Herr Degen, Sie verlangten 2023 ausdrücklich, auch Umfahrungsstrassen und zusätzliche Kapazitäten im Oberbaselbiet zu prüfen. Nun lehnt der Regierungsrat eine Erhöhung der Strassenkapazität ab. Wie beurteilen Sie das?
Stefan Degen: Die Antwort ...
Herr Degen, Sie verlangten 2023 ausdrücklich, auch Umfahrungsstrassen und zusätzliche Kapazitäten im Oberbaselbiet zu prüfen. Nun lehnt der Regierungsrat eine Erhöhung der Strassenkapazität ab. Wie beurteilen Sie das?
Stefan Degen: Die Antwort ist ungenügend. ÖV und motorisierter Individualverkehr (MIV) stossen heute an ihre Kapazitätsgrenzen, und die Stosszeiten reichen längst weit in den Morgen und Abend. Der parteiübergreifende Vorstoss zeigt den Handlungsdruck. Baudirektor Isaac Rebers Strategie wirkt einmal mehr wie Aussitzen.
Der Regierungsrat argumentiert, zusätzliche Strassenkapazität wider- spreche dem Regionalen Entwicklungskonzept Oberbaselbiet (REK), das gemeinsam mit den Gemeinden erarbeitet wurde. Überzeugt Sie dieses Argument?
Nein. Das REK schliesst zusätzliche Kapazitäten nicht aus. Der Regierungsrat macht aus einer fehlenden Forderung faktisch eine Ablehnung. Zudem unterschätzen beide das Bevölkerungswachstum: Dieses wird sich zunehmend in die ländlichen Gebiete und damit ins Oberbaselbiet verlagern.
Die neuen Daten zeigen, dass der Verkehr im Chienbergtunnel überwiegend aus dem oberen Ergolztal und dem Homburgertal stammt und nur ein kleiner Teil überregionaler Verkehr ist. Ändert das Ihre Einschätzung, welche Lösung nötig ist?
Die Daten bestätigen das eigentliche Problem: Es fehlt Kapazität für die eigene Bevölkerung, nicht für den Transitverkehr. Zusätzliche Kapazitäten werden deshalb nötig sein, möglichst unterirdisch zum Schutz der Siedlungen. Die Planung muss jetzt beginnen – die Realisierung dauert Jahrzehnte.
Der Kanton will vor allem bestehende Knoten verbessern. Reicht das aus – oder welche konkrete Strassenlösung müsste aus Ihrer Sicht weiterhin geprüft werden?
Knotenoptimierungen sind sinnvoll, reichen aber nicht. Selbst mehrfach angekündigte «Quick Wins» wie Chienbergkreisel oder Schwarze Brücke fehlen bis heute. Der Fokus auf Velorouten löst das Kapazitätsproblem nicht und erscheint angesichts der Daten naiv bis infantil. Wir müssen heute die Infrastruktur von morgen bauen und jene von übermorgen planen.
Interview David Thommen