Kürzlich holte ich mir bei einem Imbiss in Sissach etwas zu essen. Ich bestellte eine vegetarische Pizza – mit Peperoni, Pilzen, Oliven und Spinat. Kurz vor dem Bezahlen fragte mich der Verkäufer, ob ich noch eine Sauce auf die Pizza haben wolle. Ich schaute ihn erstaunt an und ...
Kürzlich holte ich mir bei einem Imbiss in Sissach etwas zu essen. Ich bestellte eine vegetarische Pizza – mit Peperoni, Pilzen, Oliven und Spinat. Kurz vor dem Bezahlen fragte mich der Verkäufer, ob ich noch eine Sauce auf die Pizza haben wolle. Ich schaute ihn erstaunt an und brauchte ein paar Sekunden, um zu überlegen: Was für eine Sauce meint er? Cocktail- oder Joghurtsauce, wie man sie von Döner oder Dürüm kennt? Nachfragen wollte ich allerdings nicht. Mir war sofort klar: Ich möchte keine Sauce auf meiner Pizza. Das passt einfach nicht – wir sind ja nicht in den USA … Ich fragte mich, wie die Pizza, die ich soeben gekauft habe, wohl schmecken wird, wenn der Pizzabäcker auf die Idee kommt, eine Sauce daraufzuschmieren.
Ein paar Tage später stieg ich – kurz nach der Brand-Tragödie in Kerzers (FR) – in Sissach in den Bus. Kurz vor der Abfahrt nach Gelterkinden meldete sich überraschend der Chauffeur per Lautsprecher. Das kenne ich sonst nur von Bergstrecken in den Alpen, wo der Fahrer die Gäste üblicherweise begrüsst. Der Chauffeur in Sissach bedankte sich bei uns Fahrgästen dafür, dass wir «weiterhin mit ‹Postauto› fahren». Eine schöne Geste. Offenbar befürchtete er, das Image von «Postauto» könnte unter dem schrecklichen Brandunglück gelitten haben.
Nochmals ein paar Tage später sass ich über Mittag in einem Café in Sissach und bestellte eine Bouillon. Als sie kam, duftete sie herrlich. Mit Petersilie und einem Ei garniert sah sie ebenso gut aus. Wenn sie nur halb so gut schmeckt wie die Süssigkeiten dieses Cafés, dann bestelle ich sie bestimmt wieder einmal, dachte ich.
Doch die Suppe war gründlich versalzen. Statt einer fein abgeschmeckten Brühe hatte man beim Essen eher das Gefühl, Löffel für Löffel Meerwasser zu trinken … Trotzdem ass ich sie zu Ende – das Brot milderte den Salzgeschmack wenigstens ein bisschen.
Und das Postauto? Trotz der Befürchtungen des Chauffeurs, weniger Leute würden nun mit «Postauto» fahren, ist auf der Strecke Sissach–Gelterkinden bislang nichts zu merken: Der Bus ist jeweils gleich voll wie zuvor.
Und auch die Pizza aus dem Sissacher Imbiss war überaus schmackhaft. Meine Unsicherheit wegen der Saucenfrage des Verkäufers war also völlig unbegründet.
Diese drei kleinen Erlebnisse haben mich wieder einmal daran erinnert: Erwartungen und Befürchtungen erfüllen sich häufig nicht – weder im positiven noch im negativen Sinn. Vielleicht lohnt es sich deshalb, den Moment einfach zu nehmen, wie er kommt. Meist kann man sowieso nicht viel ändern.
Janis Erne, Redaktor «Volksstimme»