten, wie das Parteisekretariat bestätigte. Die Frist für Bewerbungen dauert noch bis zum Sonntag. Die Partei wird am 4. November nominieren. Gleich unmittelbar nach der Rücktrittsankündigung von Anton Lauber («Mitte») gab die SP bekannt, dass sie diesen Sitz holen möchte und neben ihrer bisherigen Regierungsrätin Kathrin Schweizer eine weitere Person ins Rennen schicken werde.




