«Die Vorbereitungen dauern fast zehn Monate»
07.05.2026 Kultur, BaselbietDas Ehepaar Herbst organisiert verschiedenste Konzerte
Von einem Barockkonzert über eine Oper bis zur Jazz Session; von einheimischen Sängerinnen und Sängern bis zu prominenten Schweizer Tenören: Das Organisationsduo Anna und Beat Herbst präsentiert ein ...
Das Ehepaar Herbst organisiert verschiedenste Konzerte
Von einem Barockkonzert über eine Oper bis zur Jazz Session; von einheimischen Sängerinnen und Sängern bis zu prominenten Schweizer Tenören: Das Organisationsduo Anna und Beat Herbst präsentiert ein vielfältiges Programm.
Brigitte Keller
Frau Herbst, Sie und Ihr Mann Beat organisieren zum vierten Mal das «Classic Festival Waldenburgertal». Die acht Veranstaltungen verteilen sich neu über das ganze Jahr. Was sind die Gründe dafür?
Anna Herbst: Dafür gibt es zwei Argumente: Wie man die Konzerte für das Publikum noch attraktiver gestalten und wie man die Vielfalt der Musikstile erhöhen kann.
Vor zwei Jahren sagten Sie, dass es schwieriger ist, auf dem Land ein solches Festival aufzubauen, Sie sich aber ganz bewusst für das Waldenburgertal entschieden haben. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Sind Sie zufrieden mit dem bisherigen Publikumsaufmarsch?
Waldenburg ist unsere Heimat geworden, wir wohnen hier schon seit mehr als 25 Jahren. Allgemein ist es im Trend, auch mehr Bewegung ins kulturelle Leben auf dem Land zu bringen, besonders bei uns im historischen Waldenburg und der Umgebung.Wir sind zufrieden, dass alle drei bisherigen Festivals auf sehr hohem künstlerischen Niveau sowie ohne Probleme und Hindernisse durchgeführt werden konnten. Wir sind auch sehr zufrieden, dass sich ein Stammpublikum gebildet hat, zwar erst ein kleines, aber immerhin. Allerdings muss eingeräumt werden, dass die Quoten noch nicht das gewünschte Niveau erreicht haben, das kann ich offen sagen.
Was ist die grösste Herausforderung bei der Organisation des «Classic Festivals»?
Die Organisation eines solchen Festivals bedeutet für uns schon eine grosse Anforderung. Die Vorbereitungen dauern fast zehn Monate, mein Mann und ich machen alles selber. Die grösste Herausforderung ist die Sicherstellung der finanziellen Unterstützung für das Festival. Der Swisslos-Fonds Baselland, die BLKB-Stiftung Kultur und Bildung und die EBL unterstützen uns seit Beginn, zudem Gemeinden im Waldenburgertal, KMU und Gönner. Weitere Sponsoren und Förderer zu finden, die unser alternatives Kulturprojekt unterstützen, ist jedoch anspruchsvoll. Gerne würden wir einen grossen Konzertflügel anschaffen, und ein Traum wäre eine grosse Open-Air-Bühne mit Symphonikern. Solche Dinge liegen aber noch in weiter Ferne.
Schauen wir nochmals kurz zurück auf das letztjährige Festival.
Was waren für Sie die Höhepunkte?
Da gab es viele: Die grosse Operettengala mit Orchester und Solisten aus Anlass des 200-Jahre-Jubiläums von Johann Strauss. Dann die spezielle Atmosphäre an der Verdi-Gala mit Kostümen und Kerzenlicht und natürlich die Crossover-Musiker «Brio Sonores», gesungen ohne Mikrofone, begleitet von Live-Musik. Das war Luxus pur!
Das Programm des Festivals ist sehr abwechslungsreich, einerseits in Sachen Bandbreite der Konzerte, andererseits auch, was die Orte der Konzerte anbelangt. Welche Kriterien für die Veranstaltungsorte sind für Sie massgebend?
Selbstverständlich eine gute Akustik. Es sind alles professionell ausgebildete Sängerinnen und Sänger im klassischen Bereich, die ohne Mikrofon singen. Und dann eine entsprechende Infrastruktur: Neu gibt es in der Kirche Langenbruck einen Konzertflügel. Zusammen mit der Akustik passt es so perfekt für das Kammerkonzert «Winterreise» mit Liedern von Schubert, Mahler und Dvoràk, das vom jungen Bariton Mykyta Burtsev gesungen wird, der am Anfang einer internationalen Karriere steht. Ich glaube, von ihm wird man noch viel hören. Auch die zwei Open-Air-Konzerte im Pfarrhof Waldenburg sind eine Premiere. Die Atmosphäre unter dem Sternenhimmel, dazu einmal Jazz und einmal Tango, das wird ein Genuss, wenn das Wetter mitspielt. Für die Oper «Cavalleria rusticana» haben wir uns für die Stadtkirche Liestal entschieden, da an diesem Tag in Waldenburg bereits eine Veranstaltung stattfindet.
«Sternenhimmel Venedigs», «Sizilianische Leidenschaft», «Winterreise» und «Tango Forever», dies sind Stichworte zu vier der acht Konzerte, passend zum Festivalmotto «Klassik für alle». Beschreiben Sie bitte die Besonderheiten der vier weiteren Konzerte.
Bei der «Jazz Session» am 15. August ist alles möglich, diese Musik ist gegen jede Regel, dafür lieben wir sie. Dazu kommt Sommeratmosphäre unter dem Sternenhimmel.
Und sonst?
Die Matinee «Singendes Tal» vom 23. August bringt die drei regionalen Chöre Jodlerklub Spitzeflüeli Waldenburg, das Vokalensemble Waldenburg und den A-cappella-Chor «femtastix» zusammen, alles hervorragende Talente! Bei den prominenten Schweizer Tenören «I Quattro» würde ich sagen: Einfach magisch. Sie singen auf Dialekt und Italienisch – und sie werden ihr Programm für den 12. September auch mit Filmmusik gestalten. Und last but not least das Weihnachtskonzert vom 5. Dezember, an dem in der Kirche Langenbruck die besten und luxuriösesten Christmas-Lieder von Frank Sinatra präsentiert werden. Broadway-Glanz vom Feinsten!
Bereits die vierte Ausgabe
bke. Das Festival findet dieses Jahr zum vierten Mal statt und umfasst wiederum eine grosse Bandbreite an Weltmusik: Barock, Oper, Lieder, Jazz, Schweizer Volkschöre, Pop und Musicals. Die acht Konzerte finden an vier verschiedenen Orten im Waldenburgertal und in Liestal statt und verteilen sich neu über das ganze Jahr.
Los geht es übermorgen Samstag in der reformierten Kirche Waldenburg mit dem Barockkonzert «Notte veneziana», an dem die einheimischen Künstlerinnen Gabriela Freiburghaus (Sopran) und Sari Leijendekker (Mezzosopran) singen.
Ticketvorverkauf: www.kulturticket.ch
Zur Person
bke. Anna Herbst, geboren und aufgewachsen in Odessa (Ukraine), ist diplomierte Opernsängerin, Gesangspädagogin, Schauspielerin und Mentalcoach. Seit mehr als 25 Jahren lebt sie mit ihrem Mann Beat Herbst in Waldenburg. Zusammen haben sie 2015 den Verein «Kulturclub Kirschgarten» gegründet und 2023 lancierte Anna Herbst als künstlerische Leiterin das «Classic Festival Waldenburgertal».

